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Ist Abriss die beste Alternative bei städtischen Problemgebieten?

27.08.2001


Studenten der Technischen Universität Dresden erforschen mit amerikanischen Kommilitonen Ansätze der Stadterneuerung in Dresdens amerikanischer Partnerstadt Columbus.

Städte sind permanenten Veränderungsprozessen unterworfen. Dabei gibt es Gewinner und Verlierer. Neue, glitzernde Einkaufsmeilen sind ein Kennzeichen der Gebiete, die zu den Gewinnern zählen. Industriebrachen, Bevölkerungsrückgang, verfallende Gebäude und Wohnungsleerstand sind Zeichen der Verlierer. Die Frage, welche Ansätze es in amerikanischen Städten gibt, um den Menschen in Problemgebieten wieder Hoffnung zu machen, steht derzeit im Mittelpunkt des Interesses einer elfköpfigen Studentengruppe der TU Dresden. Die Gruppe unter der Leitung von Professor Bernhard Müller vom Lehrstuhl für Raumentwicklung und Dr. Thorsten Wiechmann vom Institut für ökologische Raumentwicklung hält sich derzeit in Dresdens Partnerstadt Columbus auf, um Ansätze der Stadterneuerung zu erforschen.

Im Rahmen eines Kooperationsprogramms des Raumwissenschaftlichen Kompetenzzentrums der Technischen Universität Dresden und der Ohio State University untersuchen Studenten der Geographie, der Kartographie, der Landschaftsarchitektur und der Verkehrswissenschaften zusammen mit ihren Kommilitonen aus Columbus und mit Unterstützung der Stadt Columbus sechs Beispiele amerikanischer Stadterneuerung. Die Entwicklung von Wohngebieten aber auch die Wiedernutzung von Industriebrachen und die Revitalisierung des Einzelhandels stehen auf dem Programm der Gruppe.

"In vielen Fällen sind Abriss und Neubau die einzige Alternative, um einen grundlegenden Umschwung in städtischen Problemgebieten zu ermöglichen" - so erläutert Frau Professor Hazel Morrow-Jones, in Columbus für die Durchführung des Projekts verantwortlich, die amerikanische Situation. "Dabei spielen wirtschaftliche Gesichtspunkte immer eine wichtige, wenn nicht sogar die entscheidende Rolle. Wenn sich ein Projekt für einen Investor nicht rechnet, dann engagiert er sich nicht. Und Abriss rechnet sich bei uns meist eher als Sanierung."

Allerdings gibt es gerade in Columbus aber auch hervorragende Ansätze einer behutsameren Stadtentwicklung. German Village, das frühere Wohngebiet deutscher Einwanderer, wurde bereits in den sechziger Jahren durch eine rein private Initiative seiner Bewohner, die erste dieser Art in den Vereinigten Staaten überhaupt, vor dem Bagger gerettet. Heute ist das "deutsche Dorf" ein beliebtes Wohngebiet, allerdings mit dem Nachteil, dass sich hier oft nur Wohlhabende eine Wohnung leisten können. "Neuere Ansätze der Stadterneuerung sollten auf eine ausgewogenere Bewohnerstruktur abzielen. Eine Balance herzustellen zwischen unterschiedlichen Gruppen und Interessen, darin besteht eine wichtige Aufgabe der Entwicklung in städtischen Problemgebieten" - meint Albrecht Malcharek, Geographiestudent aus Dresden.

Dass es eine Vielzahl von Möglichkeiten gibt, um dies zu erreichen, demonstrierten die Studenten jetzt bei einem Workshop mit Vertretern der Stadtverwaltung und von Bewohnerinitiativen, bei dem sie die Ergebnisse ihrer zweiwöchigen Arbeit vorstellten. "Die Zusammenarbeit und die Organisation der Bewohner sind Schlüsselfaktoren bei der Erneuerung von Wohngebieten. Die Ausgrenzung von Minderheiten oder von Armen beschleunigt nur den weiteren Niedergang von Problemgebieten. Quartiersmanagement, wie wir es auch in Dresden sehen konnten, ist enorm wichtig" sagt Sarah Starkweather, die auf amerikanischer Seite an dem Projekt mitarbeitet. "In Columbus kann man allerdings lernen, wie stark und wie erfolgreich sich soziale Organisationen bei der Stadtentwicklung engagieren. Da könnte bei uns mehr getan werden" ergänzt ihr deutscher Kommilitone.

Das Kooperationsprogramm zwischen der TU Dresden und der Ohio State University läuft bereits seit 5 Jahren. Es wird in Zusammenarbeit mit den Stadtverwaltungen der Partnerstädte durchgeführt und von der Kulturstiftung Dresden der Dresdner Bank sowie der Huntington Bank aus Columbus finanziell gefördert. Dem Besuch vorangegangen waren ein Seminar mit mehreren Videokonferenzen und ein Besuch der Amerikaner in Dresden.

Jörg Rathmann | idw

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