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Smart Cities: Städte „von der Stange“?

24.01.2018

Fahrzeuge bewegen sich autonom, die Auslastung von Verkehrsmitteln wird von Sensoren automatisch erfasst, Computer senden Empfehlungen zum staufreien Reisen auf Smartphones – digitale Technologien machen urbane Infrastrukturen zu intelligenten Systemen, Städte werden zu „Smart Cities“. Global agierende IT-Unternehmen sehen in der Digitalisierung von Infrastrukturen einen wachsenden Markt für ihre Hard- und Softwareprodukte. Das durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderte Projekt „Smart Cities: Die Standardisierung der Stadt?“ an der HafenCity Universität Hamburg (HCU) untersucht in den kommenden drei Jahren den Prozess der globalen Ausbreitung von Smart City-Projekten.

Das Forschungsvorhaben unter der Leitung von Prof. Dr. Gernot Grabher und Dr. Joachim Thiel untersucht die Auswirkungen der in der Vermarktung von IT-Produkten liegenden Standardisierungsdynamik auf Städte. Zugespitzt formuliert: Wenn Stadtverwaltungen und Stadtwerke zukünftig ihre Infrastruktursysteme gewissermaßen von der Stange einkaufen können, bedeutet dies, dass sich Städte weltweit zunehmend angleichen?


Singapur ist eine der führenden Städte beim Einsatz von digitalen Technologien in der Stadtentwicklung.

Pexels, CC0-Lizenz

Zur Beantwortung dieser Frage fokussiert die Untersuchung vor allem drei Spannungsfelder, in denen die Standardisierung ‚gebrochen’ wird: Erstens steht dem Wunsch der Technologieanbieter nach globaler Vermarktung die Notwendigkeit der Anpassung der jeweiligen Systeme an lokale Spezifika entgegen.

Zweitens wird die Einbindung privatwirtschaftlicher Technologieanbieter in die Modernisierung urbaner Infrastrukturen aufgrund ihrer Expertise zwar dringend benötigt; dabei stellt sich jedoch die Frage, wie eine möglichst breite Zugänglichkeit zu öffentlichen Gütern gewährleistet bleiben kann.

Drittens folgt die weltweite Ausbreitung von Smart City-Projekten einem widersprüchlichen geografischen Muster: Während die Technologien größtenteils aus den Industrieländern stammen, finden Pilotanwendungen überwiegend in Schwellenländern statt.

Die Forscher gehen davon aus, dass sich das Ausmaß der Standardisierung nur konkret - auf Grundlage von lokalen Fallstudien - erfassen lässt.

Prof. Dr. Gernot Grabher: „Wie sehr sich die globale Standardisierungslogik durchsetzt, hängt von den jeweiligen konkreten Verhandlungen zwischen Technologieanbietern und städtischen Entscheidern vor Ort ab. In diesen Aushandlungsprozessen werden die Konflikte zwischen global und lokal, zwischen privat und öffentlich sowie zwischen Industrie- und Schwellenländern ausgetragen.“

Im Zentrum der Forschungsarbeit stehen die beiden Städte Amsterdam und Singapur. Beide Städte sind führend beim Einsatz von digitalen Technologien in der Stadtentwicklung. Darüber hinaus bilden sie auf idealtypische Weise den Unterschied zwischen Industrie- und Schwellenländern ab.

Weitere Informationen:

https://www.hcu-hamburg.de/presse/news/news/#314

Marina Brink | idw - Informationsdienst Wissenschaft

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