Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Bauphysik für bessere Noten: Schulsanierung am Gymnasium Miesbach

26.05.2006
Schulgebäude sollen das Lernen fördern und nicht behindern. Wie können Schulen energetisch, raumklimatisch, akustisch und hygienisch optimal ausgerichtet werden? Das Fraunhofer-Institut für Bauphysik IBP entwickelt dazu einen Leitfaden. Modellhaft wird als erste Schule nun das Gymnasium Miesbach saniert.

Generationen von Schülern leiden darunter: Lärm, stickige Luft, schlechtes Raumklima. Die Gebäudemängel vieler Schulen beeinträchtigen den Unterricht. Kleinste Geräusche verstärken sich derart, dass Schüler abgelenkt werden und die Lehrer schlecht verstehen. Häufig kommt Straßenlärm hinzu, weil die Luft im Klassenzimmer wieder stickig ist, sich die Heizung nicht regulieren lässt und die Fenster geöffnet werden. All dies stört den Unterricht und beeinflusst nachweislich die Aufmerksamkeit und damit die Lernleistung der Schüler. Besser sind bauphysikalisch optimierte Schulgebäude: Doch wegen des Rückgangs der Schülerzahlen und der leeren Haushaltskassen werden kaum noch neue Schulen gebaut. Um den Bestand weiter nutzen zu können, muss er saniert werden. Im Vordergrund steht derzeit meist nur die energetische Sanierung, denn dadurch lässt sich der Primärenergieverbrauch an Schulen deutlich senken. Das IBP geht einen Schritt weiter und entwickelt einen Leitfaden, der beschreibt, wie Schulen energetisch, raumklimatisch, akustisch und hygienisch optimal ausgerichtet werden können.

Modellhaft wird nun das Gymnasium Miesbach saniert. »Dabei geht es nicht nur um Wärmedämmung, Dichtheit der Gebäudehülle sowie Wärme- und Lichterzeugung, sondern ebenso um Charakteristika des Schulbetriebs wie hohe Personendichte, schnelle Raumwechsel, laute Umgebung, jährlich neue Nutzer«, erklärt Prof. Klaus Sedlbauer, Leiter des IBP, den umfassenden Ansatz der Bauphysiker. Die Konzeptionsphase beginnt im Juni 2006 und umfasst ein Volumen von 125 000 Euro. Die Hälfte davon wird als Förderung bei der Deutschen Bundesstiftung Umwelt beantragt, die andere Hälfte, die auf den Landkreis als Schulträger entfällt, wird von der Kreissparkasse Miesbach-Tegernsee zur Verfügung gestellt. Neben der Qualität des Unterrichts hat die bauliche Qualität der Schulräume einen großen Einfluss auf die Lehr- und Lernleistung. Verschiedene Studien zeigen, dass eine optimalen Raumkonditionierung die Lernleistung von Schülern deutlich steigert. Dabei spielen besonders die thermische und akustische Behaglichkeit sowie die empfundene Luftqualität eine wichtige Rolle.

Durch die energetische Sanierung wird der Primärenergieverbrauch des Gebäudes deutlich reduziert. Dabei werden die Energieaufwendungen für Heizzwecke, zur Warmwasserbereitung und zur Lüftung von Gebäuden inklusive der hierzu notwendigen Anlagentechnik untersucht. So wird auch darauf geachtet, dass die Schüler möglichst optimal bei Tageslicht arbeiten können. Das spart Energie und wird angenehmer empfunden als künstliches Licht. Problem ist im Sommer die Abschattung, damit sich die Räume nicht aufheizen. Sie darf nicht dazu führen, dass in den Klassenzimmern das Licht eingeschaltet werden muss. Die Sanierung leistet somit einen Beitrag zum ökologisch wie ökonomisch nachhaltigen Betrieb der Schule.

... mehr zu:
»IBP »Licht »Sanierung »Schule »Schulsanierung

Lärm: Schüler und Lehrer empfinden die akustischen Bedingungen in Unterrichtsräumen sehr unterschiedlich. Die Störungen kommen von lauten Schallquellen (Außen- und Fremdgeräusche), die über mehrere Ausbreitungswege (Außenbauteile, Fenster sowie Trennwände und -decken) hörbar werden und sich mit dem Eigengeräusch (Sprache) überlagern. Da je nach Hör- und Sprachvermögen die Schüler und Lehrer ihr Eigengeräusch instinktiv anheben, kann eine verheerende Lautstärkespirale entstehen. Neue Untersuchungen haben ergeben, dass ein Zusammenhang zwischen der Raumakustik im Klassenraum und dem Verhalten von Schülern besteht. Ideal positionierte Schallabsorber sorgen im sanierten Klassenzimmer für optimale Verständlichkeit und Aufmerksamkeit.

Luftqualität: Einen ebenso starken Einfluss auf die Leistungsfähigkeit von Schülern hat die Luftqualität. Eine erhöhte Kohlendioxidkonzentration führt auf längere Dauer zu Müdigkeit. Doch auch andere Substanzen wie flüchtige organische Verbindungen (VOCs), Staub, Partikel, Allergene, mikrobiologische Verunreinigungen, Stickoxide oder Ozon beinträchtigen die Leistungsfähigkeit oder gar die Gesundheit der Raumnutzer. Zu einer erhöhten Konzentration von VOCs kommt es, wenn emittierende Quellen vorhanden sind und nicht genügend gelüftet wird. Quellen können Bodenbeläge, Teppiche, Farben, Möbel aber auch technische Geräte sein. Staub, Partikel, Allergene, Stickoxide und Ozon kommen über die Außenluft in die Räume, aber auch durch die Raumnutzer selbst. Erhöhte Luftverunreinigungen führen zu schlechterem Abschneiden bei Leistungstests oder gar zu gesundheitlichen Beschwerden.

Projektleiter Dr. Andreas Holm, ehemals Schüler des Gymnasiums Miesbach, ist überzeugt, dass integrale Schulsanierungen auch dazu beitragen können, die Schulleistung deutscher Schüler zu verbessern: »Um einseitigen Sanierungen vorzubeugen, müssen Betreiber, Nutzer, Planer und Behörden als Alternative zu herkömmlichen Sanierungsplänen mit dem Leitfaden zur integralen Weiterentwicklung von Schulgebäuden vertraut gemacht werden. Daraus sind kurzfristige ebenso wie nachhaltige Vorteile allen Beteiligten sofort ersichtlich.« Der Leitfaden beinhaltet neben dem Konzept der integralen Planung, auch Durchführung und anschließende Bewertung der einzelnen Modellvorhaben. Mit dem Gymnasium Miesbach beginnt nun die erste modellhafte Sanierung in Süddeutschland.

Dr.-Ing. Andreas Hagen Holm | Fraunhofer-Gesellschaft
Weitere Informationen:
http://www.ibp.fraunhofer.de

Weitere Berichte zu: IBP Licht Sanierung Schule Schulsanierung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Architektur Bauwesen:

nachricht Die Berge im Wohnzimmer
08.08.2018 | Bau-Fritz GmbH & Co. KG, seit 1896

nachricht Bei der Planung von Gebäuden an die Sommerhitze denken
07.08.2018 | Technische Universität Wien

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Architektur Bauwesen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Die Mischung macht‘s: Jülicher Forscher entwickeln schnellladefähige Festkörperbatterie

Mit Festkörperbatterien sind aktuell große Hoffnungen verbunden. Sie enthalten keine flüssigen Teile, die auslaufen oder in Brand geraten könnten. Aus diesem Grund sind sie unempfindlich gegenüber Hitze und gelten als noch deutlich sicherer, zuverlässiger und langlebiger als herkömmliche Lithium-Ionen-Batterien. Jülicher Wissenschaftler haben nun ein neues Konzept vorgestellt, das zehnmal größere Ströme beim Laden und Entladen erlaubt als in der Fachliteratur bislang beschrieben. Die Verbesserung erzielten sie durch eine „clevere“ Materialwahl. Alle Komponenten wurden aus Phosphatverbindungen gefertigt, die chemisch und mechanisch sehr gut zusammenpassen.

Die geringe Stromstärke gilt als einer der Knackpunkte bei der Entwicklung von Festkörperbatterien. Sie führt dazu, dass die Batterien relativ viel Zeit zum...

Im Focus: It’s All in the Mix: Jülich Researchers are Developing Fast-Charging Solid-State Batteries

There are currently great hopes for solid-state batteries. They contain no liquid parts that could leak or catch fire. For this reason, they do not require cooling and are considered to be much safer, more reliable, and longer lasting than traditional lithium-ion batteries. Jülich scientists have now introduced a new concept that allows currents up to ten times greater during charging and discharging than previously described in the literature. The improvement was achieved by a “clever” choice of materials with a focus on consistently good compatibility. All components were made from phosphate compounds, which are well matched both chemically and mechanically.

The low current is considered one of the biggest hurdles in the development of solid-state batteries. It is the reason why the batteries take a relatively long...

Im Focus: Farbeffekte durch transparente Nanostrukturen aus dem 3D-Drucker

Neues Design-Tool erstellt automatisch 3D-Druckvorlagen für Nanostrukturen zur Erzeugung benutzerdefinierter Farben | Wissenschaftler präsentieren ihre Ergebnisse diese Woche auf der angesehenen SIGGRAPH-Konferenz

Die meisten Objekte im Alltag sind mit Hilfe von Pigmenten gefärbt, doch dies hat einige Nachteile: Die Farben können verblassen, künstliche Pigmente sind oft...

Im Focus: Color effects from transparent 3D-printed nanostructures

New design tool automatically creates nanostructure 3D-print templates for user-given colors
Scientists present work at prestigious SIGGRAPH conference

Most of the objects we see are colored by pigments, but using pigments has disadvantages: such colors can fade, industrial pigments are often toxic, and...

Im Focus: Eisen und Titan in der Atmosphäre eines Exoplaneten entdeckt

Forschende der Universitäten Bern und Genf haben erstmals in der Atmosphäre eines Exoplaneten Eisen und Titan nachgewiesen. Die Existenz dieser Elemente in Gasform wurde von einem Team um den Berner Astronomen Kevin Heng theoretisch vorausgesagt und konnte nun von Genfern Astronominnen und Astronomen bestätigt werden.

Planeten in anderen Sonnensystemen, sogenannte Exoplaneten, können sehr nah um ihren Stern kreisen. Wenn dieser Stern viel heisser ist als unsere Sonne, dann...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

LaserForum 2018 thematisiert die 3D-Fertigung von Komponenten

17.08.2018 | Veranstaltungen

Aktuelles aus der Magnetischen Resonanzspektroskopie

16.08.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Oktober 2018

16.08.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Quantenverschränkung erstmals mit Licht von Quasaren bestätigt

20.08.2018 | Physik Astronomie

1,6 Millionen Euro für den Aufbau einer Forschungsgruppe zu Quantentechnologien

20.08.2018 | Förderungen Preise

IHP-Technologie darf in den Weltraum fliegen

20.08.2018 | Energie und Elektrotechnik

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics