Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Zukunftstauglich dank Bologna

08.08.2012
Kürzere Studiendauer, gute Akzeptanz auf dem Arbeitsmarkt, hohe Mobilität / Schavan: „Die Hochschulreform ist eine europäische Erfolgsgeschichte“

Seit zehn Jahren gelten Bachelor und Master als gleichberechtigte Abschlüsse an deutschen Hochschulen. Die entsprechende sechste Änderung des Hochschulrahmengesetzes wurde am 8. August 2002 unterzeichnet und trat am 15. August 2002 in Kraft. Damit wurde die größte Hochschulreform seit Jahrzehnten auf den Weg gebracht, die heute fast abgeschlossen ist: Im letzten Wintersemester waren 85 Prozent der mehr als 15.000 Studiengänge umgestellt.

„Die Entwicklung in den vergangenen Jahren hat gezeigt, dass die Entscheidung für eine europaweite Hochschulreform richtig war“, sagte Bundesbildungsministerin Annette Schavan. „Noch nie war die studentische Mobilität so hoch wie heute, und noch nie waren die Studienzeiten so kurz wie jetzt. Die Einführung des Bachelor als frühen berufsqualifizierenden Abschluss bietet den Absolventinnen und Absolventen viele Möglichkeiten der Karriereplanung.“ Dass sich im Zuge der Reformen auch die Zahl der Studierenden deutlich ausgeweitet habe, sei ein Zeichen für die große Akzeptanz des Bachelor. „Die Bologna-Reform ist eine europäische Erfolgsgeschichte“, bilanzierte die Ministerin.

Auch die Zahl der Studienabbrecher ist in den vergangenen Jahren deutlich gesunken. Das zeigt sich vor allem an der Entwicklung der Studienabbruchsquote an den Fachhochschulen. Dort wurde der Bachelor früher eingeführt. Mittlerweile hat sich der Anteil der Studienabbrecher an Fachhochschulen mehr als halbiert, und das innerhalb von nur vier Jahren. Hatten bei der Befragung des Absolventenjahrgangs 2006 noch 39 Prozent ihr Bachelorstudium abgebrochen, so sank dieser Wert für den Jahrgang 2010 auf 19 Prozent. Insgesamt haben 28 Prozent derjenigen, die 2006/2007 an Universitäten und Fachhochschulen ein Bachelorstudium angefangen haben, dieses abgebrochen.

Schavan wies auch auf die Herausforderungen für die Zukunft hin: „Wir müssen die Bologna-Reform weiter konsequent vorantreiben“, sagte die Ministerin. „Ich sehe hier vor allem die Länder und die Hochschulen in der Pflicht.“ Der Bund unterstützt nach den Worten Schavans bereits mit dem Qualitätspakt Lehre als dritte Säule des Hochschulpaktes die qualitative Verbesserung der Studienbedingungen. „Hierfür stellen wir in den kommenden Jahren rund 2 Milliarden Euro zur Verfügung.“

Die Forderung der Wirtschaft nach jüngeren und mobileren Absolventen, einer internationalen Vergleichbarkeit, gegenseitiger Anerkennung der Abschlüsse und insgesamt einem Mehr an Beschäftigungsfähigkeit waren ein Auslöser für die 1999 in der italienischen Universitätsstadt Bologna angestoßenen Reformen. Dass sowohl Wirtschaft als auch Studierende hiervon profitieren, belegen diverse Studien aus den vergangenen Jahren:

Akzeptanz der neuen Abschlüsse: Die neuen Abschlüsse sind auf dem Arbeitsmarkt erfolgreich: Bachelor-Absolventen sind selten arbeitslos (2 Prozent Universität, 3 Prozent Fachhochschule) oder unterhalb ihres Qualifikationsniveaus beschäftigt (5 Prozent Universität, 3 Prozent Fachhochschule). Die Absolventen sind in der großen Mehrheit mit ihrer beruflichen Situation zufrieden und haben vielfältige Karrieremöglichkeiten. Gut zwei Drittel der Unternehmen bieten Bachelor-Absolventen das gleiche Einstiegsgehalt wie Absolventen mit traditionellen Abschlüssen. Angesichts der Altersunterschiede zwischen Absolventen der neuen und der tradionellen Abschlüsse (3,2 Jahre an Universitäten, 1,7 Jahre an Fachhochschulen) ist das Gehaltsniveau damit vergleichbar.

Nach einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft in Köln (IW) ist die Mehrheit der befragten Unternehmen zufrieden mit den Kompetenzen der Bachelor-Absolventen. Auch nach einer Untersuchung des Stifterverbands für die Deutsche Wissenschaft äußerten sich die befragten Unternehmen mehrheitlich zufrieden mit den Leistungen der Bachelorabsolventen. Dabei fallen die Bewertungen derjenigen Betriebe, die bereits Erfahrungen mit Bachelorabsolventen haben, positiver aus als die Einschätzungen der Unternehmen, die noch keine Bachelors eingestellt haben.

Studiendauer: Mit dem Bachelor kann ein berufsqualifizierender Studienabschluss nach deutlich kürzerer Zeit erreicht werden: Die Hälfte der Absolventen schaffte ihren Bachelor-Abschluss im Jahr 2010 nach maximal 6,5 Semestern. Beim Universitäts-Diplom brauchte die Hälfte der Studierenden bis zum Abschluss bis zu 12,2 Semester. Durch die Bologna-Reform liegt die durchschnittliche Studienzeit damit nahe der Regelstudienzeit.

Master: Die Bachelor-Master-Struktur ermöglicht es Absolventen, ihre Karriere flexibler zu planen. Sie können sowohl einen Master anschließen als auch direkt und deutlich früher als bisher in den Beruf einsteigen, um zum Beispiel nach entsprechender Praxiserfahrung später ein berufsbegleitendes Masterstudium zu absolvieren. Zurzeit schließen viele Bachelors eine weitere Qualifikation - in der Regel ein Masterstudium - an (54 Prozent FH, 77 Prozent Universität). Hierfür erhalten aktuell 90 Prozent einen Studienplatz sowohl an der Wunschhochschule als auch im Wunschfach. Die Zahl der Masterstudiengänge hat sich von 4.713 im WS 2010/11 auf 5.379 im WS 2011/12 erhöht.

Mobilität: Bologna fördert auch die Mobilität der Studierenden. Die Zahl deutscher Studierender, die im Ausland eingeschrieben sind, hat sich von 1999 auf 2009 mit 115.500 nahezu verdoppelt. Am Erasmus-Programm nehmen fünf Prozent mehr Studierende teil. Etwa ein Drittel aller Studierenden an deutschen Hochschulen sammelt inzwischen Auslandserfahrung. Umgekehrt steigt die Attraktivität deutscher Hochschulen für ausländische Studierende: Ihre Zahl überstieg 2011 zum ersten Mal 250.000. Im Zuge von Bologna hat sich auch die vollständige Anerkennung von im Ausland erbrachten Studienleistungen deutlich verbessert (von 41 Prozent in 2007 auf 66 Prozent in 2011).

Weitergehende Informationen finden Sie im Internet unter:

http://www.bmbf.de/de/3336.php
http://www.bmbf.de/pubRD/berufsperspektiven_bachelor_deutschland.pdf
http://www.bmbf.de/pubRD/mit_dem_bachelor_in_den_beruf.pdf
http://www.studentenwerke.de/pdf/Bachelor-Bericht_Soz19.pdf

| BMBF Newsletter
Weitere Informationen:
http://www.bmbf.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Bildung Wissenschaft:

nachricht Raum für Bildung: Physik völlig schwerelos
19.10.2018 | Max-Planck-Institut für Astronomie

nachricht Das Reifungsmuster des Hippokampus steuert die menschliche Gedächtnisentwicklung
23.07.2018 | Max-Planck-Institut für Bildungsforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Bildung Wissenschaft >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Mit Gravitationswellen die Dunkle Materie ausleuchten

Schwarze Löcher stossen zusammen, Gravitationswellen breiten sich durch die Raumzeit aus - und ein riesiges Messgerät ermöglicht es, die Struktur des Universums zu erkunden. Dies könnte bald Realität werden, wenn die Raumantenne LISA ihren Betrieb aufnimmt. UZH-Forschende zeigen nun, dass LISA auch Aufschluss über die schwer fassbaren Partikel der Dunklen Materie geben könnte.

Dank der Laserinterferometer-Raumantenne (LISA) können Astrophysiker Gravitationswellen beobachten, die von Schwarzen Löchern ausgesendet werden. Diese...

Im Focus: Auf dem Weg zu maßgeschneiderten Naturstoffen

Biotechnologen entschlüsseln Struktur und Funktion von Docking Domänen bei der Biosynthese von Peptid-Wirkstoffen

Mikroorganismen bauen Naturstoffe oft wie am Fließband zusammen. Dabei spielen bestimmte Enzyme, die nicht-ribosomalen Peptid Synthetasen (NRPS), eine...

Im Focus: Größter Galaxien-Proto-Superhaufen entdeckt

Astronomen enttarnen mit dem ESO Very Large Telescope einen kosmischen Titanen, der im frühen Universum lauert

Ein Team von Astronomen unter der Leitung von Olga Cucciati vom Istituto Nazionale di Astrofisica (INAF) Bologna hat mit dem VIMOS-Instrument am Very Large...

Im Focus: Auf Wiedersehen, Silizium? Auf dem Weg zu neuen Materalien für die Elektronik

Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Polymerforschung (MPI-P) in Mainz haben zusammen mit Wissenschaftlern aus Dresden, Leipzig, Sofia (Bulgarien) und Madrid (Spanien) ein neues, metall-organisches Material entwickelt, welches ähnliche Eigenschaften wie kristallines Silizium aufweist. Das mit einfachen Mitteln bei Raumtemperatur herstellbare Material könnte in Zukunft als Ersatz für konventionelle nicht-organische Materialien dienen, die in der Optoelektronik genutzt werden.

Bei der Herstellung von elektronischen Komponenten wie Solarzellen, LEDs oder Computerchips wird heutzutage vorrangig Silizium eingesetzt. Für diese...

Im Focus: Goodbye, silicon? On the way to new electronic materials with metal-organic networks

Scientists at the Max Planck Institute for Polymer Research (MPI-P) in Mainz (Germany) together with scientists from Dresden, Leipzig, Sofia (Bulgaria) and Madrid (Spain) have now developed and characterized a novel, metal-organic material which displays electrical properties mimicking those of highly crystalline silicon. The material which can easily be fabricated at room temperature could serve as a replacement for expensive conventional inorganic materials used in optoelectronics.

Silicon, a so called semiconductor, is currently widely employed for the development of components such as solar cells, LEDs or computer chips. High purity...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Lehren und Lernen mit digitalen Medien im Fokus

22.10.2018 | Veranstaltungen

Natürlich intelligent

19.10.2018 | Veranstaltungen

Rettungsdienst und Feuerwehr - Beschaffung von Rettungsdienstfahrzeugen, -Geräten und -Material

18.10.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Chemie aus der Luft: atmosphärischem Stickstoff als Alternative

22.10.2018 | Biowissenschaften Chemie

Gebirge bereiten Boden für Artenreichtum

22.10.2018 | Geowissenschaften

Neuer Wirkstoff gegen Anthrax

22.10.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics