Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

2,2 Millionen Euro für die Umweltforschung

27.11.2001


VolkswagenStiftung bewilligt die ersten vier Projekte in ihrem Programm Nachwuchsförderung in der fächerübergreifenden Umweltforschung

Glaubt man den Meinungsumfragen, hat das Thema Umwelt in der öffentlichen Wahrnehmung schon längst keine besondere Konjunktur mehr. Spätestens seit "Bio" weniger mit gesunder Kost, sondern mehr mit einem kochenden Talkmaster und krank machenden Waffen assoziiert wird, scheint es an der Zeit, dem Thema gerade aus wissenschaftlicher Sicht wieder mehr Gewicht zu verleihen. Mit ihrem Programm zur Nachwuchsförderung in der fächerübergreifenden Umweltforschung zielt die VolkswagenStiftung vor allem darauf ab, Defizite auf eben diesem Gebiet abzubauen - dabei fokussiert auf junge Forscher und vor allem in der Kooperation unterschiedlicher Wissenschaftsbereiche. Gerade dieser interdisziplinäre Ansatz kennzeichnet jene vier Projekte, die sich jetzt von den 17 bei der Stiftung für dieses Programm eingereichten Anträgen durchsetzen konnten: In allen Fällen handelt es sich um zwei kooperierende junge Wissenschaftler, die teilweise auch an verschiedenen Hochschulen forschen.

Gefördert wird zum Beispiel das Projekt "Realexperimente - Strategien für eine verlässlichere und sozial robuste Umweltforschung". Unter einem "Realexperiment" verstehen die Wissenschaftler Umweltschutzmaßnahmen - etwa Sanierungen oder Renaturierungen -, die wie vorgesehen umgesetzt wurden und deren zum Teil unerwartete Auswirkungen Korrekturen notwendig machen. Mit knapp 520.000 Euro ausgestattet, planen die beiden Nachwuchsforscher vom Institut für Wissenschafts- und Technikforschung der Universität Bielefeld hierzu mehrere Fallstudien. So untersuchen sie eine Prärie-Restaurierung im Mittleren Westen der USA, die Anlage von Abfalldeponien in Deutschland, die Sanierung des Sempachersees in der Schweiz, die ökologische Gestaltung einer Halbinsel aus Abfall und Bauschutt im Michigan See, die Schafwirtschaft im englischen Lake District vor dem Hintergrund von Fernwirkungen des "Tschernobyl-Fallouts", "adaptives Küstenmanagement" in Kalifornien - und in Kombination von Feldbeobachtung, Labor- und Feldexperimenten die Entwicklung einer nachhaltigen Landwirtschaft am Schweizer Greifensee.
----------------------------------------------------------
Kontakt: Dr. Matthias Groß, Dr. Holger Hoffmann-Riem, Institut für Wissenschafts- und Technikforschung, Universität Bielefeld, Telefon: 0521/1063954, Fax: 0521/1066418
----------------------------------------------------------
440.000 Euro erhält das Institut für Soziologie der Universität Marburg für das Vorhaben "Die Zusammenhänge zwischen den Veränderungen in der dörflichen Vegetation häufig gestörter Lebensräume und dem Wandel ländlicher Lebensstile". Im Zusammenwirken von Biologie und Soziologie geht es um die Auswirkungen, die Bodennutzung und Siedlungen des Menschen auf die dörfliche Vegetation haben. So werden auf Grund der häufig wechselnden Bodennutzung im ländlichen Raum die Vegetationszyklen bestimmter Pflanzenarten derart gestört, dass weniger anpassungsfähige Arten schnell verdrängt werden. Die Forschungsarbeiten sollen nun zu erkennen geben, welche Muster sich im Laufe der Zeit durch den Wandel der Lebensstile und die Häufung von Störungen - etwa durch den vermehrten Einsatz von Unkrautvernichtungsmitteln - herausbilden. Untersucht wird die "Ruderalflora" (der Pflanzenbewuchs auf unregelmäßig vom Menschen gestörten Flächen) ausgewählter Siedlungsstrukturen von rund 50 hessischen Dörfern in der Wetterau. Als Kontrolle dienen 20 Dörfer in der Region des Niederen Vogelbergs. Tiefeninterviews und standardisierte Befragungen der Bewohner sind ebenfalls vorgesehen.
------------------------------------------------------------
Kontakt: Dr. Jens Jetzkowitz, Institut für Soziologie, Universität Marburg, Telefon: 06421/2824588, Fax: 06421/2828978; Dr. Stefan Brunzel, Fachbereich Biologie, Universität Marburg, Telefon: 06421/2826586, Fax: 06421/2828978
------------------------------------------------------------
Insgesamt rund 700.000 Euro bewilligt die VolkswagenStiftung dem Institut für Volkswirtschaftslehre I der Universität Oldenburg und dem Max-Planck-Institut für Biogeochemie in Jena für das Projekt "Bewertung des Klimawandels anhand von gekoppelten Ökonomie-Biosphäre-Klima-Modellen". Das geplante Modell soll der Wissenschaft helfen, langfristige ökonomische wie ökologische Folgeeffekte zu untersuchen und zu bewerten nach Entscheidungen, die von Politik oder Wirtschaft getroffen werden und die das Klima beeinflussen könnten. Die entscheidende Neuerung gegenüber bestehenden Modellen liegt in einer realistischen Beschreibung der regionalen Vernetzung von Wirtschaftsbereichen, Ökosystemen und Veränderungen der Landoberfläche. Diese Beschreibung wird eingebettet in ein globales, aber ebenfalls regional realistisches Modell des sich ändernden Klimas. Kooperationspartner sind die Hamburger Zentren für Meeres- und Klimaforschung sowie für Meeres- und Atmosphärenforschung, ferner das dortige Max-Planck-Institut für Meteorologie und das Center for Integrated Study of the Human Dimensions of Global Change, Carnegie Mellon University Pittsburgh.
------------------------------------------------------------
Kontakt: Dr. Claudia Kemfert, Institut für Volkswirtschaftslehre I, Universität Oldenburg, Telefon: 0441/7984106, Fax: 0441/7984101; Dr. Wolfgang Knorr, Telefon: 040/41173282, Fax: 040/41173298
------------------------------------------------------------
Dem Vorhaben "Wirksamkeit und Lernfähigkeit internationaler Organisationen in der Umweltpolitik" widmen sich zwei Nachwuchswissenschaftler am Potsdam-Institut für Klimaforschung e. V. und an der Forschungsstelle für Umweltpolitik an der Freien Universität Berlin. Dabei suchen die beteiligten Wissenschaftler mit sozial- und naturwissenschaftlichen Methoden Antworten zum Beispiel auf solche Fragen: Wie wirken internationale Organisationen in der Umweltpolitik? Welche Erklärungen lassen sich dafür aus interdisziplinärer Perspektive finden? Wie können internationale Organisationen in der Umweltpolitik "lernen", ihre Wirksamkeit zu verbessern - und wie können diese Lern- durch politische Einflussprozesse verbessert werden? Für die Beantwortung dieser und anderer Fragen stehen 530.000 Euro bereit.
-----------------------------------------------------------
Kontakt: Dr. Frank Biermann, Dr. Bernd Siebenhüner, Potsdam-Institut für Klimaforschung, FU Berlin, Telefon: 0331/2882572, Fax: 0331/2882600
-----------------------------------------------------------
Kontakt VolkswagenStiftung, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Christian Jung, Telefon: 0511/8381-380, Fax: 0511/8381-344, E-Mail: jung@volkswagenstiftung.de

Dipl.Biol. Christian Jung | idw

Weitere Berichte zu: Klimaforschung Soziologie Umweltforschung Umweltpolitik Vegetation

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Bildung Wissenschaft:

nachricht Besser lernen: Kurze Bewegungspausen im Unterricht wirken sich positiv auf die Konzentrationsleistung aus
13.02.2020 | Pädagogische Hochschule Karlsruhe

nachricht Fremdsprachen - Das Akzentparadox
10.02.2020 | Ludwig-Maximilians-Universität München

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Bildung Wissenschaft >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Ultraschnelles Schalten eines optischen Bits: Gewinn für die Informationsverarbeitung

Wissenschaftler der Universität Paderborn und der TU Dortmund veröffentlichen Ergebnisse in Nature Communications

Computer speichern Informationen in Form eines Binärcodes, einer Reihe aus Einsen und Nullen – sogenannten Bits. In der Praxis werden dafür komplexe...

Im Focus: Fraunhofer IOSB-AST und DRK Wasserrettungsdienst entwickeln den weltweit ersten Wasserrettungsroboter

Künstliche Intelligenz und autonome Mobilität sollen dem Strukturwandel in Thüringen und Sachsen-Anhalt neue Impulse verleihen. Mit diesem Ziel fördert das Bundeswirtschaftsministerium ab sofort ein innovatives Projekt in Halle (Saale) und Ilmenau.

Der Wasserrettungsdienst Halle (Saale) und das Fraunhofer Institut für Optronik,
Systemtechnik und Bildauswertung, Institutsteil Angewandte Systemtechnik...

Im Focus: A step towards controlling spin-dependent petahertz electronics by material defects

The operational speed of semiconductors in various electronic and optoelectronic devices is limited to several gigahertz (a billion oscillations per second). This constrains the upper limit of the operational speed of computing. Now researchers from the Max Planck Institute for the Structure and Dynamics of Matter in Hamburg, Germany, and the Indian Institute of Technology in Bombay have explained how these processes can be sped up through the use of light waves and defected solid materials.

Light waves perform several hundred trillion oscillations per second. Hence, it is natural to envision employing light oscillations to drive the electronic...

Im Focus: Haben ein Auge für Farben: druckbare Lichtsensoren

Kameras, Lichtschranken und Bewegungsmelder verbindet eines: Sie arbeiten mit Lichtsensoren, die schon jetzt bei vielen Anwendungen nicht mehr wegzudenken sind. Zukünftig könnten diese Sensoren auch bei der Telekommunikation eine wichtige Rolle spielen, indem sie die Datenübertragung mittels Licht ermöglichen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) am InnovationLab in Heidelberg ist hier ein entscheidender Entwicklungsschritt gelungen: druckbare Lichtsensoren, die Farben sehen können. Die Ergebnisse veröffentlichten sie jetzt in der Zeitschrift Advanced Materials (DOI: 10.1002/adma.201908258).

Neue Technologien werden die Nachfrage nach optischen Sensoren für eine Vielzahl von Anwendungen erhöhen, darunter auch die Kommunikation mithilfe von...

Im Focus: Einblicke in die Rolle von Materialdefekten bei der spin-abhängigen Petahertzelektronik

Die Betriebsgeschwindigkeit von Halbleitern in elektronischen und optoelektronischen Geräten ist auf mehrere Gigahertz (eine Milliarde Oszillationen pro Sekunde) beschränkt. Die Rechengeschwindigkeit von modernen Computern trifft dadurch auf eine Grenze. Forscher am MPSD und dem Indian Institute of Technology in Bombay (IIT) haben nun untersucht, wie diese Grenze mithilfe von Lichtwellen und Festkörperstrukturen mit Defekten erhöht werden könnte, um noch größere Rechenleistungen zu erreichen.

Lichtwellen schwingen mehrere hundert Trillionen Mal pro Sekunde und haben das Potential, die Bewegung von Elektronen zu steuern. Im Gegensatz zu...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Leopoldina-Symposium: „Mission – Innovation“ 2020

21.02.2020 | Veranstaltungen

Gemeinsam auf kleinem Raum - Mikrowohnen

19.02.2020 | Veranstaltungen

Chemnitzer Linux-Tage am 14. und 15. März 2020: „Mach es einfach!“

12.02.2020 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Globale Datenbank für Karstquellenabflüsse

21.02.2020 | Geowissenschaften

Leopoldina-Symposium: „Mission – Innovation“ 2020

21.02.2020 | Veranstaltungsnachrichten

Langlebige Fachwerkbrücken aus Stahl einfacher bemessen

21.02.2020 | Architektur Bauwesen

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics