Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Freies Schreiben auch für Kinder mit Schwierigkeiten

04.04.2006


Langsame Lerner und Kinder mit ungünstigen Voraussetzungen verlieren oft schon in den ersten Schulmonaten den Anschluss in ihrer Klasse. In einem Kooperationsprojekt der Pädagogischen Hochschule Schwäbisch Gmünd und des Transferzentrums für Neurowissenschaften und Lernen (ZNL) der Universität Ulm wurde ein besonderes Konzept zur Lese- und Schreibförderung von Erstklässlern eingesetzt. Es soll verhindern, dass Kinder mit Rechtschreibschwierigkeiten frühzeitig im Unterricht scheitern.



Oft beschränkt sich Förderung darauf, einzelne Fertigkeiten wie die Buchstabenkenntnis oder den Wortschatz der Kinder zu trainieren. Dr. Erika Brinkmann, Professorin für Deutsche Sprache an der PH, und ihr Fach-Kollege Prof. Dr. Manfred Wespel gehen einen anderen Weg: "Wir knüpfen an den persönlichen Interessen der Kinder an, suchen mit ihnen einfach zu lesende Bücher zu ihrem Thema, lesen ihnen vor und regen sie an, selbstständig zu schreiben. Dadurch sollen sie vor allem Freude am Lesen und Schreiben entwickeln." Auf diese Weise gewinnen die Kinder grundlegende Einsichten in den Aufbau und in den Nutzen von Schriftsprache, die als Basis für die weitere orthografische Entwicklung notwendig sind. Die Fehler, die sie bei ihren Schreibversuchen machen, gehören zum Lernprozess in dieser Phase dazu und richten keinen Schaden an, wie viele internationale Studien belegen. Allerdings wird immer wieder behauptet, nur Kinder aus schriftnahem Milieu profitierten vom freien Schreiben und Lesen. Dies bestreiten die Fachleute aus Schwäbisch Gmünd nachdrücklich und können dies nun auch mit der vorliegenden Untersuchung belegen.



In der gemeinsamen Studie von PH Gmünd und ZNL Ulm wurde untersucht, wie sich die Rechtschreibleistungen von Kindern mit Problemen in diesem Bereich durch die Förderung verändern. Ein Drittel der Kinder hatte eine andere Muttersprache als Deutsch. Obwohl die Kinder über einen Zeitraum von drei Monaten nur einmal pro Woche gefördert wurden, konnten sie einen deutlich höheren Lernfortschritt erzielen als Kinder einer nicht geförderten Vergleichsgruppe. Nach der Förderung hatten zwar immer noch einige Kinder Schwierigkeiten, aber ihr Anteil wurde von 20 auf 8 Kinder verringert. Nach Abschluss dieser ersten Projektphase wechselte die Zuordnung der Gruppen: Jetzt wurden nur die Kinder der Vergleichsgruppe gefördert - und dieses Mal machten diese die größeren Fortschritte. Dies zeigt, dass der gewählte Förderansatz sich positiv auf die Rechtschreibfähigkeiten von Kindern mit Rechtschreibschwierigkeiten auswirkt.

Rüdiger-Philipp Rackwitz, ASTA-Vorsitzender an der Pädagogischen Hochschule Schwäbisch Gmünd, hat mit insgesamt weiteren 17 Studierenden selbst in dem Projekt mitgearbeitet: "Wir Studierende haben aus der Förderarbeit auch viel Gewinn für unsere Ausbildung ziehen können. Zu sehen, wie intensiv sich so genannte ’lernschwache’ Kinder auf die Lese- und Schreibangebote eingelassen haben, ist etwas ganz anderes, als die neuen Konzepte nur im Seminar vorgestellt zu bekommen. Mehrere von uns schreiben auch ihre Examensarbeiten über das Projekt." Manfred Wespel hat die Studierenden während der Förderung betreut. Er wünscht sich, dass der Spracherfahrungsansatz auch im normalen Unterricht stärkere Verbreitung findet: "Im Grunde steht das alles schon so im neuen Bildungsplan. Aber im Unterrichtsalltag ist das freie Schreiben und Lesen noch nicht so sehr verbreitet." Seine Kollegin Erika Brinkmann, die die "Ideenkiste Schriftsprache" entwickelt hat, mit der im Projekt schwerpunktmäßig gearbeitet wurde, kann von großen Erfolgen mit diesem Ansatz auch aus einer anderen Region berichten: "Seit über zehn Jahren bilde ich nach diesem Konzept mit Kollegen aus Gmünd und Siegen Multiplikatoren und Lehrer in Südtirol aus. In der ersten Lesestudie 1991 lag Südtirol noch im internationalen Mittelfeld. Bei PISA-2003 hat die Region sogar besser abgeschnitten als der PISA-Spitzenreiter Finnland. Sicher sind noch viele andere Faktoren in Südtirol für diesen Erfolg ausschlaggebend, dennoch zeigt sich auch hier das hohe Potenzial des Spracherfahrungsansatzes für die Schriftsprachentwicklung der Kinder."

Weitere Informationen: Prof. Dr. Erika Brinkmann, Telefon: 07171-983214, e-mail: erika.brinkmann@ph-gmuend.de

Dr. Monika Becker | idw
Weitere Informationen:
http://www.ph-gmuend.de

Weitere Berichte zu: Pädagogik Rechtschreibschwierigkeit Südtirol

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Bildung Wissenschaft:

nachricht Das Reifungsmuster des Hippokampus steuert die menschliche Gedächtnisentwicklung
23.07.2018 | Max-Planck-Institut für Bildungsforschung

nachricht Lehrerbildung für die digitale Welt
17.07.2018 | Pädagogische Hochschule Schwäbisch Gmünd

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Bildung Wissenschaft >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wie Magnetismus entsteht: Elektronen stärker verbunden als gedacht

Wieso sind manche Metalle magnetisch? Diese einfache Frage ist wissenschaftlich gar nicht so leicht fundiert zu beantworten. Das zeigt eine aktuelle Arbeit von Wissenschaftlern des Forschungszentrums Jülich und der Universität Halle. Den Forschern ist es zum ersten Mal gelungen, in einem magnetischen Material, in diesem Fall Kobalt, die Wechselwirkung zwischen einzelnen Elektronen sichtbar zu machen, die letztlich zur Ausbildung der magnetischen Eigenschaften führt. Damit sind erstmals genaue Einblicke in den elektronischen Ursprung des Magnetismus möglich, die vorher nur auf theoretischem Weg zugänglich waren.

Für ihre Untersuchung nutzten die Forscher ein spezielles Elektronenmikroskop, das das Forschungszentrum Jülich am Elettra-Speicherring im italienischen Triest...

Im Focus: Erstmals gemessen: Wie lange dauert ein Quantensprung?

Mit Hilfe ausgeklügelter Experimente und Berechnungen der TU Wien ist es erstmals gelungen, die Dauer des berühmten photoelektrischen Effekts zu messen.

Es war eines der entscheidenden Experimente für die Quantenphysik: Wenn Licht auf bestimmte Materialien fällt, werden Elektronen aus der Oberfläche...

Im Focus: Scientists present new observations to understand the phase transition in quantum chromodynamics

The building blocks of matter in our universe were formed in the first 10 microseconds of its existence, according to the currently accepted scientific picture. After the Big Bang about 13.7 billion years ago, matter consisted mainly of quarks and gluons, two types of elementary particles whose interactions are governed by quantum chromodynamics (QCD), the theory of strong interaction. In the early universe, these particles moved (nearly) freely in a quark-gluon plasma.

This is a joint press release of University Muenster and Heidelberg as well as the GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung in Darmstadt.

Then, in a phase transition, they combined and formed hadrons, among them the building blocks of atomic nuclei, protons and neutrons. In the current issue of...

Im Focus: Der Truck der Zukunft

Lastkraftwagen (Lkw) sind für den Gütertransport auch in den kommenden Jahrzehnten unverzichtbar. Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen der Technischen Universität München (TUM) und ihre Partner haben ein Konzept für den Truck der Zukunft erarbeitet. Dazu zählen die europaweite Zulassung für Lang-Lkw, der Diesel-Hybrid-Antrieb und eine multifunktionale Fahrerkabine.

Laut der Prognose des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur wird der Lkw-Güterverkehr bis 2030 im Vergleich zu 2010 um 39 Prozent steigen....

Im Focus: Extrem klein und schnell: Laser zündet heißes Plasma

Feuert man Lichtpulse aus einer extrem starken Laseranlage auf Materialproben, reißt das elektrische Feld des Lichts die Elektronen von den Atomkernen ab. Für Sekundenbruchteile entsteht ein Plasma. Dabei koppeln die Elektronen mit dem Laserlicht und erreichen beinahe Lichtgeschwindigkeit. Beim Herausfliegen aus der Materialprobe ziehen sie die Atomrümpfe (Ionen) hinter sich her. Um diesen komplexen Beschleunigungsprozess experimentell untersuchen zu können, haben Forscher aus dem Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) eine neuartige Diagnostik für innovative laserbasierte Teilchenbeschleuniger entwickelt. Ihre Ergebnisse erscheinen jetzt in der Fachzeitschrift „Physical Review X“.

„Unser Ziel ist ein ultrakompakter Beschleuniger für die Ionentherapie, also die Krebsbestrahlung mit geladenen Teilchen“, so der Physiker Dr. Thomas Kluge vom...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

4. BF21-Jahrestagung „Car Data – Telematik – Mobilität – Fahrerassistenzsysteme – Autonomes Fahren – eCall – Connected Car“

21.09.2018 | Veranstaltungen

Forum Additive Fertigung: So gelingt der Einstieg in den 3D-Druck

21.09.2018 | Veranstaltungen

12. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

20.09.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Tiefseebergbau: Forschung zu Risiken und ökologischen Folgen geht weiter

21.09.2018 | Geowissenschaften

4. BF21-Jahrestagung „Car Data – Telematik – Mobilität – Fahrerassistenzsysteme – Autonomes Fahren – eCall – Connected Car“

21.09.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Optimierungspotenziale bei Kaminöfen

21.09.2018 | Energie und Elektrotechnik

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics