Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Automotive Region Eastern Europe ? Chancen und Potenziale des "Detroit des Ostens" für Automobilzulieferer

13.11.2006
Osteuropa gewinnt für die Automobilindustrie eine immer größere Bedeutung. Aus dem enormen Kapazitätsaufbau der OEM und der Änderung der Beschaffung mit lokalem Fokus ergeben sich für Unternehmen der Zulieferindustrie große Chancen.

Osteuropa als "Detroit des Ostens" zu bezeichnen, ist für die Automobilindustrie nicht übertrieben, ganz im Gegenteil: Im Vergleich zur US-Autohochburg Detroit ist die Automotive Region Eastern Europe (AREE), bestehend aus den neuen EU-Mitgliedsstaaten und Rumänien, in der Lage, ihren Status weiter auszubauen. Insgesamt werden im Jahr 2008 jährlich voraussichtlich mehr als drei Millionen Autos (2005 waren es rund 1900000 Fahrzeuge) von den osteuropäischen Bändern rollen. Das bedeutet, dass in zwei Jahren rund fünf Prozent der weltweiten Fahrzeugproduktion in Osteuropa gefertigt werden.

"Einst waren es die geringen Löhne, die OEM (Automobilhersteller Original Equipment Manufacturer) aus dem Westen in den ehemaligen Ostblock

lockten. Die Einsparungen durch die geringen Lohnkosten, dieser entscheidende Vorteil von einst, werden allerdings heute oftmals von den hohen Ausgaben für Logistikaktivitäten aufgefressen", stellen Wilfried Sihn, Leiter der Projektgruppe, und sein Stellvertreter Daniel Palm fest. Denn ein Großteil der für die Fahrzeugproduktion benötigten Teile stammt nach wie vor aus West- und Südeuropa. Die Folge seien kostenintensive Teiletransporte quer durch Europa, die durch steigende Lohnkosten in den neuen EU-Staaten noch weiter verteuert würden.

... mehr zu:
»Automobilindustrie »OEM

Aus dem enormen Kapazitätsaufbau der OEM und der Änderung der Beschaffung mit lokalem Fokus ergeben sich für Unternehmen der Zulieferindustrie große Chancen. Diese werden durch den allgemeinen Trend der Automobilindustrie, die Eigenwertschöpfung - also den eigenen Anteil an der Fertigung eines Fahrzeugs - weiter zu reduzieren und stetig mehr Umfänge auf Zulieferer zu übertragen, verstärkt. 2008 werden laut Untersuchungen der Fraunhofer-Gesellschaft bereits mehr als 70 Prozent eines Autos von Zulieferern gebaut. Der Hersteller selbst entwickelt sich zunehmend zum bloßen Monteur angelieferter Komponenten, wobei hier zwischen den einzelnen Fahrzeugmodulen (Fahrwerk, Motor, Karosseriestruktur etc.) erhebliche Unterschiede bestehen. Die Potenziale für die Autozulieferer ergeben sich durch die

- steigende Modellvielfalt der Hersteller,

- Modellwechsel,

- Anläufe neuer Modelle,

- Produktionssteigerungen,

- Wertschöpfungsverschiebungen von OEM zu Zulieferern (speziell Karosserie- und Exterieur-Umfänge mit Verschiebungen über zehn Prozent zugunsten der Zulieferer) sowie

- Ausweitung des Elektrik- und Elektronikanteils in den Fahrzeugen.

Die Untersuchungen vom Fraunhofer PPL und der TU Wien zeigen, dass das jährliche Beschaffungsvolumen der elf OEM-Produktionsstätten im Umkreis von 300 Kilometern um Wien ab 2008 die Summe von 20 Milliarden Euro übersteigen wird. Enorme Potenziale, die aufgrund der räumlichen Nähe auch durch österreichische Unternehmen realisiert werden können.

Österreichische Unternehmen haben jedoch derzeit noch mit Standortnachteilen gegenüber Wettbewerbern in Osteuropa zu kämpfen. Um die Standortsituation grenznaher Bundesländer wie Wien und Niederösterreich zu verbessern, schlagen die beiden wissenschaftlichen Institutionen konkrete Maßnahmen vor, damit Produkte zu wettbewerbsfähigen Preisen angeboten und den Anforderungen bezüglich Lieferzeit, Reaktionsfähigkeit und Qualitätsanforderungen gerecht werden können.

Eine Forderung betrifft die Errichtung eines "intelligenten Lieferantenparks" zur Erreichung von Synergieeffekten und damit einhergehend eine Senkung der Stückkosten. Im Gegensatz zu herkömmlichen Lieferantenparks sollen die neu geplanten auf mehrere OEM ausgelegt sein.

Eine weitere Maßnahme wäre die Schaffung einer geeigneten Verkehrsinfrastruktur zwischen Wien und Bratislava sowie zwischen Wien und Prag (Ostrava, Kolin). Genannt werden Projekte wie eine Autobahntrasse, die Marchegg-Schnellstraße, eine Brücke über die March und eine verbesserte Bahnverbindung. Diese Maßnahmen sollten laut Experteneinschätzung eine Erhöhung der Reaktionszeiten und eine Reduktion der Lieferzeiten mit sich bringen.

Zu guter Letzt sprechen sich die Wissenschaftler für eine Erhöhung der automobilen Kompetenz der ansässigen Unternehmen und für eine Unterstützung dieser bei der Reduktion der Stückkosten durch schlanke Produktions- und Logistikprozesse aus. Ein konkreter Vorschlag wäre die Errichtung eines Kompetenzcenters Automobil mit einem möglichen Standort Wien.

Wilfried Sihn, Daniel Palm, Kurt Matyas, Peter Kuhlang
Automotive Region Eastern Europe - Chancen und Potenziale des "Detroit des Ostens" für Automobilzulieferer

© 2006 Fraunhofer-Projektgruppe für Produktionsmanagement und Logistik (Hrsg.), ISBN 3-9502003-6-3

Ihr Ansprechpartner für weitere Informationen:
Univ.-Prof. Dr.-Ing. Dipl.-Wirtsch.-Ing. Wilfried Sihn
Fraunhofer-Projektgruppe für Produktionsmanagement und Logistik
Telefon: +43(0)1/58801-33041
E-Mail: sihn@fraunhofer.at

Hubert Grosser | Fraunhofer-Gesellschaft
Weitere Informationen:
http://www.fraunhofer.at
http://www.ipa.fraunhofer.de/

Weitere Berichte zu: Automobilindustrie OEM

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Automotive:

nachricht Wichtige Schritte auf dem Weg zum automatisierten Fahren
29.03.2018 | Universität Bremen

nachricht Es wird noch heller: Innovative Leuchten in der Automobilindustrie
28.03.2018 | Technische Hochschule Nürnberg Georg Simon Ohm

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Automotive >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Superscharfe Bilder von der neuen Adaptiven Optik des VLT

Das Very Large Telescope (VLT) der ESO hat das erste Licht mit einem neuen Modus Adaptiver Optik erreicht, die als Lasertomografie bezeichnet wird – und hat in diesem Rahmen bemerkenswert scharfe Testbilder vom Planeten Neptun, von Sternhaufen und anderen Objekten aufgenommen. Das bahnbrechende MUSE-Instrument kann ab sofort im sogenannten Narrow-Field-Modus mit dem adaptiven Optikmodul GALACSI diese neue Technik nutzen, um Turbulenzen in verschiedenen Höhen in der Erdatmosphäre zu korrigieren. Damit ist jetzt möglich, Bilder vom Erdboden im sichtbaren Licht aufzunehmen, die schärfer sind als die des NASA/ESA Hubble-Weltraumteleskops. Die Kombination aus exquisiter Bildschärfe und den spektroskopischen Fähigkeiten von MUSE wird es den Astronomen ermöglichen, die Eigenschaften astronomischer Objekte viel detaillierter als bisher zu untersuchen.

Das MUSE-Instrument (kurz für Multi Unit Spectroscopic Explorer) am Very Large Telescope (VLT) der ESO arbeitet mit einer adaptiven Optikeinheit namens GALACSI. Dabei kommt auch die Laser Guide Stars Facility, kurz ...

Im Focus: Diamant – ein unverzichtbarer Werkstoff der Fusionstechnologie

Forscher am KIT entwickeln Fenstereinheiten mit Diamantscheiben für Fusionsreaktoren – Neue Scheibe mit Rekorddurchmesser von 180 Millimetern

Klimafreundliche und fast unbegrenzte Energie aus dem Fusionskraftwerk – für dieses Ziel kooperieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weltweit. Bislang...

Im Focus: Wiener Forscher finden vollkommen neues Konzept zur Messung von Quantenverschränkung

Quantenphysiker/innen der ÖAW entwickelten eine neuartige Methode für den Nachweis von hochdimensional verschränkten Quantensystemen. Diese ermöglicht mehr Effizienz, Sicherheit und eine weitaus geringere Fehleranfälligkeit gegenüber bisher gängigen Mess-Methoden, wie die Forscher/innen nun im Fachmagazin „Nature Physics“ berichten.

Die Vision einer vollständig abhörsicheren Übertragung von Information rückt dank der Verschränkung von Quantenteilchen immer mehr in Reichweite. Wird eine...

Im Focus: Was passiert, wenn wir das Atomgitter eines Magneten plötzlich aufheizen?

„Wir haben jetzt ein klares Bild davon, wie das heiße Atomgitter und die kalten magnetischen Spins eines ferrimagnetischen Nichtleiters miteinander ins Gleichgewicht gelangen“, sagt Ilie Radu, Wissenschaftler am Max-Born-Institut in Berlin. Das internationale Forscherteam fand heraus, dass eine Energieübertragung sehr schnell stattfindet und zu einem neuartigen Zustand der Materie führt, in dem die Spins zwar heiß sind, aber noch nicht ihr gesamtes magnetisches Moment verringert haben. Dieser „Spinüberdruck“ wird durch wesentlich langsamere Prozesse abgebaut, die eine Abgabe von Drehimpuls an das Gitter ermöglichen. Die Forschungsergebnisse sind jetzt in "Science Advances" erschienen.

Magnete faszinieren die Menschheit bereits seit mehreren tausend Jahren und sind im Zeitalter der digitalen Datenspeicherung von großer praktischer Bedeutung....

Im Focus: Erste Beweise für Quelle extragalaktischer Teilchen

Zum ersten Mal ist es gelungen, die kosmische Herkunft höchstenergetischer Neutrinos zu bestimmen. Eine Forschungsgruppe um IceCube-Wissenschaftlerin Elisa Resconi, Sprecherin des Sonderforschungsbereichs SFB1258 an der Technischen Universität München (TUM), liefert ein wichtiges Indiz in der Beweiskette, dass die vom Neutrino-Teleskop IceCube am Südpol detektierten Teilchen mit hoher Wahrscheinlichkeit von einer Galaxie in vier Milliarden Lichtjahren Entfernung stammen.

Um andere Ursprünge mit Gewissheit auszuschließen, untersuchte das Team um die Neutrino-Physikerin Elisa Resconi von der TU München und den Astronom und...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Stadtklima verbessern, Energiemix optimieren, sauberes Trinkwasser bereitstellen

19.07.2018 | Veranstaltungen

Innovation – the name of the game

18.07.2018 | Veranstaltungen

Wie geht es unserer Ostsee? Ein aktueller Zustandsbericht

17.07.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Mit dem Nano-U-Boot gezielt gegen Kopfschmerzen und Tumore

19.07.2018 | Medizin Gesundheit

VDI sieht urbane Produktion und Logistik als integrale Teile der Stadt der Zukunft

19.07.2018 | Architektur Bauwesen

Infrarotsensor als neue Methode für die Wirkstoffentwicklung

19.07.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics