Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Der rücksichtsvolle Sprachassistent für das Auto

25.11.2014

Forscher der Universität Bielefeld entwickeln Sprachdialogsystem

Mit Sprachsteuerungssystemen im Auto lassen sich Navigationsgeräte oder Radios mündlich steuern. So sollen sie Fahrer vor Ablenkung bewahren. Doch oft ist das Gegenteil der Fall. Die Systeme sprechen oft auch dann weiter, wenn der Fahrer eine schwierige Verkehrssituation meistern muss.


Das Forschungsteam testete den zurückhaltenden Sprachassistenten im Fahrsimulator. Heraus kam, dass das System so gut wie gar nicht ablenkt.

Foto: Universität Bielefeld


Prof. Dr. David Schlangen von der Universität Bielefeld entwickelt Computersysteme, die Sprache verstehen und so verwenden wie Menschen.

Foto: CITEC/Universität Bielefeld

Damit die elektronischen Begleiter die Fahrer künftig nicht mehr stören, haben Sprachwissenschaftler der Universität Bielefeld ein neues Sprachdialogsystem entwickelt. Seine Fähigkeit: Es unterbricht, wenn es kritische Fahrmanöver erkennt.

„In kritischen Situationen wie Überholmanövern reicht die Konzentrationsfähigkeit nicht aus, um zusätzliche Aufgaben zu bewältigen“, sagt der Sprachwissenschaftler Professor Dr. David Schlangen von der Universität Bielefeld. „Der Fahrer wird zum Multitasking gezwungen, wodurch ihm beide Aufgaben – Fahren und Zuhören – schwerfallen.“

Schlangen verweist auf neue Untersuchungen der University of Utah (USA) und der Vereinigung „Foundation for Traffic Safety“ in Washington (USA). Die Studien bestätigen, dass Sprachsteuerungssysteme in Autos das Fahren unsicher machen, weil sie oft komplex oder anfällig für Fehler sind.

Das neue Sprachdialogsystem aus Schlangens Forschungsgruppe „Angewandte Computerlinguistik“ soll dieses Problem beseitigen. Die Gruppe gehört zur Fakultät für Linguistik und Literaturwissenschaft und ist am Exzellenzcluster CITEC beteiligt. Anders als bisherige Systeme kann die Neuentwicklung auf die Verkehrssituation eingehen und hält sich in kritischen Momenten zurück.

In einer Studie mit 17 Versuchspersonen erprobten David Schlangen und sein Team das System in einem Fahrsimulator. In ihrem Experiment untersuchten die Wissenschaftler, wie gut ihr System im Vergleich zu einem herkömmlichen abschneidet.

In dem Experiment mussten die Versuchspersonen eine Autobahnfahrt simulieren. Sie kontrollierten dafür Steuer und Gaspedal im Fahrsimulator. Per Lichtsignal wurde ihnen angezeigt, wann sie überholen sollen. Während der Fahrt meldete sich das Sprachdialogsystem bei ihnen – entweder das System von Schlangen oder ein auf herkömmliche Weise arbeitendes Gerät.

Es machte die Fahrer auf Termine aufmerksam („Du bist um 13 Uhr zum Mittagessen mit Peter verabredet. Ihr trefft euch in der Cafeteria“). Das herkömmliche Gerät sprach auch dann weiter, wenn der Fahrer mitten im Überholvorgang war. Das neue System stoppte, sobald der Fahrer zum Überholen ansetzte. Es sprach erst weiter, wenn das Manöver vorbei war. Dabei konnte es Teile des schon Gesagten wiederholen, damit der Wiederanfang natürlich klang.

„Wir konnten nachweisen, dass unser System im Vergleich zu einem herkömmlichen deutlich weniger ablenkend wirkt. Es hat deutlich weniger negativen Einfluss auf die Leistungsfähigkeit beim Fahren“, sagt Schlangen. „Dank unserer neuen Technik fährt der Fahrer präziser und, zumindest in der Simulation, sinkt die Gefahr von Unfällen. Bei herkömmlichen Systemen verschlechtert sich die Leistungsfähigkeit so stark wie beim Telefonieren während der Fahrt.“

Die Forscher testeten außer dem Einfluss auf die Leistungsfähigkeit auch, ob sich die Versuchspersonen korrekt an die Termine erinnern konnten, die das jeweilige Sprachdialogsystem angesagt hat. „Dabei kam heraus, dass sich die meisten Teilnehmer die Termine merken konnten, wenn sie von unserem System übermittelt wurden“, sagt Spyridon Kousidis, einer der Versuchsleiter. „Wenn das System, das sich nicht unterbrechen kann, den Termin nannte, konnte er hingegen nur seltener behalten werden.“

Die Forscher verglichen ihr System nicht nur mit herkömmlichen Systemen. Sie erfassten auch, wie leicht den Versuchspersonen das Fahren fällt, wenn kein Sprachdialogsystem vorhanden ist. Das Ergebnis: „Unser System funktioniert so dezent, dass die Fahrer genauso wenig abgelenkt sind als wäre kein Sprachdialogsystem vorhanden“, sagt Schlangen.

Kontakt:
Prof. Dr. David Schlangen, Universität Bielefeld
Fakultät für Linguistik und Literaturwissenschaft
Telefon: 0521 106-67323
E-Mail: david.schlangen@uni-bielefeld.de

Jörg Heeren | idw - Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen:
http://www.uni-bielefeld.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Automotive:

nachricht Virtuelle Menschmodelle ergänzen Crashtest-Dummys
02.05.2019 | Fraunhofer-Institut für Kurzzeitmechanik, Ernst-Mach-Institut, EMI

nachricht MXT Lab: Innovationen für das autonome Fahrerlebnis - das Wohnzimmer im Auto
02.05.2019 | Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Automotive >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Partielle Mondfinsternis am 16./17. Juli 2019

Gemeinsame Pressemitteilung der Vereinigung der Sternfreunde (VdS) und des Hauses der Astronomie in Heidelberg - Wie im letzten Jahr findet auch 2019 eine in den späten Abendstunden in einer lauen Sommernacht gut zu beobachtende Mondfinsternis statt, und zwar in der Nacht vom 16. auf den 17. Juli. Die Finsternis ist zwar nur partiell - der Mond tritt also nicht vollständig in den Erdschatten ein - es ist aber für die nächsten Jahre die einzige gut sichtbare Mondfinsternis im deutschen Sprachraum.

Am Dienstagabend, den 16. Juli, wird ein kosmisches Schauspiel zu sehen sein: Der Vollmond taucht zu einem großen Teil in den Schatten der Erde ein, es findet...

Im Focus: Fraunhofer IDMT zeigt akustische Qualitätskontrolle auf der Fachmesse für Messtechnik »Sensor + Test 2019«

Das Ilmenauer Fraunhofer-Institut für Digitale Medientechnologie IDMT präsentiert vom 25. bis 27. Juni 2019 am Gemeinschaftsstand der Fraunhofer-Gesellschaft (Stand 5-248) seine neue Lösung zur berührungslosen, akustischen Qualitätskontrolle von Werkstücken und Bauteilen. Da die Prüfung zerstörungsfrei funktioniert, kann teurer Prüfschrott vermieden werden. Das Prüfverfahren wird derzeit gemeinsam mit verschiedenen Industriepartnern im praktischen Einsatz erfolgreich getestet und hat das Technology Readiness Level (TRL) 6 erreicht.

Maschinenausfälle, Fertigungsfehler und teuren Prüfschrott reduzieren

Im Focus: Fraunhofer IDMT demonstrates its method for acoustic quality inspection at »Sensor+Test 2019« in Nürnberg

From June 25th to 27th 2019, the Fraunhofer Institute for Digital Media Technology IDMT in Ilmenau (Germany) will be presenting a new solution for acoustic quality inspection allowing contact-free, non-destructive testing of manufactured parts and components. The method which has reached Technology Readiness Level 6 already, is currently being successfully tested in practical use together with a number of industrial partners.

Reducing machine downtime, manufacturing defects, and excessive scrap

Im Focus: Erfolgreiche Praxiserprobung: Bidirektionale Sensorik optimiert das Laserauftragschweißen

Die Qualität generativ gefertigter Bauteile steht und fällt nicht nur mit dem Fertigungsverfahren, sondern auch mit der Inline-Prozessregelung. Die Prozessregelung sorgt für einen sicheren Beschichtungsprozess, denn Abweichungen von der Soll-Geometrie werden sofort erkannt. Wie gut das mit einer bidirektionalen Sensorik bereits beim Laserauftragschweißen im Zusammenspiel mit einer kommerziellen Optik gelingt, demonstriert das Fraunhofer-Institut für Lasertechnik ILT auf der LASER World of PHOTONICS 2019 auf dem Messestand A2.431.

Das Fraunhofer ILT entwickelt optische Sensorik seit rund 10 Jahren gezielt für die Fertigungsmesstechnik. Dabei hat sich insbesondere die Sensorik mit der...

Im Focus: Successfully Tested in Praxis: Bidirectional Sensor Technology Optimizes Laser Material Deposition

The quality of additively manufactured components depends not only on the manufacturing process, but also on the inline process control. The process control ensures a reliable coating process because it detects deviations from the target geometry immediately. At LASER World of PHOTONICS 2019, the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT will be demonstrating how well bi-directional sensor technology can already be used for Laser Material Deposition (LMD) in combination with commercial optics at booth A2.431.

Fraunhofer ILT has been developing optical sensor technology specifically for production measurement technology for around 10 years. In particular, its »bd-1«...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Plastik: Mehr Kreislauf gegen die Krise gefordert

21.06.2019 | Veranstaltungen

Rittal und Innovo Cloud sind auf Supercomputing-Konferenz in Frankfurt vertreten

18.06.2019 | Veranstaltungen

Teilautonome Roboter für die Dekontamination - den Stand der Forschung bei Live-Vorführungen am 25.6. erleben

18.06.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Mitten ins Herz

24.06.2019 | Biowissenschaften Chemie

Wie man Wellen an die richtige Stelle biegt

24.06.2019 | Physik Astronomie

Fingerprint-Spektroskopie in einer Millisekunde

24.06.2019 | Messenachrichten

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics