Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Star-Architektur und ihr Einfluss auf die Stadt

12.02.2018

In der spanischen Stadt Bilbao führte das Guggenheim-Museum des Star-Architekten Frank Gehry zu einem wirtschaftlichen Boom. Auf diesen „Bilbao-Effekt“ hoffen viele Stadtplaner und Politiker. Durch attraktive Bauten wollen sie ihre Stadt ökonomisch und sozial besser positionieren. Forscherinnen und Forscher der Technischen Universität München (TUM) haben anhand von drei Gebäuden untersucht, ob die erhofften Effekte auch eintreten.

In der spanischen Stadt Bilbao führte das Guggenheim-Museum des Star-Architekten Frank Gehry zu einem wirtschaftlichen Boom. Auf diesen „Bilbao-Effekt“ hoffen viele Stadtplaner und Politiker. Durch attraktive Bauten wollen sie ihre Stadt ökonomisch und sozial besser positionieren.


Das phaeno in Wolfsburg.

Nadia Alaily-Mattar / TUM

Forscherinnen und Forscher der Technischen Universität München (TUM) haben anhand von drei Gebäuden untersucht, ob die erhofften Effekte auch eintreten.

Kann Star-Architektur das Schicksal einer Stadt positiv beeinflussen? Das Guggenheim-Museum ermöglichte der Stadt Bilbao, sich neu zu erfinden. Die Industriestadt war vom wirtschaftlichen Niedergang gezeichnet. Nach Eröffnung des Museum gelang der Stadt eine wirtschaftliche Neupositionierung: sie wandelte sich zur kulturellen Metropole.

Zahlreiche Städte erhoffen sich durch Star-Architektur ähnliche Effekte. „Die Wirkung dieser Bauvorhaben wurde insbesondere für kleine und mittelgroße Städte bislang kaum untersucht“, erklärt Prof. Alain Thierstein vom Lehrstuhl für Raumentwicklung der TUM.

Ein Team des Lehrstuhls, der HafenCity Universität Hamburg und der Technischen Universität Berlin hat daher drei Fallbeispiele untersucht: das Kunsthaus Graz, das Kultur- und Kongresszentrum Luzern (KKL) und das Wissenschaftszentrum phaeno in Wolfsburg. Da diese Bauwerke bereits seit über 15 Jahren bestehen, können auch Langzeitauswirkungen beobachtet werden.

Positive Effekte, aber keine Neupositionierung

Die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen analysierten das Zusammenspiel von wirtschaftlichen Faktoren, der Gestaltung der Gebäude und der gesellschaftlichen Effekte. Sie fanden heraus, dass die Projekte zwar positive ökonomische Effekte haben, wie zum Beispiel die Erweiterung der touristischen und kulturellen Angebote, diese aber nicht zu einer deutlichen Neupositionierung führen.

Einen kausalen Zusammenhang zwischen den ökonomischen Effekten der Projekte und den sozioökonomischen Veränderungen, etwa auf dem Arbeitsmarkt oder im Tourismus konnten sie nicht feststellen. Auch seien nicht alle wirtschaftlichen Effekte sofort sichtbar, erklärt Dr. Nadia Alaily-Mattar, Projektleiterin und wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Raumentwicklung.

„In Wolfsburg ist mit der Realisierung von phaeno das Selbstbewusstsein der Politiker und der lokalen Verwaltung gestiegen.“ Dieser soziale Effekt könne langfristig auch positive ökonomische Effekte auf die Stadt haben.

Die Architektur nicht vernachlässigen

In allen drei Fällen beobachteten die Forscherinnen und Forscher eine Verschiebung der räumlichen Relationen der Stadt. In Graz bildet das Kunsthaus eine Brücke, die zuvor getrennt wahrgenommene und sozial unterschiedlich bewertete Stadtteile verbindet.

In Luzern verstärkt das KKL die Verschmelzung von Landschaft und Stadt. In Wolfsburg hatte das phaeno einen ähnlichen Effekt: Das Areal gegenüber vom Hauptbahnhof hatte zwar eine große Bedeutung für die Stadt, war aber eher unbelebt und unausgelastet. Durch das phaeno wurde es in die restliche Stadt integriert.

Diese strukturellen Veränderungen sind die nachhaltigsten Effekte der Projekte, betont Alaily-Mattar. Wirtschaftliche und sozio-kulturelle Wirkungen könnten oft temporär und vergänglich sein. „Morphologische Effekte sind eher stabil und weniger vom ‚Star-Faktor‘ abhängig. Das Bestreben von Stadtplanern und Politikern nach dem Erzielen einer Wirkung durch Star-Architektur darf den Beitrag der Architektur nicht vernachlässigen. Neben ökonomischen und soziokulturellen Effekten ist der Einfluss von Star Architektur auf die Stadt auch räumlich.”


Das Projekt wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft DFG gefördert.

Publikation:
Nadia Alaily-Mattar, Johannes Dreher, Alain Thierstein, Repositioning cities through star architecture: how does it work?, Journal of Urban Design
DOI: 10.1080/13574809.2017.1408401
Link: doi.org/10.1080/13574809.2017.1408401

Kontakt:

Technische Universität München
Lehrstuhl für Raumentwicklung

Prof. Dr. Alain Thierstein
+49 (89) 289 – 22488
thierstein@tum.de

Dr. Nadia Alaily-Mattar
+49 (89) 289 - 22387
n.alaily-mattar@tum.de

Weitere Informationen:

https://www.tum.de/die-tum/aktuelles/pressemitteilungen/detail/article/34473/

Dr. Ulrich Marsch | Technische Universität München

Weitere Berichte zu: Bilbao DFG Effekte Neupositionierung Raumentwicklung TUM

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Architektur Bauwesen:

nachricht Lebende Brücken: Mit alten indischen Bautechniken moderne Städte klimafreundlich gestalten
18.11.2019 | Technische Universität München

nachricht Schleichender Zerfall
22.10.2019 | Empa - Eidgenössische Materialprüfungs- und Forschungsanstalt

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Architektur Bauwesen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Das 136 Millionen Atom-Modell: Wissenschaftler simulieren Photosynthese

Die Umwandlung von Sonnenlicht in chemische Energie ist für das Leben unerlässlich. In einer der größten Simulationen eines Biosystems weltweit haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler diesen komplexen Prozess an einem Bestandteil eines Bakteriums nachgeahmt – am Computer, Atom um Atom. Die Arbeit, die jetzt in der renommierten Fachzeitschrift „Cell“ veröffentlicht wurde, ist ein wichtiger Schritt zum besseren Verständnis der Photosynthese in einigen biologischen Strukturen. An der internationalen Forschungskooperation unter Leitung der University of Illinois war auch ein Team der Jacobs University Bremen beteiligt.

Das Projekt geht zurück auf eine Initiative des inzwischen verstorbenen, deutsch-US-amerikanischen Physikprofessors Klaus Schulten von der University of...

Im Focus: Developing a digital twin

University of Texas and MIT researchers create virtual UAVs that can predict vehicle health, enable autonomous decision-making

In the not too distant future, we can expect to see our skies filled with unmanned aerial vehicles (UAVs) delivering packages, maybe even people, from location...

Im Focus: Freiformflächen bis zu 80 Prozent schneller schlichten: Neue Werkzeuge und Algorithmen für die Fräsbearbeitung

Beim Schlichtfräsen komplexer Freiformflächen können Kreissegment- oder Tonnenfräswerkzeuge jetzt ihre Vorteile gegenüber herkömmlichen Werkzeugen mit Kugelkopf besser ausspielen: Das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnologie IPT aus Aachen entwickelte im Forschungsprojekt »FlexiMILL« gemeinsam mit vier Industriepartnern passende flexible Bearbeitungsstrategien und implementierte diese in eine CAM-Software. Auf diese Weise lassen sich große frei geformte Oberflächen nun bis zu 80 Prozent schneller bearbeiten.

Ziel im Projekt »FlexiMILL« war es, für die Bearbeitung mit Tonnenfräswerkzeugen nicht nur neue, verbesserte Werkzeuggeometrien zu entwickeln, sondern auch...

Im Focus: Bis zu 30 Prozent mehr Kapazität für Lithium-Ionen-Akkus

Durch Untersuchungen struktureller Veränderungen während der Synthese von Kathodenmaterialen für zukünftige Hochenergie-Lithium-Ionen-Akkus haben Forscherinnen und Forscher des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) und kooperierender Einrichtungen neue und wesentliche Erkenntnisse über Degradationsmechanismen gewonnen. Diese könnten zur Entwicklung von Akkus mit deutlich erhöhter Kapazität beitragen, die etwa bei Elektrofahrzeugen eine größere Reichweite möglich machen. Über die Ergebnisse berichtet das Team in der Zeitschrift Nature Communications. (DOI 10.1038/s41467-019-13240-z)

Ein Durchbruch der Elektromobilität wird bislang unter anderem durch ungenügende Reichweiten der Fahrzeuge behindert. Helfen könnten Lithium-Ionen-Akkus mit...

Im Focus: Neue Klimadaten dank kompaktem Alexandritlaser

Höhere Atmosphärenschichten werden für Klimaforscher immer interessanter. Bereiche oberhalb von 40 km sind allerdings nur mit Höhenforschungsraketen direkt zugänglich. Ein LIDAR-System (Light Detection and Ranging) mit einem diodengepumpten Alexandritlaser schafft jetzt neue Möglichkeiten. Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Atmosphärenphysik (IAP) und des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT entwickeln ein System, das leicht zu transportieren ist und autark arbeitet. Damit kann in Zukunft ein LIDAR-Netzwerk kontinuierlich und weiträumig Daten aus der Atmosphäre liefern.

Der Klimawandel ist in diesen Tagen ein heißes Thema. Eine wichtige wissenschaftliche Grundlage zum Verständnis der Phänomene sind valide Modelle zur...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

QURATOR 2020 – weltweit erste Konferenz für Kuratierungstechnologien

04.12.2019 | Veranstaltungen

Die Zukunft der Arbeit

03.12.2019 | Veranstaltungen

Intelligente Transportbehälter als Basis für neue Services der Intralogistik

03.12.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Gene für die Biosynthese des Antidepressivums Hypericin in Johanniskraut entdeckt

06.12.2019 | Biowissenschaften Chemie

Goldmedaille: Team der TU Dresden präsentiert DipGene auf der größten Innovationsveranstaltung für Synthetische Biologie

06.12.2019 | Biowissenschaften Chemie

Der Stammbaum der Käfer steht

06.12.2019 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics