Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Naturfasern im Auto

08.07.2002


Nachwachsende Rohstoffe zwischen Ökonomie und Ökologie


Fünf bis sechs Kilo Naturfasern in Autoinnenteilen: Bei Naturfasern für technische Textilien und Verbundwerkstoffe im Automobilbereich ist EU-weit bis 2005 eine Marktsteigerung von rund 20 Prozent jährlich zu erwarten. Ein Vlies aus Flachs oder Hanf wird zusammen mit einem Kunststoff in die gewünschte Form gepresst und als Türverkleidung im Innenraum oder als Kofferraumauskleidung eingesetzt. In der Autoindustrie ist besonders in Deutschland die Nachfrage an Flachs- und Hanffasern in den vergangenen Jahren enorm gestiegen. Geradezu dynamisch entwickeln wird sich der Markt für biologisch abbaubare Werkstoffe bei den Verpackungsmaterialien: Kunststoff-Granulaten und Folien aus Stärke werden 40 Prozent durchschnittliches Mengenwachstum pro Jahr in der EU bis 2005 prognostiziert. Zu diesen Ergebnissen kommt Dr. Markus Kaup in einer Studie, die er am Wirtschafts- und Sozialgeographischen Institut der Universität zu Köln erstellt hat.

Ohne öffentliche Förderung sind viele Produkte aus nachwachsenden Rohstoffen unter ökonomischen Gesichtspunkten nicht wettbewerbsfähig - die Herstellungskosten sind höher als die konventionell erzeugter Waren. Weil nicht erneuerbare Rohstoffe wie Erdöl und Erdgas endlich sind, ist die Förderung von Produktketten aus nachwachsenden Rohstoffen, alternativen Rohstoffquellen und Energieträgern in das öffentliche Interesse gerückt. Naturfaser-Verbundstoffe im Automobilbereich können durchaus im preislichen Wettbewerb bestehen. Preiswerter sind sie gegenüber anderen Bauweisen in der Gesamtkonstruktion und gegenüber synthetischen Fasern. Letztere werden bei steigenden Erdölpreisen teurer. Frei von giftigen Ausdünstungen, niedriges Gewicht und geringer Werkzeugverschleiß sind weitere Gründe, die für Naturfasern sprechen. Die Gewichtsersparnis durch Naturfasern führt zu einer günstigeren Ökobilanz bei Produktion und Fahrbetrieb.


Fast alle großen Automobilzulieferer setzen heute Naturfasern bei Formpressteilen ein. Die kleinen bis mittelständischen Vlies- und Filzhersteller müssen sich nach den Anforderungen der internationalen Großunternehmen richten, die die Fasern zu Verbundstoffen weiterverarbeiten. Deren Abnehmer wiederum sind die wenigen mächtigen Automobilhersteller. Trotz guter ökologischer Bilanz und Wettbewerbsfähigkeit könnten Naturfaserverbundwerkstoffe wieder aus den Autos verschwinden: Dr. Kaup weist auf die EU-Altautorichtlinie hin, nach der ab dem Jahr 2015 85 Prozent des Fahrzeugs stofflich verwertet werden müssen. Naturfaser-Verbundwerkstoffe sind, wie Verbundmaterialien generell, nur unter hohem Kostenaufwand oder gar nicht stofflich wieder verwertbar.

Über ihren gesamten Lebensweg gesehen sind Produkte aus nachwachsenden Rohstoffen allerdings nicht unbedingt als ökologisch zu bezeichnen. Besonders die landwirtschaftliche Bereitstellung der Rohstoffe wie Flachs, Getreide, Ölpflanzen wirkt sich auf die Umwelt aus. Der Kölner Wirtschaftsgeograph nennt unter anderem die Belastung von Grundwasser durch Nitrate, die Erosion und den Flächenverbrauch. Bei der Entsorgung von organischem Material auf der Deponie entsteht das Deponie-Gas Methan, das das Klima beeinflusst. Ganz ohne erschöpfliche Energien kommen auch Herstellung und Weiterverarbeitung von alternativen Produkten nicht aus.

Laut der von Dr. Kaup durchgeführten Erhebungen ist die Marktentwicklung vieler Produkte aus nachwachsenden Rohstoffen bis 2005 stark abhängig von öffentlichen Fördermaßnahmen. Die befragten Unternehmen setzen auf Verordnungen, die ihre Produkte begünstigen. Subventionen für Produktstufen jenseits der Landwirtschaft versprechen einen positiven Effekt auf die Marktentwicklung von Produktketten aus nachwachsenden Rohstoffen. Zudem profitieren diese davon, wenn Qualitätsstandards und Gütesiegel weiterentwickelt werden.

Verantwortlich: Dr. Wolfgang Mathias

Für Rückfragen steht Ihnen Dr. Markus Kaup unter der Telefonnummer 02233/943684,der Fax-Nummer 02233/943683 und unter der E-Mail-Adresse Markus.Kaup@Nova-Institut.de zur Verfügung.

Gabriele Rutzen | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-koeln.de/organe/presse/pi/

Weitere Berichte zu: Automobilbereich Kaup Produktkette

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Automotive:

nachricht Wichtige Schritte auf dem Weg zum automatisierten Fahren
29.03.2018 | Universität Bremen

nachricht Es wird noch heller: Innovative Leuchten in der Automobilindustrie
28.03.2018 | Technische Hochschule Nürnberg Georg Simon Ohm

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Automotive >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Die Mischung macht‘s: Jülicher Forscher entwickeln schnellladefähige Festkörperbatterie

Mit Festkörperbatterien sind aktuell große Hoffnungen verbunden. Sie enthalten keine flüssigen Teile, die auslaufen oder in Brand geraten könnten. Aus diesem Grund sind sie unempfindlich gegenüber Hitze und gelten als noch deutlich sicherer, zuverlässiger und langlebiger als herkömmliche Lithium-Ionen-Batterien. Jülicher Wissenschaftler haben nun ein neues Konzept vorgestellt, das zehnmal größere Ströme beim Laden und Entladen erlaubt als in der Fachliteratur bislang beschrieben. Die Verbesserung erzielten sie durch eine „clevere“ Materialwahl. Alle Komponenten wurden aus Phosphatverbindungen gefertigt, die chemisch und mechanisch sehr gut zusammenpassen.

Die geringe Stromstärke gilt als einer der Knackpunkte bei der Entwicklung von Festkörperbatterien. Sie führt dazu, dass die Batterien relativ viel Zeit zum...

Im Focus: It’s All in the Mix: Jülich Researchers are Developing Fast-Charging Solid-State Batteries

There are currently great hopes for solid-state batteries. They contain no liquid parts that could leak or catch fire. For this reason, they do not require cooling and are considered to be much safer, more reliable, and longer lasting than traditional lithium-ion batteries. Jülich scientists have now introduced a new concept that allows currents up to ten times greater during charging and discharging than previously described in the literature. The improvement was achieved by a “clever” choice of materials with a focus on consistently good compatibility. All components were made from phosphate compounds, which are well matched both chemically and mechanically.

The low current is considered one of the biggest hurdles in the development of solid-state batteries. It is the reason why the batteries take a relatively long...

Im Focus: Farbeffekte durch transparente Nanostrukturen aus dem 3D-Drucker

Neues Design-Tool erstellt automatisch 3D-Druckvorlagen für Nanostrukturen zur Erzeugung benutzerdefinierter Farben | Wissenschaftler präsentieren ihre Ergebnisse diese Woche auf der angesehenen SIGGRAPH-Konferenz

Die meisten Objekte im Alltag sind mit Hilfe von Pigmenten gefärbt, doch dies hat einige Nachteile: Die Farben können verblassen, künstliche Pigmente sind oft...

Im Focus: Color effects from transparent 3D-printed nanostructures

New design tool automatically creates nanostructure 3D-print templates for user-given colors
Scientists present work at prestigious SIGGRAPH conference

Most of the objects we see are colored by pigments, but using pigments has disadvantages: such colors can fade, industrial pigments are often toxic, and...

Im Focus: Eisen und Titan in der Atmosphäre eines Exoplaneten entdeckt

Forschende der Universitäten Bern und Genf haben erstmals in der Atmosphäre eines Exoplaneten Eisen und Titan nachgewiesen. Die Existenz dieser Elemente in Gasform wurde von einem Team um den Berner Astronomen Kevin Heng theoretisch vorausgesagt und konnte nun von Genfern Astronominnen und Astronomen bestätigt werden.

Planeten in anderen Sonnensystemen, sogenannte Exoplaneten, können sehr nah um ihren Stern kreisen. Wenn dieser Stern viel heisser ist als unsere Sonne, dann...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

LaserForum 2018 thematisiert die 3D-Fertigung von Komponenten

17.08.2018 | Veranstaltungen

Aktuelles aus der Magnetischen Resonanzspektroskopie

16.08.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Oktober 2018

16.08.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

IHP-Technologie darf in den Weltraum fliegen

20.08.2018 | Energie und Elektrotechnik

Eröffnung des neuen Produktionsgebäudes bei Heraeus Medical in Wehrheim

20.08.2018 | Unternehmensmeldung

Universum Studie: Internationalität und Praxisbezug sind Erfolgsfaktoren der ISM

20.08.2018 | Unternehmensmeldung

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics