Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neues Messverfahren für Gehgeräusche

16.02.2010
PTB schlägt einfache Differenzmessung mit Trittschall-Normhammerwerk vor

"Achtung, der Chef kommt!" Im normalen Büroalltag mag ein "hellhöriger" Bodenbelag in den Fluren sogar hilfreich sein. Anders sieht es bei großen Räumen aus, in denen viele Menschen herumlaufen.

Da kann die Frage nach dem nervenschonendsten Bodenbelag sehr wichtig werden. Daher hat die Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB) ein Messverfahren entwickelt, das auf einem herkömmlichen Trittschall-Normhammerwerk beruht.

Mit Hilfe einer einfachen Messung und ohne die Eigengeräusche des Hammerwerkes jedes Mal ermitteln zu müssen, lässt sich feststellen, wie groß der Lärm bei unterschiedlichen Bodenbelägen ist. Das Verfahren ist inzwischen der europäischen Normungsorganisation CEN als Normentwurf vorgeschlagen worden.

Der Fall ist ein Paradebeispiel für europaweite Zusammenarbeit im Messwesen: In Österreich glaubte ein Tüftler, einen besonders "leisen" Laminatboden entwickelt zu haben. Er wandte sich an die europäische Normungsorganisation CEN mit der Bitte, ein passendes Messverfahren zu entwickeln. Der Vorsitzende der entsprechenden Arbeitsgruppe ist Werner Scholl von der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB). Er machte sich an die Arbeit und fand schließlich ein Messverfahren, das zunächst vor allem in Frankreich auf Interesse stoßen wird - denn dort gibt es bereits jetzt entsprechende Lärmschutzvorschriften.

Scholl nahm ein herkömmliches Norm-Hammerwerk, das in praktisch allen bauakustisch tätigen Laboratorien vorhanden ist. Damit wird gemessen, wieviel Lärm bei welchem Bodenbelag nach unten dringt. Jetzt ging es aber um die Frage, wie laut es in demselben Raum wird. Die Lösung ist überzeugend einfach: Auf eine Rohdecke wird zunächst ein ganz kleines Stückchen Bodenbelag gelegt und mit dem Hammerwerk bearbeitet, danach ein wesentlich größeres. Nur in diesem zweiten Fall kann der Bodenbelag Luftschall abstrahlen, also "eigenen" Lärm verursachen. Alles andere bleibt jeweils gleich: einerseits der Beitrag der Rohdecke, andererseits die stets auftretenden, teilweise erheblichen und bodenbelagsabhängigen Eigengeräusche des Hammerwerkes. Statt diese Eigengeräusche jedes Mal aufwendig messen zu müssen, genügt nun also eine einfache Differenzmessung. Eine für dieses Verfahren obligatorische Unsicherheitsberechnung zeigt schließlich an, inwieweit das Hammerwerk hinsichtlich seiner Eigengeräusche für die vorgenommene Messung brauchbar war.

"Dass hier bei einer Norm eine individuelle Messunsicherheitsberechnung vorgeschrieben wird, ist richtungweisend," sagt Scholl. Zu messen ist in beiden Räumen eines Deckenprüftstandes nach ISO 140-1. Auch solche Prüfstände sind bereits in großer Zahl für Standard-Trittschallmessungen nach ISO 140 vorhanden. "Mit dieser Art Messung kann dann 'nebenbei' der laborspezifische Beitrag der Rohdecke zum Gehgeräusch durch einheitliche Werte einer Bezugsdecke ersetzt werden", ergänzt Scholl.

Erste Messungen mit drei sehr verschiedenen Bodenbelägen und Hammerwerken verliefen vielversprechend. Das neue Messverfahren wird zur Zeit in der Normungsgruppe diskutiert und soll in einem Ringversuch überprüft werden.

"Wir hätten als Quelle für die Gehgeräusche natürlich auch eine europaweit typische gehende Person mit den passenden Schuhen suchen können", sagt Scholl augenzwinkernd. "Mancher hätte eine Frau in roten Stöckelschuhen, die im Einheitsschritt durch die Labore eilt, vielleicht sympathischer gefunden." Aber die Realität ist halt hammerhart.

Ansprechpartner:
Prof. Dr. Werner Scholl, PTB-Fachbereich 1.7 Angewandte Akustik,
Tel.: (0531) 592-1700, E-Mail: werner.scholl@ptb.de

Erika Schow | idw
Weitere Informationen:
http://www.ptb.de
http://www.ptb.de/de/aktuelles/archiv/nachrichten/2010/_gehgeraeusche.htm

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Architektur Bauwesen:

nachricht Die Berge im Wohnzimmer
08.08.2018 | Bau-Fritz GmbH & Co. KG, seit 1896

nachricht Bei der Planung von Gebäuden an die Sommerhitze denken
07.08.2018 | Technische Universität Wien

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Architektur Bauwesen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Farbeffekte durch transparente Nanostrukturen aus dem 3D-Drucker

Neues Design-Tool erstellt automatisch 3D-Druckvorlagen für Nanostrukturen zur Erzeugung benutzerdefinierter Farben | Wissenschaftler präsentieren ihre Ergebnisse diese Woche auf der angesehenen SIGGRAPH-Konferenz

Die meisten Objekte im Alltag sind mit Hilfe von Pigmenten gefärbt, doch dies hat einige Nachteile: Die Farben können verblassen, künstliche Pigmente sind oft...

Im Focus: Color effects from transparent 3D-printed nanostructures

New design tool automatically creates nanostructure 3D-print templates for user-given colors
Scientists present work at prestigious SIGGRAPH conference

Most of the objects we see are colored by pigments, but using pigments has disadvantages: such colors can fade, industrial pigments are often toxic, and...

Im Focus: Eisen und Titan in der Atmosphäre eines Exoplaneten entdeckt

Forschende der Universitäten Bern und Genf haben erstmals in der Atmosphäre eines Exoplaneten Eisen und Titan nachgewiesen. Die Existenz dieser Elemente in Gasform wurde von einem Team um den Berner Astronomen Kevin Heng theoretisch vorausgesagt und konnte nun von Genfern Astronominnen und Astronomen bestätigt werden.

Planeten in anderen Sonnensystemen, sogenannte Exoplaneten, können sehr nah um ihren Stern kreisen. Wenn dieser Stern viel heisser ist als unsere Sonne, dann...

Im Focus: Magnetische Antiteilchen eröffnen neue Horizonte für die Informationstechnologie

Computersimulationen zeigen neues Verhalten von Antiskyrmionen bei zunehmenden elektrischen Strömen

Skyrmionen sind magnetische Nanopartikel, die als vielversprechende Kandidaten für neue Technologien zur Datenspeicherung und Informationsverarbeitung gelten....

Im Focus: Unraveling the nature of 'whistlers' from space in the lab

A new study sheds light on how ultralow frequency radio waves and plasmas interact

Scientists at the University of California, Los Angeles present new research on a curious cosmic phenomenon known as "whistlers" -- very low frequency packets...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

LaserForum 2018 thematisiert die 3D-Fertigung von Komponenten

17.08.2018 | Veranstaltungen

Aktuelles aus der Magnetischen Resonanzspektroskopie

16.08.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Oktober 2018

16.08.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Bionik im Leichtbau

17.08.2018 | Verfahrenstechnologie

Klimafolgenforschung in Hannover: Kleine Pflanzen gegen große Wellen

17.08.2018 | Biowissenschaften Chemie

HAWK-Ingenieurinnen und -Ingenieure entwickeln die leichteste 9to-LKW-Achse ihrer Art

17.08.2018 | Messenachrichten

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics