Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Frische Luft statt Schadstoff-Mief

24.04.2008
Chemiker der Universität Jena entwickeln Umluftaufbereitungssystem für Fahrzeuge

Ein neues Auto erkennt man nicht nur an blitzendem Lack und neuester Technik - man erkennt es auch am Geruch. Denn wer in einen Neuwagen steigt, wird in der Regel von einem ganzen Cocktail chemischer Substanzen eingehüllt: Alles riecht irgendwie "neu": verantwortlich dafür sind vor allem flüchtige Verbindungen, die aus den Baumaterialien des Fahrzeuginnenraums ausgasen. Und die sorgen unter Umständen nicht nur für einen etwas unangenehmen Geruch, sondern können auch eine Gefahr für die Gesundheit sein.

"Die Luft im Fahrgastraum möglichst effizient von potenziellen Schadstoffen zu befreien, ist deshalb eine Notwendigkeit für die Autoindustrie", sagt Prof. Günter Kreisel von der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Doch das sei schwieriger als es sich zunächst anhöre, so der Professor am Institut für Technische Chemie und Umweltchemie (ITUC) weiter. Denn die flüchtigen Substanzen entweichen in der Regel über einen langen Zeitraum.

Selbst nach Jahren könnten die verbauten Kunststoffe noch Schadstoffe ausgasen. Prof. Kreisel und sein Team haben nun gemeinsam mit der helsa-automotive GmbH ein Modell für ein Umluftaufbereitungssystem entwickelt, das schädliche Gase, wie sie z. B. in Autos vorkommen, kontinuierlich abbaut. In ihrem Minireaktor verwenden die Jenaer Chemiker dazu leistungsstarke Leuchtdioden (LEDs). "Deren Einsatz in der Chemie ist bislang kaum verbreitet", so Kreisels Mitarbeiter Andreas Kirsch. Bisher sind diese vor allem zu Anzeigezwecken und für Spezialbeleuchtungen üblich.

... mehr zu:
»LED »Schadstoff

Die Chemiker der Jenaer Universität haben für ihren Minireaktor die LEDs in einem sogenannten Array angeordnet, den sie zusammen mit der Firma Innotas Elektronik GmbH entwickelt haben. "Die verwendeten LEDs senden Licht im UV-A-Bereich aus, das an einem zugehörigen Katalysator die Bildung freier Radikale fördert", erläutert Kirsch. Als Katalysator nutzen die Chemiker ein Drahtgeflecht aus Aluminium, das nach dem eigenem SOLECTRO®-Verfahren mit Titanoxid beschichtet ist. "Die entstehenden freien Radikale sind hochreaktiv und reagieren mit den Schadstoffen, die sie dabei zersetzen", erläutert der Chemiker Kirsch das Wirkprinzip.

Die Effizienz ihres Reaktors hat die Arbeitsgruppe am ITUC an mehreren Testgasen erprobt, darunter Toluol und Acetaldehyd. Durch die Bestrahlung mit den LEDs über einen Zeitraum von zwei Stunden sank der Gehalt an Acetaldehyd im Versuchsaufbau um ca. die Hälfte. Der Anteil an Toluol nahm um etwa ein Drittel ab. "Damit konnten wir zeigen, dass das System prinzipiell geeignet ist, diese Schadstoffe abzubauen", sagt Andreas Kirsch. Nun komme es darauf an, das System weiter zu optimieren.

Wann ein solches System zur Umluftaufbereitung in der Praxis eingesetzt werden könne, ist nach Einschätzung der Jenaer Chemiker jedoch noch offen. "Bis dahin bedarf es noch einiges an Forschungs- und Entwicklungsarbeit", so Prof. Kreisel. Er und seine Mitarbeiter werden sich daher auch weiterhin diesem Thema widmen und das Projekt mit der helsa-automotive GmbH fortsetzen. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) unterstützt das Vorhaben mit rund 200.000 Euro.

Kontakt:
Prof. Dr. Günter Kreisel
Institut für Technische Chemie und Umweltchemie der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Lessingstr. 12, 07743 Jena
Tel.: 03641 / 948430
E-Mail: guenter.kreisel[at]uni-jena.de

Dr. Ute Schönfelder | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-jena.de

Weitere Berichte zu: LED Schadstoff

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Automotive:

nachricht Intelligente Temperaturregelung für E-Autos
18.05.2020 | Hochschule Esslingen

nachricht Autonomes Fahren: Das hörende Auto der Zukunft
03.02.2020 | Fraunhofer-Institut für Digitale Medientechnologie IDMT

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Automotive >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Elektrische Spannung aus Elektronenspin – Batterie der Zukunft?

Forschern der Technischen Universität Ilmenau ist es gelungen, sich den Eigendrehimpuls von Elektronen – den sogenannten Elektronenspin, kurz: Spin – zunutze zu machen, um elektrische Spannung zu erzeugen. Noch sind die gemessenen Spannungen winzig klein, doch hoffen die Wissenschaftler, auf der Basis ihrer Arbeiten hochleistungsfähige Batterien der Zukunft möglich zu machen. Die Forschungsarbeiten des Teams um Prof. Christian Cierpka und Prof. Jörg Schumacher vom Institut für Thermo- und Fluiddynamik wurden soeben im renommierten Journal Physical Review Applied veröffentlicht.

Laptop- und Handyspeicher der neuesten Generation nutzen Erkenntnisse eines der jüngsten Forschungsgebiete der Nanoelektronik: der Spintronik. Die heutige...

Im Focus: Neue Erkenntnisse über Flüssigkeiten, die ohne Widerstand fließen

Verlustfreie Stromleitung bei Raumtemperatur? Ein Material, das diese Eigenschaft aufweist, also bei Raumtemperatur supraleitend ist, könnte die Energieversorgung revolutionieren. Wissenschaftlern vom Exzellenzcluster „CUI: Advanced Imaging of Matter“ an der Universität Hamburg ist es nun erstmals gelungen, starke Hinweise auf Suprafluidität in einer zweidimensionalen Gaswolke zu beobachten. Sie berichten im renommierten Magazin „Science“ über ihre Experimente, in denen zentrale Aspekte der Supraleitung in einem Modellsystem untersucht werden können.

Es gibt Dinge, die eigentlich nicht passieren sollten. So kann z. B. Wasser nicht durch die Glaswand von einem Glas in ein anderes fließen. Erstaunlicherweise...

Im Focus: The spin state story: Observation of the quantum spin liquid state in novel material

New insight into the spin behavior in an exotic state of matter puts us closer to next-generation spintronic devices

Aside from the deep understanding of the natural world that quantum physics theory offers, scientists worldwide are working tirelessly to bring forth a...

Im Focus: Im Takt der Atome: Göttinger Physiker nutzen Schwingungen von Atomen zur Kontrolle eines Phasenübergangs

Chemische Reaktionen mit kurzen Lichtblitzen filmen und steuern – dieses Ziel liegt dem Forschungsfeld der „Femtochemie“ zugrunde. Mit Hilfe mehrerer aufeinanderfolgender Laserpulse sollen dabei atomare Bindungen punktgenau angeregt und nach Wunsch aufgespalten werden. Bisher konnte dies für ausgewählte Moleküle realisiert werden. Forschern der Universität Göttingen und des Max-Planck-Instituts für biophysikalische Chemie in Göttingen ist es nun gelungen, dieses Prinzip auf einen Festkörper zu übertragen und dessen Kristallstruktur an der Oberfläche zu kontrollieren. Die Ergebnisse sind in der Fachzeitschrift Nature erschienen.

Das Team um Jan Gerrit Horstmann und Prof. Dr. Claus Ropers bedampfte hierfür einen Silizium-Kristall mit einer hauchdünnen Lage Indium und kühlte den Kristall...

Im Focus: Neue Methode führt zehnmal schneller zum Corona-Testergebnis

Forschende der Universität Bielefeld stellen beschleunigtes Verfahren vor

Einen Test auf SARS-CoV-2 durchzuführen und auszuwerten dauert aktuell mehr als zwei Stunden – und so kann ein Labor pro Tag nur eine sehr begrenzte Zahl von...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Intensiv- und Notfallmedizin: „Virtueller DIVI-Kongress ist ein Novum für 6.000 Teilnehmer“

08.07.2020 | Veranstaltungen

Größte nationale Tagung für Nuklearmedizin

07.07.2020 | Veranstaltungen

Corona-Apps gegen COVID-19: Nationalakademie Leopoldina veranstaltet internationales virtuelles Podiumsgespräch

07.07.2020 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Erster Test für neues Roboter-Umweltmonitoring-System der TU Bergakademie Freiberg

10.07.2020 | Informationstechnologie

Binnenschifffahrt soll revolutioniert werden: Erst ferngesteuert, dann selbstfahrend

10.07.2020 | Verkehr Logistik

Robuste Hochleistungs-Datenspeicher durch magnetische Anisotropie

10.07.2020 | Informationstechnologie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics