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Neuartige Löschanlagen für den mehrgeschossigen Holzbau

28.08.2001


Versuchsanordnung


Wasssernebelkopf


Auf dem Bausektor werden in zunehmendem Maße Holzwerkstoffe und andere brennbare Bau- und Isolierstoffe eingesetzt. Um das durch den Einsatz dieser Materialien erhöhte Brandrisiko zu kompensieren, ist der Einsatz von Löschanlagen erforderlich. Die Forschungsstelle für Brandschutztechnik an der Universität Karlsruhe hat überprüft, inwiefern hier ortsfeste Niederdruck-Wassernebellöschanlagen (N-WLA) eingesetzt werden können. Das Forschungsprojekt wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Rahmen des Förderschwerpunkts "Integrierter Umweltschutz im Bereich der Holzwirtschaft" gefördert.

Nach der neuen Musterbauordnung werden Gebäude bis 13 Meter Höhe mit bis zu fünf Stockwerken in Holzbauweise möglich sein. Für den Brandschutz sind hier Lösungen notwendig, die Fest- und Flüssigstoffbrände bereits in der Entstehungsphase mit minimalem Löschwassereinsatz bekämpfen und so Personen- und Sachschäden verhindern. Im Rahmen des Forschungsvorhabens wurden durch theoretische und experimentelle Untersuchungen Auslegungsgrundlagen für den Einsatz ortsfester N-WLA in derartigen Gebäuden geschaffen.

Diese Löschanlagen können aufgrund ihres minimalen Betriebsdrucks von nur vier bar bei ausreichender Wasserversorgung auch kostengünstig an die Hauswasserleitung angeschlossen werden. Im Gegensatz zu Mittel- und Hochdruck-Wassernebellöschanlagen stellen sie zudem keine besonderen Anforderungen an die Wasseraufbereitung und Anlagentechnik.

Die Brandversuche wurden in einem vierstöckigen Versuchsholzgebäude mit Brandraum und daran anschließendem Treppenraum durchgeführt. Bei frühzeitiger Auslösung der N-WLA durch Brandmelder oder schnelle thermische Auslöseelemente konnte die Brandausbreitung selbst bei offenen Türen beziehungsweise Fenstern auf den Zündbereich im Brandraum begrenzt werden. Selbst flüssige Brandstoffe - beispielsweise eine Bratpfanne mit brennendem Pflanzenöl - wurden ohne Zusätze zum Löschwasser gelöscht. So konnte ein Vollbrand und damit Personen-, Sach- und Löschwasserschäden verhindert werden. Gerade die bei Brandschadenermittlungen festgestellten Schäden entstehen nicht nur durch die direkte Brandbeanspruchung, sondern of besonders durch die Löschwassereinwirkung.

Aus den Versuchsergebnissen konnten folgende Schlussfolgerungen abgeleitet werden: Weder tragende Wände noch Decken oder der Treppenraum des Versuchsgebäudes werden gefährdet. Damit ergibt sich keine Gefährdung durch herabfallende Glasteile. Ein Feuerüberschlag in darüber liegende Stockwerke findet nicht statt. Da die Brandentwicklung frühzeitig unterbrochen wird, bleiben Brandschäden an Installationswänden, normalentflammbaren Dämmstoffen und Einrichtungsgegenständen sowie die Kontamination der Wandinnenseiten und der Decken durch Ruß und Brandgase gering. Dadurch wird auch die Gefährdung von Personen durch Brandgase und Sauerstoffmangel bedeutend verringert.

N-WLA können in allen mehrgeschossigen Holzbauten öffentlicher und privater Bauherren installiert werden. Einsatzgebiete ergeben sich überall dort, wo aus architektonischen Gründen Tragwerke aus Holz sichtbar bleiben, wie Wintergärten, Holzbalken- oder Brettstapeldecken, oder wo ganze Flächen mit Holz oder Holzfassaden gestaltet werden, beispielsweise bei Holz-Glas-Fassaden oder Innenraumverkleidungen. Darüber hinaus sind N-WLA auch für die nachträgliche Montage in denkmalgeschützten Holzbauten und -tragwerken geeignet, bei denen aus Gründen des Denkmalschutzes feuerhemmende Verkleidungen der Bauteile nicht in Frage kommen.

Im Rahmen des Förderschwerpunkts "Integrierter Umweltschutz im Bereich der Holzwirtschaft" fördert das BMBF Forschungsarbeiten in den Bereichen Holzwerkstoffherstellung, Holzbau, Sägewerke, Holzvergütung und Klebetechnik. So sollen die umweltgerechten Anwendungsmöglichkeiten des nachwachsenden Rohstoffs Holz aufgezeigt und genutzt werden. Über dieses und weitere Projekte innerhalb des Förderschwerpunkts informiert die Website www.holz-und-umwelt.de, die im Rahmen des projektbegleitenden Wissens- und Technologietransfers durch die Deutsche Gesellschaft für Holzforschung erstellt und gepflegt wird. Dort sind auch die Adressen und Ansprechpartner der jeweiligen Zuwendungsempfänger beziehungsweise Projektbearbeiter zur Kontaktaufnahme sowie umfangreiche Links zu Forschungsinstituten und Unternehmen abrufbar.

Doris Pischitz | idw
Weitere Informationen:
http://www.holz-und-umwelt.de/

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