Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Eröffnung der Gesamtfahrzeug-Crashanlage

25.10.2012
Was passiert, wenn ein neues Fahrzeug-Modell in einen Unfall verwickelt wird?

Sind die leichteren Autos sicher? Welches neue Material eignet sich am besten, um die Crashsicherheit zu erhöhen? Dies und vieles mehr testen Fraunhofer-Forscher mit Hilfe der Gesamtfahrzeug-Crashanlage. Sie ermöglicht Tests mit einer Geschwindigkeit von 80 Stundenkilometern an Fahrzeugen mit bis zu drei Tonnen Gewicht. Heute erfolgt im baden-württembergischen Efringen-Kirchen der erste Versuch.

Airbag, Stoßstange und Instrumententafel bis hin zum gesamten Fahrzeug crashen die Forscher vom Fraunhofer-Institut für Kurzzeitdynamik, Ernst-Mach-Institut EMI. Sie werten nach dem Versuch aus, wie sich das Verhalten von Fahrzeugen und deren Komponenten bei einem Unfall verhält. Mit ihrem Know-how, den Analysen und neuen Erkenntnissen unterstützen sie die Entwicklung von energiesparenden, leichten Autos mit Verbrennungsmotoren und alternativen Antrieben.

»Wir haben mit der neuen Crashanlage einen sehr flexiblen Prüfstand geschaffen, der höchsten Anforderungen genügt. Jetzt können wir nicht nur Bauteile, sondern auch Gesamtfahrzeuge testen. Damit bieten wir der Automobilindustrie ein umfassendes Konzept für die Entwicklung von sicheren Autos«, erklärt Professor Klaus Thoma, Leiter des Fraunhofer EMI. »Unsere Wissenschaftler testen seit über zehn Jahren einzelne Bauteile in der Komponenten-Crashanlage, eine Eigenentwicklung des Instituts. Diese langjährigen Erfahrungen können sie nun auch auf Gesamtfahrzeuge anwenden«, freut sich Thoma.

Crashtests sind trotz Computer-Simulationen nach wie vor die zuverlässigste Methode, um PKWs auf ihre Sicherheit zu überprüfen. Eine Besonderheit der neuen Anlage: sie ist mit umfangreicher Spezial-Messtechnik ausgerüstet. Hier wird die Kompetenz des Instituts bei der Erfassung hochdynamischer Vorgänge genutzt. Die Experten setzen beispielsweise spezielle Hochgeschwindigkeitskameras ein sowie eigen entwickelte Beschleunigungsaufnehmer und erfassen die dynamischen Verformungen der Materialien dreidimensional.

Das EMI-Crash-Zentrum
»In der 500 Quadratmeter großen Testhalle können wir unterschiedliche Crashszenarien mit einer Höchstgeschwindigkeit von 80 Kilometern pro Stunde bei einer Maximallast von 3000 Kilogramm realisieren. Varianten von Frontal-, Heck und Seitenaufprall auf feststehende, starre oder deformierbare Hindernisse sind möglich. Das kann ein anderes Fahrzeug, ein Baum oder der Dummy eines Fußgängers sein«, erklärt Dr. Ingmar Rohr, Abteilungsleiter Werkstoffdynamik. „Die Crashwand misst in Bruchteilen von Sekunden dreidimensional die Kräfte, die auf jedes einzelne der Wandsegmente wirken. Durch die Messungen erhalten wir ein exaktes Bild darüber, an welcher Stelle eines Fahrzeugs die größte Last auftrifft.«

Sieben Hochgeschwindigkeits-Videokameras zeichnen den Versuch auf, damit die Forscher ihn anschließend in 3D-Filmen auswerten können. Um schattenfreie Bilder zu bekommen, beleuchten Strahler mit einer Leistung von 90 000 Watt den Versuch – das Licht ist heller als 2000 handelsübliche Glühbirnen. Der durch Sicherheitsglas abgetrennte Kontrollraum über der Anlage gleicht der Kommandozentrale im Raumschiff Enterprise: Wissenschaftler steuern von hier oben nicht die Reise durch das Weltall, sondern die Versuche in der Testhalle und werten die präzisen Bilder sowie vielfältigen Messdaten des Crashs aus. Software-Tools helfen ihnen dabei, die Daten mittels numerischer Simulation aufzubereiten, damit die im Experiment erlangten Erkenntnisse für weitere virtuelle Szenarien am Computer zur Verfügung stehen.

Leichtbau und Elektromobilität und Sicherheit
Die Fahrzeuge von morgen sollen sicherer und gleichzeitig energiesparender werden. Die Automobilindustrie setzt dabei auf neue, leichte Materialien wie Verbundwerkstoffe oder moderne Stähle und auf alternative Antriebe. Die Werkstoffe und Motoren können nicht nur virtuell, sondern müssen in Crashtests auch real beweisen, dass sie den geforderten Ansprüchen genügen. Das Hauptproblem von Elektrofahrzeugen sind ihre geringe Reichweite, das hohe Gewicht der Batterie-Packs und die Sicherheit bei Unfällen. Größere Reichweiten verlangen eine höhere Energiedichte der Batterie, was wiederum eine größere Gefahr bei einem Zusammenstoß bedeutet. Auch für die Elektromobilität wird die Fraunhofer-Anlage wichtiges, neues Know-how bringen.

Dr.-Ing. Ingmar Rohr | Fraunhofer-Institut
Weitere Informationen:
http://www.fraunhofer.de/de/presse/presseinformationen/2012/oktober/eroeffnung-der-gesamtfahrzeug-crashanlage.html
http://www.emi.fraunhofer.de/geschaeftsfelder/verkehr/crash-zentrum/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Automotive:

nachricht Wichtige Schritte auf dem Weg zum automatisierten Fahren
29.03.2018 | Universität Bremen

nachricht Es wird noch heller: Innovative Leuchten in der Automobilindustrie
28.03.2018 | Technische Hochschule Nürnberg Georg Simon Ohm

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Automotive >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: InSight: Touchdown auf dem Mars

Am 26. November landet die NASA-Sonde InSight auf dem Mars. Erstmals wird sie die Stärke und Häufigkeit von Marsbeben messen.

Monatelanger Flug durchs All, flammender Abstieg durch die Reibungshitze der Atmosphäre und sanftes Aufsetzen auf der Oberfläche – siebenmal ist das Kunststück...

Im Focus: Weltweit erstmals Entstehung von chemischen Bindungen in Echtzeit beobachtet und simuliert

Einem Team von Physikern unter der Leitung von Prof. Dr. Wolf Gero Schmidt, Universität Paderborn, und Prof. Dr. Martin Wolf, Fritz-Haber-Institut Berlin, ist ein entscheidender Durchbruch gelungen: Sie haben weltweit zum ersten Mal und „in Echtzeit“ die Änderung der Elektronenstruktur während einer chemischen Reaktion beobachtet. Mithilfe umfangreicher Computersimulationen haben die Wissenschaftler die Ursachen und Mechanismen der Elektronenumverteilung aufgeklärt und visualisiert. Ihre Ergebnisse wurden nun in der renommierten, interdisziplinären Fachzeitschrift „Science“ veröffentlicht.

„Chemische Reaktionen sind durch die Bildung bzw. den Bruch chemischer Bindungen zwischen Atomen und den damit verbundenen Änderungen atomarer Abstände...

Im Focus: Rasende Elektronen unter Kontrolle

Die Elektronik zukünftig über Lichtwellen kontrollieren statt Spannungssignalen: Das ist das Ziel von Physikern weltweit. Der Vorteil: Elektromagnetische Wellen des Licht schwingen mit Petahertz-Frequenz. Damit könnten zukünftige Computer eine Million Mal schneller sein als die heutige Generation. Wissenschaftler der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) sind diesem Ziel nun einen Schritt nähergekommen: Ihnen ist es gelungen, Elektronen in Graphen mit ultrakurzen Laserpulsen präzise zu steuern.

Eine Stromregelung in der Elektronik, die millionenfach schneller ist als heutzutage: Davon träumen viele. Schließlich ist die Stromregelung eine der...

Im Focus: UNH scientists help provide first-ever views of elusive energy explosion

Researchers at the University of New Hampshire have captured a difficult-to-view singular event involving "magnetic reconnection"--the process by which sparse particles and energy around Earth collide producing a quick but mighty explosion--in the Earth's magnetotail, the magnetic environment that trails behind the planet.

Magnetic reconnection has remained a bit of a mystery to scientists. They know it exists and have documented the effects that the energy explosions can...

Im Focus: Eine kalte Supererde in unserer Nachbarschaft

Der sechs Lichtjahre entfernte Barnards Stern beherbergt einen Exoplaneten

Einer internationalen Gruppe von Astronomen unter Beteiligung des Max-Planck-Instituts für Astronomie in Heidelberg ist es gelungen, beim nur sechs Lichtjahre...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Personalisierte Implantologie – 32. Kongress der DGI

19.11.2018 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz diskutiert digitale Innovationen für die öffentliche Verwaltung

19.11.2018 | Veranstaltungen

Naturkonstanten als Hauptdarsteller

19.11.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Gen-Radiergummi: Neuer Behandlungsansatz bei chronischen Erkrankungen

19.11.2018 | Biowissenschaften Chemie

Mit maschinellen Lernverfahren Anomalien frühzeitig erkennen und Schäden vermeiden

19.11.2018 | Informationstechnologie

Neuer Stall ermöglicht innovative Forschung für tiergerechte Haltungssysteme

19.11.2018 | Agrar- Forstwissenschaften

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics