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BIBB empfiehlt: Ausbildungsplatzprogramme Ost optimieren

12.02.2008
Die besondere Situation auf dem ostdeutschen Ausbildungsstellenmarkt macht trotz des demografisch bedingten Rückgangs der Schulabgängerzahlen und der konjunkturellen Erholung am gesamtdeutschen Arbeits- und Lehrstellenmarkt eine jährliche Neuauflage des Ausbildungsplatzprogramms Ost bis mindestens ins Jahr 2010 hinein notwendig.

Darin stimmen Bund und Länder überein. Doch wie können künftige Ausbildungsplatzprogramme Ost an die veränderten Rahmenbedingungen angepasst werden? Welche Maßnahmen zur Optimierung sind sinnvoll, um die Mittel noch effizienter einzusetzen und den Erfolg nachhaltig zu sichern?

Empfehlungen hierzu hat das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) in einer neuen Veröffentlichung ausgesprochen. Grundlage war eine Evaluation der Ausbildungsplatzprogramme Ost der Jahre 2002 bis 2004 im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF).

Die wichtigsten Empfehlungen:

o Die Übernahme der Programmteilnehmerinnen und -teilnehmer in betriebliche Ausbildungsverhältnisse sollte offensiver verfolgt werden. Ein Teil der Praktikumsbetriebe zeigte sich bereit, die Teilnehmenden nach einer bestimmten Ausbildungszeit in ein reguläres Ausbildungsverhältnis zu übernehmen. Eine finanzielle Planungssicherheit würde es den Programmträgern erleichtern, diese Praktikumsbetriebe gezielt auf die Möglichkeit einer Übernahme in betriebliche Ausbildung anzusprechen. Noch besser wäre es, die Übernahme zum vertraglichen Bestandteil der geförderten Ausbildung zu machen.

o Der Anteil dreijähriger Berufsausbildungen mit nachhaltigen Beschäftigungschancen sollte erhöht werden. Dies sollte zu Lasten des vergleichsweise hohen Anteils zweijähriger Berufe geschehen, die weder der Leistungsfähigkeit der Programmteilnehmerinnen und -teilnehmer entsprechen noch hinreichende Beschäftigungschancen bieten.

o Die sehr niedrigen Ausbildungsvergütungen sollten auf das Niveau der Vergütungssätze für die außerbetriebliche Ausbildung benachteiligter Jugendlicher nach dem Sozialgesetzbuch (SGB) II angehoben werden. Insgesamt müssen die seit den 90er-Jahren unverändert geltenden Fördersätze den Kostensteigerungen und veränderten Anforderungen an das Programm angepasst werden. Dabei sollte auch ausgelotet werden, wie sich die Betriebe finanziell beteiligen können.

o Die Ausbildungsplatzprogramme fördern die fachpraktische Ausbildung meist in ei¬nem Verbund von außerbetrieblichen Ausbildungsstätten und Praktikumsbetrieben. Der Austausch zwischen diesen Lernorten muss dringend verbessert und die Ausbildungsinhalte besser aufeinander abgestimmt werden.

o Die betriebliche Ausbildungsqualität zu fördern und zu entwickeln, ohne Praktikumsbetriebe zu verlieren, ist für die Programmträger eine Gratwanderung. Dazu benötigen sie gute und praktikable Instrumente. Eine Optimierung dieses Dienstleistungsangebots würde die Qualität der Ausbildung erhöhen und damit die Übernahmechancen der Teilnehmenden verbessern.

o Die Ausbildungsplatzprogramme müssen sich künftig bei den Zielgruppen auf veränderte Schwerpunkte einstellen. Hierzu gehört zum Beispiel die wachsende Zahl der "Altbewerber". Auch der weitgehende Förderausschluss von unvermittelten Bewerberinnen und Bewerbern mit Hochschulzugangsberechtigung wird insbesondere den weiblichen Bewerbern ohne Ausbildungsstelle nicht mehr gerecht. Für sie sollte das Förderangebot durch anspruchsvolle Ausbildungsberufe mit guten Zukunftsaussichten geöffnet werden.

o Die Evaluation des BIBB hat gezeigt, dass die Ausbildungsplatzprogramme Ost strukturfördernde Potenziale besitzen. Sie tragen dazu bei, ausbildungsberechtigte, aber bislang nicht ausbildende Betriebe an eigene Ausbildungsaktivitäten heranzuführen. Diese Potenziale gilt es, in künftigen Programmausgestaltungen zu stärken.

o Die Bezeichnung der Programmteilnehmerinnen und -teilnehmer als "Marktbenachtei¬ligte" wird weder der Zielgruppe - es handelt sich mehrheitlich um Realschulabsolventinnen und -absolventen - noch den Betrieben und Programmträgern gerecht. Der negativ besetzte Benachteiligungsbegriff fördert Stigmatisierungs-Effekte. Auf ihn sollte künftig verzichtet werden.

Die staatlichen Ausgaben für das Ausbildungsplatzprogramm Ost im Jahr 2007 mit 10.000 zusätzlichen Ausbildungsplätzen betrugen rund 135 Millionen Euro. Finanziert werden die Programme jeweils zur Hälfte vom Bund und den neuen Ländern. Derzeit ist geplant, die Zahl der geförderten Ausbildungsplätze entsprechend der demografischen Entwicklung und dem Bedarf vor Ort zu reduzieren.

Evaluationsergebnisse und Empfehlungen des BIBB sind ausführlich dargestellt in:

Klaus Berger, Uta Braun, Vera Drinkhut, Klaus Schöngen: Wirksamkeit staatlich finanzierter Ausbildung. Ausbildungsplatzprogramm Ost - Evaluation, Ergebnisse und Empfehlungen. Bonn/Bielefeld 2007.

Die Veröffentlichung des BIBB ist zu bestellen beim

W. Bertelsmann Verlag GmbH & Co. KG
Postfach 10 06 33 33506 Bielefeld
Telefon: 0521 / 9 11 01-11 Fax: 0521 / 9 11 01-19
E-Mail: service@wbv.de Internet: http://www.wbv.de
ISBN: 978-3-7639-1098-4 Bestell-Nr. 110.487
256 Seiten Preis: 22,90 Euro
Inhaltliche Auskünfte im BIBB erteilt:
Klaus Berger, Tel.: 0228 / 107-1320, E-Mail: berger@bibb.de

Andreas Pieper | idw
Weitere Informationen:
http://www.wbv.de
http://www.bibb.de/

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