Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Netzwerk Bioinformatik

30.10.2000


... mehr zu:
»Bioinformatik »Bioinformatiker »Biologie »GSF »LMU »TUM
DFG prämiert das Konzept von LMU, TUM, GSF und dem MPI für Biochemie
Neuer gemeinsamer Studiengang

Die Bioinformatik ist der Schlüssel zur Erforschung der Baupläne und Erbanlagen von Mikroorganismen, Pflanzen, Tieren wie auch des Menschen. Die Analyse der Information, die etwa in den drei Milliarden Basenpaaren des Humangenoms verborgen ist, wird das Wissen um das menschliche Leben entscheidend prägen. Die Herausforderung für die Bioinformatiker ist das rasante Wachstum der Daten und die unzureichenden Möglichkeiten ihrer Interpretation. Die Bioinformatik ist eine noch junge, interdisziplinäre Wissenschaft. Sie führt Kenntnisse und Methoden der Biologie, der Chemie und Pharmazie sowie der Informatik, Statistik und Mathematik zusammen.

Ohne die Bioinformatik bleibt das Potential der Genomforschung weitgehend ungenutzt; auch die wirtschaftliche Umsetzung ihrer Resultate ist gefährdet. Sie eröffnet völlig neue Perspektiven in Forschung, Lehre und damit auch auf dem Arbeitsmarkt. Besonders die Industrie und die jungen erfolgreichen Unternehmen der Biotechnologie suchen dringend gutausgebildete Bioinformatiker. Der Standort München bietet hier mit seinen Forschungs-, Ausbildungs- und Serviceeinrichtungen ideale Voraussetzungen: Die Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München und die Technische Universität München (TUM) haben gemeinsam mit dem Max-Planck-Institut für Biochemie und dem Forschungszentrum für Umwelt und Gesundheit (GSF) ein Netzwerk Bioinformatik - Bioinformatics Munich (BIM) - gegründet.

"Die Bioinformatik ist ein vielversprechendes Fachgebiet. Es spielt eine Schlüsselrolle bei der vollen Entfaltung unserer Kapazitäten in sämtlichen Biowissenschaften," betont LMU-Rektor Professor Andreas Heldrich. TU-Präsident Wolfgang A. Herrmann hält die Bioinformatik für unverzichtbar in der "deutschen Wissenschaftshauptstadt München" und sagt: "Die Biotechnologie-Region München steht weltweit an vierter Stelle - nach Boston, dem Silicon Valley und Edinburgh. Durch Bündelung aller Kräfte können wir schnell auf die Anforderungen aus Wissenschaft und Wirtschaft reagieren."


Neuer Studiengang

Bioinformatiker müssen den Dialog mit Biowissenschaftlern und Informatikern bzw. Mathematikern gleichermaßen führen; sie müssen ebenso sicher über die Molekularbiologie wie über die Wahrscheinlichkeitslehre diskutieren können. Gemeinsam wurde daher ein neuer Studiengang entwickelt. Er kann mit dem Titel eines Bachelors, Masters oder Diplombioinformatikers abgeschlossen werden. LMU und TUM haben sich entschieden, ihre sich ergänzenden Kompetenzen gemeinsam zu nutzen. Im Wintersemester 2000/2001 sollen die beiden ersten Lehrstühle für Bioinformatik an der TUM (Life Science Center) und der LMU (Fakultät für Mathematik und Informatik) besetzt werden. Hinzu kommen eine Reihe von C3 Professuren in der Biologie, der Medizin und der Informatik. Die GSF hat zudem die Einrichtung eines Instituts für Bioinformatik beschlossen. Rund 80 Studierende haben sich für die Bioinformatik entschieden und bereits die ersten Vorlesungen gehört. Dabei fanden die Einschreibungen an der LMU statt, während die TU für die Prüfungen verantwortlich sein wird. Es wurde eine gemeinsame Prüfungskommission eingerichtet.

Der Studienplan sieht in den sechs Semestern des Bachelore-Studiums Lehrveranstaltungen in den Bereichen Bioinformatik, Informatik, Mathematik, Chemie und Biologie vor. Das neue Angebot berücksichtigt - und das ist wichtig - die Erkenntnis, dass Bioinformatik mehr ist als die Summe einzelner Fächer. Daher werden bereits im ersten Semester Grundlagen und Methoden der Bioinformatik vermittelt. In den übrigen Kernfächern nehmen die Studenten an den Grundvorlesungen teil. Die Biologische Fakultät der LMU bietet die speziell für Bioinformatiker eingerichteten Lehrveranstaltungen an. Im Studium für Fortgeschrittene sind vor allem Blockkurse vorgesehen, in denen Themen wie die Genomanalyse, die Strukturvorhersage von Proteinen oder der Entwurf und die Optimierung von Algorithmen und Knowledge-Systemen behandelt werden.

Das gemeinsame Studienangebot legt besonderes Gewicht auf praktische Übungen und bindet die Studierenden in Forschungsprojekte ein. Beide Hochschulen betrachten die Bioinformatik als zukunftweisendes Fachgebiet. Der neue, gemeinsame Studiengang könnte auch Vorbild für andere innovative Disziplinen sein. Er wird von den jungen Bioinformatik- und Biotechunternehmen der Münchner Region aktiv unterstützt.


DFG prämiert Netzwerk München
Moderne Forschungsorganisation

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) konnte von der Idee des zentrenübergreifenden Netzwerks überzeugt werden. Im Rahmen einer bundesweiten Ausschreibung setzte sich das Münchner Projekt durch - neben den Initiativen der Universitäten von Bielefeld, Leipzig, Saarbrücken und Tübingen. Die DFG fördert das BIM zunächst für zwei Jahre mit 3,5 Millionen Mark zur Einrichtung von drei akademischen Nachwuchsgruppen, für die notwendigen Investitionen in der Infrastruktur und für die Unterstützung von Gastwissenschaftlern und Workshops. Vor allem die Nachwuchsgruppen sollen Impulse für aktuelle Forschungsthemen geben und sich intensiv an den Lehraufgaben beteiligen. Die Nachwuchsgruppenleiter haben die Chance, sich für Professorenstellen zu qualifizieren.

Außerdem investieren LMU und TUM aus eigener Kraft noch einmal jeweils rund sechs Millionen Mark in das Projekt. Ziel der DFG-Ausschreibung war es, effiziente Strukturen zu schaffen, um eine neue Generation von Bioinformatikern auszubilden und die Wettbewerbsfähigkeit der genomorientierten Grundlagenforschung zu fördern. Das Netzwerk Bioinformatik in München leistet dies in vorbildhafter Weise: Wissenschaftler aller vier beteiligten Einrichtungen sind in einem "Executive Board" vertreten, das sich wiederum vor einem Scientific Advisory Board, einem externen Aufsichtrat, verantworten muss. Der Vorsitz des Executive Board alterniert im Zweijahresrhythmus zwischen den beiden Universitäten. Derzeit hat der (LMU-Informatiker Prof. Hans-Peter Kriegel) den Vorsitz inne. In einer Generalversammlung sind die Nachwuchsgruppen, etablierte Forscherteams, die Lehrstuhlinhaber, Fakultäten und - das ist wichtig - erneut externe Experten vertreten.

Standort München

Die Forschungsregion München braucht die Bioinformatik auch als Klammer für den Austausch von Informationen zwischen den Standorten von Weihenstephan (Life Science Center der TUM) bis Martinsried-Großhadern (HighTechCampus der LMU) und die Verknüpfung von Forschungsprojekten. Dazu gehört der Aufbau einer leistungsfähigen Infrastruktur ebenso wie die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses. Mit der Einführung des Studiengangs für Bioinformatik zeigen die beteiligten Forschungsinstitutionen, dass sie die Herausforderung Molekularbiologie im internationalen Wettstreit angenommen haben.


Kontakt:

Technische Universität München
Dieter Heinrichsen
Leitung Pressestelle
Tel. 089-289-22778
Fax 089-289-23388
E-Mail: pressestelle@tum.de

Ludwig-Maximilians-Universität München
Cornelia Glees-zur Bonsen
Leitung Kommunikation und Presse
Tel: 089-2180-3423
Fax: 089-338297
E-Mail: cornelia.glees@verwaltung.uni-muenchen.de

Cornelia Glees-zur Bonsen | idw

Weitere Berichte zu: Bioinformatik Bioinformatiker Biologie GSF LMU TUM

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Bildung Wissenschaft:

nachricht Besser lernen: Kurze Bewegungspausen im Unterricht wirken sich positiv auf die Konzentrationsleistung aus
13.02.2020 | Pädagogische Hochschule Karlsruhe

nachricht Fremdsprachen - Das Akzentparadox
10.02.2020 | Ludwig-Maximilians-Universität München

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Bildung Wissenschaft >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Ultraschnelles Schalten eines optischen Bits: Gewinn für die Informationsverarbeitung

Wissenschaftler der Universität Paderborn und der TU Dortmund veröffentlichen Ergebnisse in Nature Communications

Computer speichern Informationen in Form eines Binärcodes, einer Reihe aus Einsen und Nullen – sogenannten Bits. In der Praxis werden dafür komplexe...

Im Focus: Fraunhofer IOSB-AST und DRK Wasserrettungsdienst entwickeln den weltweit ersten Wasserrettungsroboter

Künstliche Intelligenz und autonome Mobilität sollen dem Strukturwandel in Thüringen und Sachsen-Anhalt neue Impulse verleihen. Mit diesem Ziel fördert das Bundeswirtschaftsministerium ab sofort ein innovatives Projekt in Halle (Saale) und Ilmenau.

Der Wasserrettungsdienst Halle (Saale) und das Fraunhofer Institut für Optronik,
Systemtechnik und Bildauswertung, Institutsteil Angewandte Systemtechnik...

Im Focus: A step towards controlling spin-dependent petahertz electronics by material defects

The operational speed of semiconductors in various electronic and optoelectronic devices is limited to several gigahertz (a billion oscillations per second). This constrains the upper limit of the operational speed of computing. Now researchers from the Max Planck Institute for the Structure and Dynamics of Matter in Hamburg, Germany, and the Indian Institute of Technology in Bombay have explained how these processes can be sped up through the use of light waves and defected solid materials.

Light waves perform several hundred trillion oscillations per second. Hence, it is natural to envision employing light oscillations to drive the electronic...

Im Focus: Haben ein Auge für Farben: druckbare Lichtsensoren

Kameras, Lichtschranken und Bewegungsmelder verbindet eines: Sie arbeiten mit Lichtsensoren, die schon jetzt bei vielen Anwendungen nicht mehr wegzudenken sind. Zukünftig könnten diese Sensoren auch bei der Telekommunikation eine wichtige Rolle spielen, indem sie die Datenübertragung mittels Licht ermöglichen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) am InnovationLab in Heidelberg ist hier ein entscheidender Entwicklungsschritt gelungen: druckbare Lichtsensoren, die Farben sehen können. Die Ergebnisse veröffentlichten sie jetzt in der Zeitschrift Advanced Materials (DOI: 10.1002/adma.201908258).

Neue Technologien werden die Nachfrage nach optischen Sensoren für eine Vielzahl von Anwendungen erhöhen, darunter auch die Kommunikation mithilfe von...

Im Focus: Einblicke in die Rolle von Materialdefekten bei der spin-abhängigen Petahertzelektronik

Die Betriebsgeschwindigkeit von Halbleitern in elektronischen und optoelektronischen Geräten ist auf mehrere Gigahertz (eine Milliarde Oszillationen pro Sekunde) beschränkt. Die Rechengeschwindigkeit von modernen Computern trifft dadurch auf eine Grenze. Forscher am MPSD und dem Indian Institute of Technology in Bombay (IIT) haben nun untersucht, wie diese Grenze mithilfe von Lichtwellen und Festkörperstrukturen mit Defekten erhöht werden könnte, um noch größere Rechenleistungen zu erreichen.

Lichtwellen schwingen mehrere hundert Trillionen Mal pro Sekunde und haben das Potential, die Bewegung von Elektronen zu steuern. Im Gegensatz zu...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Leopoldina-Symposium: „Mission – Innovation“ 2020

21.02.2020 | Veranstaltungen

Gemeinsam auf kleinem Raum - Mikrowohnen

19.02.2020 | Veranstaltungen

Chemnitzer Linux-Tage am 14. und 15. März 2020: „Mach es einfach!“

12.02.2020 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Globale Datenbank für Karstquellenabflüsse

21.02.2020 | Geowissenschaften

Leopoldina-Symposium: „Mission – Innovation“ 2020

21.02.2020 | Veranstaltungsnachrichten

Langlebige Fachwerkbrücken aus Stahl einfacher bemessen

21.02.2020 | Architektur Bauwesen

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics