Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Uni Kassel: Mörtel für das Markttor von Milet

12.03.2002


Das Markttor von Milet, das heute im Berliner Pergamon-Museum zu bewundern ist, hat baugeschichtlich schon allerhand durchgemacht: Im zweiten Jahrhundert nach Christus errichtet, begrüßte es in der Antike die Besucher der Hafenstadt Milet in Kleinasien. Erdbeben, Restaurierungen, Umbauten noch in byzantinischer Zeit und abermals Erdbeben hatten ihm bereits erheblich zugesetzt, ehe es 1903 ausgegraben und im Pergamon-Museum in Berlin wieder aufgebaut wurde. Einen Bombeneinschlag 1945 im Pergamon-Museum und nicht zuletzt verschiedenste Restaurierungen überstand das aus Marmor geschaffene Kunstwerk seither mehr oder weniger gut. Doch das zum Unesco-Weltkulturerbe erklärte Markttor ist in seinem Bestand gefährdet und nur noch durch ein Steinschlagnetz zu besichtigen. Die Kasseler Baustoff-Experten Prof. Dr.-Ing. Michael Schmidt und Dr. Bernhard Middendorf beteiligen sich nun an Voruntersuchungen zur Schadensanalyse, um ein schlüssiges Sanierungskonzept vorlegen zu können. Das Projekt wird finanziert von der Deutschen Bundesumweltstiftung und geleitet vom Göttinger Geologen Prof. Dr. Siegfried Siegesmund, einem national und international anerkannten "Marmor-Spezialisten". Die Kasseler Baustoff-Experten sind auf die Verbindungsstoffe zwischen den Steinen, die Mörtel und Zemente, auf Baustoffe wie Beton und ihre Verbindungen mit Naturstein und anderen Stoffen spezialisiert.

Und die haben es im wahrsten Sinne des Wortes in sich: Denn während der Marmor sich im Laufe der Jahrhunderte wenig verändert, unterliegen die Verbindungsstoffe und Stabilisierungselemente einem zeitlichen und technologischen Wandel, der ebenso sichernde wie verheerende Folgen haben kann. So kann ein falscher Mörtel beispielsweise beim Austrocknen zu sehr schwinden und Risse erzeugen, kann zu viel Wasser aufnehmen und so zum raschen Verrotten umliegender Steinpartien beitragen oder in seiner mineralogisch-chemischen Zusammensetzung so mit einem Naturstein wie Marmor reagieren, dass dieser sich verfärbt. Als das Markttor 1912 in Berlin wieder aufgebaut wurde, waren diese Zusammenhänge wenig bekannt. Moderne high-tec Methoden der Werkstoffprüfung im Labor der Kasseler Baustoffkunde haben zum Ziel, die ursprünglichen Mörtel möglichst genau nachzustellen - ein wichtiger Beitrag zur Erhaltung des Weltkulturerbes.

Wenn die Kasseler Baustoffkundler sich ab April mit dem Aufbau der zerstörungsfreien Messgeräte am Markttor von Milet befassen, um sich ein Bild von der Standfestigkeit des Bauwerkes zu machen, können sie sich nicht allein auf Mörtelreste aus zwei Jahrtausende gefasst machen, die es zu analysieren gilt. Noch entscheidender für die Sicherung des gefährdeten historischen Bauwerks ist, ob die bei früheren Sanierungen ausgebohrten und mit Stahlträgern verstärkten und Mörtel ausgegossenen Marmorteile repariert werden können. Wie ist dabei die Prognose der Lebensdauer? Kann geflickt werden oder müssten die Stahl- und Betonkerne herausgenommen werden- und ginge das überhaupt? Und: Sind vielleicht sogar die noch vorhandenen ausgebohrten Marmorkerne wieder verwendbar?
Die Detektivarbeit zur Abschätzung von Tragfähigkeit, zur Lebensdauer und zur Sanierung muss aber zu guter Letzt noch weitere Aspekte berücksichtigen: Sowohl unter denkmalpflegerischen als auch unter wirtschaftlichem Aspekt müssen Sanierungsvorschläge erarbeitet werden, die umsetzbar sind. Kein leichtes Unterfangen - aber eines, das Schmidt und Middendorf reizt - nicht zuletzt in der Hoffnung, mit ihren wissenschaftlichen Methoden und Kenntnissen den großen Baudenkmälern der Welt weiterhelfen zu können.

... mehr zu:
»Marmor »Mörtel »Pergamon-Museum

uh

Kontakt und weitere Information:
Universität Kassel - Fachgebiet Baustoffkunde
Prof. Dr.-Ing. Michael Schmidt


Dr. Bernhard Middendorf
Tel. (0561)804-2601, -2602, -2603

Ingrid Hildebrand | idw

Weitere Berichte zu: Marmor Mörtel Pergamon-Museum

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Architektur Bauwesen:

nachricht Schleichender Zerfall
22.10.2019 | Empa - Eidgenössische Materialprüfungs- und Forschungsanstalt

nachricht »Switch2Save«: Intelligente Fenster und Glasfassaden durch neuartige Schaltungstechnik
15.10.2019 | Fraunhofer-Institut für Silicatforschung ISC

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Architektur Bauwesen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: New Pitt research finds carbon nanotubes show a love/hate relationship with water

Carbon nanotubes (CNTs) are valuable for a wide variety of applications. Made of graphene sheets rolled into tubes 10,000 times smaller than a human hair, CNTs have an exceptional strength-to-mass ratio and excellent thermal and electrical properties. These features make them ideal for a range of applications, including supercapacitors, interconnects, adhesives, particle trapping and structural color.

New research reveals even more potential for CNTs: as a coating, they can both repel and hold water in place, a useful property for applications like printing,...

Im Focus: Magnetisches Tuning auf der Nanoskala

Magnetische Nanostrukturen maßgeschneidert herzustellen und nanomagnetische Materialeigenschaften gezielt zu beeinflussen, daran arbeiten Physiker des Helmholtz-Zentrums Dresden-Rossendorf (HZDR) gemeinsam mit Kollegen des Leibniz-Instituts für Festkörper- und Werkstoffforschung (IFW) Dresden und der Universität Glasgow. Zum Einsatz kommt ein spezielles Mikroskop am Ionenstrahlzentrum des HZDR, dessen hauchdünner Strahl aus schnellen geladenen Atomen (Ionen) periodisch angeordnete und stabile Nanomagnete in einem Probenmaterial erzeugen kann. Es dient aber auch dazu, die magnetischen Eigenschaften von Kohlenstoff-Nanoröhrchen zu optimieren.

„Materialien im Nanometerbereich magnetisch zu tunen birgt ein großes Potenzial für die Herstellung modernster elektronischer Bauteile. Für unsere magnetischen...

Im Focus: Magnets for the second dimension

If you've ever tried to put several really strong, small cube magnets right next to each other on a magnetic board, you'll know that you just can't do it. What happens is that the magnets always arrange themselves in a column sticking out vertically from the magnetic board. Moreover, it's almost impossible to join several rows of these magnets together to form a flat surface. That's because magnets are dipolar. Equal poles repel each other, with the north pole of one magnet always attaching itself to the south pole of another and vice versa. This explains why they form a column with all the magnets aligned the same way.

Now, scientists at ETH Zurich have managed to create magnetic building blocks in the shape of cubes that - for the first time ever - can be joined together to...

Im Focus: A new quantum data classification protocol brings us nearer to a future 'quantum internet'

The algorithm represents a first step in the automated learning of quantum information networks

Quantum-based communication and computation technologies promise unprecedented applications, such as unconditionally secure communications, ultra-precise...

Im Focus: REANIMA - für ein neues Paradigma der Herzregeneration

Endogene Mechanismen der Geweberegeneration sind ein innovativer Forschungsansatz, um Herzmuskelschäden zu begegnen. Ihnen widmet sich das internationale REANIMA-Projekt, an dem zwölf europäische Forschungszentren beteiligt sind. Das am CNIC (Centro Nacional de Investigaciones Cardiovasculares) in Madrid koordinierte Projekt startet im Januar 2020 und wird von der Europäischen Kommission mit 8 Millionen Euro über fünf Jahre gefördert.

Herz-Kreislauf-Erkrankungen verursachen weltweit die meisten Todesfälle. Herzinsuffizienz ist geradezu eine Epidemie, die neben der persönlichen Belastung mit...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Mediation – Konflikte konstruktiv lösen

12.11.2019 | Veranstaltungen

Hochleistungsmaterialien mit neuen Eigenschaften im Fokus von Partnern aus Wissenschaft und Wirtschaft

11.11.2019 | Veranstaltungen

Weniger Lärm in Innenstädten durch neue Gebäudekonzepte

08.11.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Mehr digitale Prozesse für den Mittelstand

13.11.2019 | Unternehmensmeldung

dormakaba mit 4 Architects' Darling in Gold ausgezeichnet

13.11.2019 | Förderungen Preise

Effiziente Motorenproduktion mit der neuesten Generation des LZH IBK

13.11.2019 | Maschinenbau

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics