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HAWK vergibt Deutschlands erste Master-Abschlüsse im Bereich Konservierung und Restaurierung

14.07.2006
Die auf ihrem Gebiet ersten Master-Abschlüsse im deutschsprachigen Raum hat jetzt der Fachbereich Konservierung und Restaurierung an der HAWK Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst in Hildesheim vergeben. Das Leistungsniveau der Arbeiten sei außerordentlich hoch. Sie hätten völlig neue wissenschaftliche Erkenntnisse gebracht und die Kompetenz des Forschungsstandorts Hildesheim gestärkt, betonte Prof. Dr. Gerdi Maierbacher-Legl bei einer Feierstunde.

Bundesweit gibt es insgesamt acht Restauratoren ausbildende Hochschulen. Die HAWK, die einzige diesbezügliche Hochschule im Norden Deutschlands, hat die Studienabschlüsse als erste überhaupt vom Diplom auf Bachelor (Präventive Konservierung) und Master (Konservierung und Restaurierung) umgestellt. Silke Heinemann, Julia Schultz und Jan Menath sind die ersten Absolventen, die jetzt den akademischen Grad Master of Arts (M.A.) tragen. Sie hätten ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt jetzt mit diesem international anerkannten Abschluss auch außerhalb Deutschlands deutlich verbessert, sagte Dekan Prof. Jan Schubert. Die Arbeiten selbst stärkten das Profil des Fachbereichs.

Silke Heinemann hat bei ihren Forschungen zu einer rosafarbenen Bakterienart einen wissenschaftlichen Durchbruch geschafft. Ihr ist es gelungen, diese Bakterien zu vermehren. "Seit 1963 forschen Biologen an diesem Phänomen, aber keiner konnte bisher eine Vermehrung erzielen", ordnet Prof. Dr. Karin Petersen, die Erstprüferin, das Ergebnis der Studien von Silke Heinemann ein. Zweitprüferin war Dipl.-Rest. M.A. (Denkmalpflege) Kerstin Klein vom Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege in Hannover. "Bakterieller Befall auf salzbelasteten Architekturoberflächen - Untersuchungen zu den Wachstumsbedingungen in situ" war das Thema von Silke Heinemanns Master-Thesis. Ihr Forschungsobjekt war eine Kirche in Minsen nördlich von Wilhelmshaven. Dort haben sich die rosafarbenen Bakterien in stark durchfeuchteten Wandflächen angesiedelt, die auf Grund von Zementausbesserungen auch hohe Salzbelastungen aufweisen. Diese Bakterien brauchen organische Nahrungsquellen, Substrate genannt, damit sie sich entwickeln können. Das Ziel der Forschungsarbeit war herauszufinden, unter welchen Bedingungen die Bakterien wachsen. Aus den jetzt vorgelegten Ergebnissen können Rückschlüsse auf die Schadensursache gezogen und Restaurierungsstrategien entwickelt werden.

Jan Menath hat sich mit einem kunstwissenschaftlichen/ restaurierungsgeschichtlichen Thema auseinandergesetzt: "Die Restaurierung der spätgotischen Wand- und Deckenmalereien in Memmingen im 20. Jahrhundert." Erstprüferin war Prof. Dr. Ursula Schädler-Saub, Zweitprüfer der Hauptkonservator des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege, Dr. Markus Weis. Menath hat aus restauratorischer Sicht eine umfassende Analyse einer ganzen Region vorgelegt, die bei künftigen Restaurierungen oder Konservierungen als Arbeitsbasis dienen kann. Mit welchen Materialien hat der Restaurator zu tun? Die Antworten auf die Frage liegen jetzt vor.

Julia Schultz hat sich mit einer neuen Analysemethode für Bindemittel und Leime beschäftigt. Bindemittel sind Bestandteile der Grundierungen und Farben von Kunstwerken. Wenn deren Zusammensetzung bekannt ist, kann der passende Weg der Behandlung daraus geschlossen werden. Bisher sind die Analysemethoden auf diesem Sektor entweder sehr aufwändig oder nicht sehr spezifisch. Deshalb ist die Arbeit von Julia Schultz für Restauratoren und Restauratorinnen von besonderer Bedeutung. "Ihre Analyseergebnisse können im Rückschluss auch zu einer besseren Qualitätskontrolle der aktuellen Leime genutzt werden", erläutert Prof. Petersen, die auch bei dieser Master-Arbeit Erstprüferin war. Prof. Maierbacher-Legl war hier Zweitprüferin. Der Titel dieser Arbeit lautet: "Immunologische Methoden zur Analytik tierischer Bindemittel - Möglichkeiten und Grenzen".

Alle drei Absolventen haben ein nur einjähriges Master-Studium hinter sich, da sie bereits zuvor Diplom-Abschlüsse gemacht haben. Diplomrestauratorinnen und -restauratoren werden Leistungen für das Master-Studium angerechnet, die die künftigen Bachelor-Absolventinnen und -Absolventen wegen des nur sechssemestrigen Studiums noch nicht vorweisen können. Zu diesem Wintersemester (Bewerbungsschluss ist der 15. Juli) bietet der HAWK-Fachbereich noch einmal die einjährige Ausbildung für Diplomanden an. Ab Wintersemester 2007/2008 erstreckt sich der Hildesheimer Master-Studiengang Konservierung und Restaurierung auf zwei Jahre.

Wer sich dann mit einem Diplom-Abschluss einschreiben möchte, kann aber auch zukünftig Leistungen anerkannt bekommen und muss nicht an allen Veranstaltungen teilnehmen. Das ermöglicht Diplomrestauratorinnen und -restauratoren, laut Studiendekan Prof. Dr. Michael von der Goltz, den Master-Studiengang sogar berufsbegleitend zu studieren.

Sabine zu Klampen | idw
Weitere Informationen:
http://www.hawk-hhg.de

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