Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Bildungssysteme aller 16 Bundesländer im Vergleich: NSM-Bildungstest: Süd-Nord-Gefälle vergrößert sich

24.11.2004


Das Bildungsniveau der drei Bundesländer Bremen, Berlin und Sachsen-Anhalt ist allenfalls drittklassig. Das ist ein zentrales Ergebnis einer aktuellen Studie der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM). Die Analyse, die von einem zehnköpfigen Wissenschaftler-Team in den vergangenen elf Monaten erstellt wurde, untersucht zum ersten Mal in allen 16 Bundesländern die vier zentralen Bildungsbereiche Vorschule, Allgemeinbildende Schule, Berufsschule und Hochschule. Dem INSM-Bildungsmonitor liegen 105 Bildungsindikatoren wie Abbrecherquote, Studienberechtigtenquote oder Schüler-Lehrer-Relation zugrunde.

Während die Spitzenreiter Bayern und Baden-Württemberg aufgrund intensiver Schwerpunktsetzung noch die Chance besitzen, an das Niveau international führender Bildungsnationen wie Finnland und Kanada Anschluss zu finden, drohen die Schlusslichter der INSM-Bildungsstudie - Berlin, Bremen und Sachsen-Anhalt - mit ihrer Bildungsarbeit in der Versenkung zu verschwinden. "Das Bildungssystem in Deutschland ist, gemessen an seiner einstigen Vorrangstellung, in einer schockierend armseligen Verfassung", sagt Tasso Enzweiler, Geschäftsführer der Initiative.

Anfang dieser Woche wurden auch vorab die wesentlichen Ergebnisse des internationalen Bildungstest PISA 2 veröffentlicht. "Gerade auch im Hinblick auf diese zweite Pisa-Studie wollte unsere Initiative genau wissen, wo die Stärken und Schwächen unseres Bildungssystems liegen und wie gut die Deutschen ihre junge Generation auf die Anforderungen der Wissensgesellschaft vorbereitet", umreißt Enzweiler die Leitidee der Studie. Im Rahmen des PISA-2-Tests belegen deutsche Schüler in allen drei untersuchten Disziplinen lediglich Plätze in der unteren Hälfte der Leistungstabelle von insgesamt 31 Industriestaaten.

Die Kultusministerkonferenz der Bundesländer hatte vor wenigen Tagen ebenfalls die Veröffentlichung einer Vergleichsstudie über die Bildungsarbeit in den 16 Bundesländern angekündigt - allerdings erst für Herbst 2005. "Da wollten wir die Zeit nutzen, und mit diesen Ergebnissen Reformansätze und Impulse für die Bildungspolitik in den Bundesländern liefern, so Enzweiler.

Nach der Detailauswertung der Studie folgen Thüringen und Sachsen dem Spitzenduo Bayern und Baden-Württemberg. Diese vier Länder investieren am stärksten in ihre Schulen und Universitäten und setzen diese Mittel zudem effizient und zielgerichtet ein. Mit deutlichem Abstand zur Spitzengruppe kommen Hamburg und Schleswig-Holstein auf die weiteren Plätze, die allerdings mit ihren Bildungspunktzahlen bereits unter dem Durchschnitt aller 16 Bundesländer des INSM-Tests liegen. Schließlich folgt mit Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Brandenburg, Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen ein breites Mittelfeld. Die Schlussgruppe bilden das Saarland, Sachsen-Anhalt, Berlin und Bremen.

"Jetzt ist eine massive Qualifizierungsoffensive notwendig, um die Lage zu verbessern" folgert Enzweiler. Denn an qualifizierten Fachkräften wird es in Deutschland künftig mangeln. Vor allem wegen des demographischen Wandels werde die Zahl der Erwerbstätigen in Deutschland in den kommenden vierzig Jahren von 40 auf 25 Millionen Menschen sinken. Deutschland, so Enzweiler, weise schon heute zu viele schlecht ausgebildete und zu wenig hochqualifizierte Arbeitskräfte auf.

"Wenn die Politik Reformen wie den zügigen Ausbau der Ganztagesschule, leistungsgerechte und einheitliche Bildungsstandards mit Mindestanforderungen und eine höhere Autonomie für Schulen und Universitäten implementieren würde, würde sich dies positiv auf die künftigen Bewertungen im INSM-Bildungstest auswirken", ist sich Oliver Stettes sicher. Stettes und sein Kollege Axel Plünnecke, die Autoren der INSM-Studie, sind im Hauptberuf Wissenschaftler des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW). "In diese Studie sind sämtliche Statistiken, die bis einschließlich September 2004 verfügbar waren, eingeflossen", erläutern die Forscher die Datenbasis. Die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft will nach Angaben von Stettes und Plünnecke den INSM-Bildungstest einmal im Jahr wiederholen, um Reformmaßnahmen im Bildungssektor messen und bewerten zu können.

"Angesichts des zunehmenden Globalisierungsdrucks und des demographischen Wandels versündigen wir uns an unseren Kindern, wenn wir unser marodes Bildungssystem nicht mit eiserner Entschlossenheit reformieren", sagt INSM-Geschäftsführer Enzweiler.

Für jedes Bundesland können die ausführlichen Stärken-Schwächen-Profile angefordert werden.

Jens Walter | INSM
Weitere Informationen:
http://www.insm.de

Weitere Berichte zu: Bildungsarbeit Bildungssystem INSM-Bildungstest

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Bildung Wissenschaft:

nachricht Das Reifungsmuster des Hippokampus steuert die menschliche Gedächtnisentwicklung
23.07.2018 | Max-Planck-Institut für Bildungsforschung

nachricht Lehrerbildung für die digitale Welt
17.07.2018 | Pädagogische Hochschule Schwäbisch Gmünd

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Bildung Wissenschaft >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Erstmals gemessen: Wie lange dauert ein Quantensprung?

Mit Hilfe ausgeklügelter Experimente und Berechnungen der TU Wien ist es erstmals gelungen, die Dauer des berühmten photoelektrischen Effekts zu messen.

Es war eines der entscheidenden Experimente für die Quantenphysik: Wenn Licht auf bestimmte Materialien fällt, werden Elektronen aus der Oberfläche...

Im Focus: Scientists present new observations to understand the phase transition in quantum chromodynamics

The building blocks of matter in our universe were formed in the first 10 microseconds of its existence, according to the currently accepted scientific picture. After the Big Bang about 13.7 billion years ago, matter consisted mainly of quarks and gluons, two types of elementary particles whose interactions are governed by quantum chromodynamics (QCD), the theory of strong interaction. In the early universe, these particles moved (nearly) freely in a quark-gluon plasma.

This is a joint press release of University Muenster and Heidelberg as well as the GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung in Darmstadt.

Then, in a phase transition, they combined and formed hadrons, among them the building blocks of atomic nuclei, protons and neutrons. In the current issue of...

Im Focus: Der Truck der Zukunft

Lastkraftwagen (Lkw) sind für den Gütertransport auch in den kommenden Jahrzehnten unverzichtbar. Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen der Technischen Universität München (TUM) und ihre Partner haben ein Konzept für den Truck der Zukunft erarbeitet. Dazu zählen die europaweite Zulassung für Lang-Lkw, der Diesel-Hybrid-Antrieb und eine multifunktionale Fahrerkabine.

Laut der Prognose des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur wird der Lkw-Güterverkehr bis 2030 im Vergleich zu 2010 um 39 Prozent steigen....

Im Focus: Extrem klein und schnell: Laser zündet heißes Plasma

Feuert man Lichtpulse aus einer extrem starken Laseranlage auf Materialproben, reißt das elektrische Feld des Lichts die Elektronen von den Atomkernen ab. Für Sekundenbruchteile entsteht ein Plasma. Dabei koppeln die Elektronen mit dem Laserlicht und erreichen beinahe Lichtgeschwindigkeit. Beim Herausfliegen aus der Materialprobe ziehen sie die Atomrümpfe (Ionen) hinter sich her. Um diesen komplexen Beschleunigungsprozess experimentell untersuchen zu können, haben Forscher aus dem Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) eine neuartige Diagnostik für innovative laserbasierte Teilchenbeschleuniger entwickelt. Ihre Ergebnisse erscheinen jetzt in der Fachzeitschrift „Physical Review X“.

„Unser Ziel ist ein ultrakompakter Beschleuniger für die Ionentherapie, also die Krebsbestrahlung mit geladenen Teilchen“, so der Physiker Dr. Thomas Kluge vom...

Im Focus: Bio-Kunststoffe nach Maß

Zusammenarbeit zwischen Chemikern aus Konstanz und Pennsylvania (USA) – gefördert im Programm „Internationale Spitzenforschung“ der Baden-Württemberg-Stiftung

Chemie kann manchmal eine Frage der richtigen Größe sein. Ein Beispiel hierfür sind Bio-Kunststoffe und die pflanzlichen Fettsäuren, aus denen sie hergestellt...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

12. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

20.09.2018 | Veranstaltungen

Gesundheitstipps und ein virtueller Tauchgang zu Korallenriffen

20.09.2018 | Veranstaltungen

Internationale Experten der Orthopädietechnik tagen in Göttingen

19.09.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Bei Depressionen ist Hirnregion zur Stresskontrolle vergrößert

20.09.2018 | Biowissenschaften Chemie

12. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

20.09.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Was Einstein noch nicht wusste

20.09.2018 | Physik Astronomie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics