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Nicht neu - und doch das erste Mal vergeben: Leistungspunkte in der beruflichen Bildung

16.06.2005


Leistungspunktsysteme werden von Hochschulen und Universitäten genutzt, um erbrachte Studienleistungen zu bewerten und sie so hochschul- und grenzüberschreitend (an)erkennbar zu machen. In der beruflichen Bildung ist die Anwendung von Leistungspunktsystemen dagegen neu. Dass sie das richtige Instrument auch für eine vergleichende Bewertung von beruflich und hochschulisch erworbenen Qualifikationen sind und die Durchlässigkeit zwischen akademischer und nichtakademischer Ausbildung befördern können, hat das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) jetzt in seinem Forschungsvorhaben "Leistungspunkte in der IT-Weiterbildung" nachgewiesen. Ziel des Vorhabens war, ein Instrumentarium für die Ermittlung von Leistungspunkten auch in der beruflichen Bildung zu entwickeln und seine Umsetzbarkeit exemplarisch zu testen.


Ausgangspunkt des BIBB-Vorhabens war das Anfang 2002 eingeführte IT-Weiterbildungssystem: Aufbauend auf einem IT-Facharbeiterabschluss, kann hier eine systematische und abschlussbezogene berufliche Qualifizierung auf drei Ebenen - vom IT-Spezialisten zum operativen und weiter zum IT-Professional - durchlaufen werden. Die Abschlüsse bewegen sich bei der operativen Professionalebene auf dem (hochschulischen) Bachelor-Niveau, bei der strategischen Professionalebene auf dem (hochschulischen) Masterniveau.

Um zum einen die Vergleichbarkeit der in der Berufsbildung erworbenen Kompetenzen mit denen des Informatik-Studiums sicher zu stellen und zum anderen diese Kompetenzen auch auf weiterführende - auch hochschulische - Bildungsangebote anrechenbar zu machen, war die Entwicklung eines Instrumentariums erforderlich, mit dem die beruflichen Lern- und Arbeitsleistungen sowohl quantitativ wie qualitativ bewertet werden können.


Das BIBB-Vorhaben "Leistungspunkte in der IT-Weiterbildung", das in Kooperation mit dem Frauenhofer-Institut für Software- und Systemtechnik durchgeführt wurde, beschäftigte sich beispielhaft mit der Bewertung von Qualifikationen und Kompetenzen auf der operativen IT-Professionalebene. Dabei konnte nachgewiesen werden,

  • dass die Qualifikationen und Kompetenzen der vier operativen IT-Professionals in der Regel dem Bachelor-Niveau entsprechen,
  • dass das im Vorhaben verwendete komplexe Verfahren geeignet ist, eine qualitative Bewertung von im Arbeitsprozess erworbenen Qualifikationen und Kompetenzen vorzunehmen,
  • dass mit diesem Instrumentarium eine Vergleichbarkeit mit hochschulisch erworbenen Qualifikationen und Kompetenzen möglich wird,
  • dass die Verfahrensschritte auch auf andere Qualifizierungsebenen im IT-Weiterbildungssystem, auf die berufliche Ausbildung sowie auf andere Berufsbereiche übertragbar sind.

Mit der beispielhaften Erprobung eines Bewertungsverfahrens für beruflich erworbene Qualifikationen hat das BIBB den Grundstein gelegt für die weitere Entwicklung und Einführung eines qualitativen Leistungspunktesystems, das den beruflichen und hochschulischen Bildungsbereich umfasst. Seine breite Anwendung würde den individuellen Ein- und Umstieg in unterschiedliche Bildungsbereiche durch Anrechnung vorhandener Qualifikationen und Kompetenzen ermöglichen. Die Einführung eines hochschulkompatiblen Leistungspunktesystems in der beruflichen Bildung wäre somit ein konkreter Schritt zur Anerkennung der Gleichwertigkeit von beruflicher und allgemeiner Bildung.

Die vom BIBB herausgegebene Veröffentlichung: "Hochschulkompatible Leistungspunkte in der beruflichen Bildung. Grundsteinlegung in der IT-Weiterbildung" beschreibt ausführlich die im Forschungsvorhaben entwickelten Untersuchungsschritte zur Feststellung möglicher Äquivalenzen zwischen beruflich und hochschulisch erworbenen Qualifikationen und Kompetenzen und stellt die Ergebnisse der Bewertung im Einzelnen vor.

Dr. Ilona Zeuch-Wiese | idw
Weitere Informationen:
http://www.bibb.de

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