Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Fremdsprachen - Das Akzentparadox

10.02.2020

Menschen, die eine Fremdsprache lernen, sind sich zwar typischer Aussprachefehler bewusst, machen diese Fehler trotz jahrelangen Übens aber oft weiterhin selbst. Eine LMU-Studie zeigt nun, dass jeder dabei die eigene Aussprache am besten findet.

Menschen, die eine Fremdsprache lernen, kämpfen oft mit der richtigen Aussprache. Der „th“-Fehler der Deutschen beim Englischlernen ist hier typisch. „Senk ju vor träwelling“ ist zum Klassiker geworden, viele Menschen lachen darüber, auch wenn sie den Fehler selbst machen.


Das Paradoxe: Obwohl sie den deutschen Akzent generell einfach bei anderen Menschen hören, können Sprachschüler oft bei sich selbst entsprechende Fehler trotz jahrelangen Übens nicht abstellen.

Die LMU-Sprachwissenschaftlerinnen Eva Reinisch und Nikola Eger haben zusammen mit Holger Mitterer von der Universität Malta nun einen Grund für dieses Akzentparadox gefunden:

„Viele Menschen überschätzen das eigene Niveau ihrer Aussprache“, sagt Reinisch. „Sie finden ihr Englisch in der Regel besser als das anderer Sprachschüler, obwohl sie die gleichen Fehler machen.“ Diese Selbstüberschätzung ist ein wichtiger Grund, der es so schwer macht, eine Fremdsprache akzentfrei zu lernen.

Im Rahmen der Studie lasen insgesamt 24 Probandinnen zunächst 60 einfache Sätze vor wie „The family bought a house”, „The jug is on the shelf” oder „They heard a funny noise”. Einige Wochen später hörten die Teilnehmerinnen einzelne aufgenommene Sätze von insgesamt vier Sprechern wieder, von sich selbst und drei anderen.

Nach jedem Satz sollten sie die Aussprache in Form einer Schulnote bewerten. Um zu verhindern, dass die eigenen Sätze erkannt werden, wurden alle Aufnahmen verfremdet, im konkreten Fall in typisch männliche Stimmen umgewandelt.

„Das ist entscheidend, die Probandinnen sollten sich nicht bewusst sein, dass sie auch ihre eigenen Stimmen hören, sonst könnten wir ihre Bewertungen auch nicht ernst nehmen“, sagt Holger Mitterer. Das Ergebnis war klar: In allen Fällen haben die Probandinnen sich selbst mit der besten Aussprachenote bewertet, obwohl sie ihre „eigene“ Stimme nicht mehr erkannt haben. „Wir waren schon überrascht, dass wir diese Selbstüberschätzung so deutlich zeigen konnten“, sagt Reinisch.

Für den Effekt gibt es mehrere Erklärungen. Zum einen wissen die Forscher aus früheren Studien, dass Akzente, die man gut kennt, einfacher zu verstehen sind. „Unsere eigene Stimme kennen wir gut und finden sie daher gut verständlich“, sagt Reinisch, die am vom Institut für Phonetik und Sprachverarbeitung forscht.

„Deswegen finden wir eventuell unseren eigenen Akzent gut verständlich und daher besser, als er ist.“ Eine andere mögliche Erklärung ist der sogenannte „mere-exposure“-Effekt. Dieser Effekt beschreibt, dass wir Dinge, die wir kennen, als angenehmer einschätzen. Die eigene Aussprache ist natürlich etwas, das wir gut kennen.

Die Erkenntnisse zeigen, wie wichtig externes Feedback beim Fremdsprachenlernen ist, da es gezielt Fehler bewusst macht. „Wir können uns nicht verbessern, solange wir denken, dass wir eigentlich schon ganz gut sind“, betont Reinisch. Ansonsten droht ein Effekt, den die Forscher „Fossilisierung“ nennen.

Man glaubt, man habe das Ziel in der Aussprache schon erreicht, obwohl das objektiv nicht der Fall ist, und sieht daher keinen Grund mehr, weiter zu üben. Die LMU-Sprachwissenschaftler denken darüber nach, wie man künftig die Aussprache mit Hilfe von Apps verbessern könnte, die ein externes Feedback generieren.

Wissenschaftliche Ansprechpartner:

PD Dr. Eva Reinisch
Institut für Phonetik und Sprachverarbeitung, LMU
E-Mail: evarei@phonetik.uni-muenchen.de
Tel.: +49 89 2180 5752

Prof. Holger Mitterer
University of Malta
E-Mail: holger.mitterer@um.ac.mt
Mobil: +49 157 52559488

Originalpublikation:

Holger Mitterer, Nikola Anna Eger und Eva Reinisch:
My English sounds better than yours: Second-language learners perceive their own accent as better than that of their peers.
PLOS ONE 2020

Thomas Pinter | Ludwig-Maximilians-Universität München
Weitere Informationen:
http://www.uni-muenchen.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Bildung Wissenschaft:

nachricht „School to go“ – neue Lernplattform geht heute online - 20.03.2020, 16:00 Uhr
20.03.2020 | Deutsches Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz GmbH, DFKI

nachricht Digitale Bildungsangebote auf einen Blick
03.03.2020 | Technologiestiftung Berlin

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Bildung Wissenschaft >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Den Regen für Hydrovoltaik nutzen

Wassertropfen, die auf Oberflächen fallen oder über sie gleiten, können Spuren elektrischer Ladung hinterlassen, so dass sich die Tropfen selbst aufladen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Polymerforschung (MPI-P) in Mainz haben dieses Phänomen, das uns auch in unserem Alltag begleitet, nun detailliert untersucht. Sie entwickelten eine Methode zur Quantifizierung der Ladungserzeugung und entwickelten zusätzlich ein theoretisches Modell zum besseren Verständnis. Nach Ansicht der Wissenschaftler könnte der beobachtete Effekt eine Möglichkeit zur Energieerzeugung und ein wichtiger Baustein zum Verständnis der Reibungselektrizität sein.

Wassertropfen, die über nicht leitende Oberflächen gleiten, sind überall in unserem Leben zu finden: Vom Tropfen einer Kaffeemaschine über eine Dusche bis hin...

Im Focus: Harnessing the rain for hydrovoltaics

Drops of water falling on or sliding over surfaces may leave behind traces of electrical charge, causing the drops to charge themselves. Scientists at the Max Planck Institute for Polymer Research (MPI-P) in Mainz have now begun a detailed investigation into this phenomenon that accompanies us in every-day life. They developed a method to quantify the charge generation and additionally created a theoretical model to aid understanding. According to the scientists, the observed effect could be a source of generated power and an important building block for understanding frictional electricity.

Water drops sliding over non-conducting surfaces can be found everywhere in our lives: From the dripping of a coffee machine, to a rinse in the shower, to an...

Im Focus: Quantenimaging: Unsichtbares sichtbar machen

Verschränkte Lichtteilchen lassen sich nutzen, um Bildgebungs- und Messverfahren zu verbessern. Ein Forscherteam am Fraunhofer-Institut für Angewandte Optik und Feinmechanik IOF in Jena hat eine Quantenimaging-Lösung entwickelt, die in extremen Spektralbereichen und mit weniger Licht genaueste Einblicke in Gewebeproben ermöglichen kann.

Optische Analyseverfahren wie Mikroskopie und Spektroskopie sind in sichtbaren Wellenlängenbereichen schon äußerst effizient. Doch im Infrarot- oder...

Im Focus: Sensationsfund: Spuren eines Regenwaldes in der Westantarktis

90 Millionen Jahre alter Waldboden belegt unerwartet warmes Südpol-Klima in der Kreidezeit

Ein internationales Forscherteam unter Leitung von Geowissenschaftlern des Alfred-Wegener-Institutes, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI)...

Im Focus: A sensational discovery: Traces of rainforests in West Antarctica

90 million-year-old forest soil provides unexpected evidence for exceptionally warm climate near the South Pole in the Cretaceous

An international team of researchers led by geoscientists from the Alfred Wegener Institute, Helmholtz Centre for Polar and Marine Research (AWI) have now...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Interdisziplinärer Austausch zum Design elektrochemischer Reaktoren

03.04.2020 | Veranstaltungen

13. »AKL – International Laser Technology Congress«: 4.–6. Mai 2022 in Aachen – Lasertechnik Live bereits früher!

02.04.2020 | Veranstaltungen

Europäischer Rheumatologenkongress EULAR 2020 wird zum Online-Kongress

30.03.2020 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Erste SARS-CoV-2-Genome aus Österreich veröffentlicht

03.04.2020 | Biowissenschaften Chemie

Projekt »Lade-PV« gestartet: Fahrzeugintegrierte PV für Elektro-Nutzfahrzeuge

03.04.2020 | Energie und Elektrotechnik

Interdisziplinärer Austausch zum Design elektrochemischer Reaktoren

03.04.2020 | Veranstaltungsnachrichten

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics