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Einer schwitzt und friert für alle

06.06.2001



Die »gefühlte Temperatur« ist aus den Angaben des Deutschen Wetterdienstes weitgehend verschwunden. Das »Klima-Michel-Modell« versuchte vor einigen Jahren zu ermitteln, wie sich Lufttemperatur, Feuchte, Windgeschwindigkeit und Sonneneinstrahlung auf das Wohlbefinden der Bürger auswirken. Die Musterpuppe bekam eine Normbekleidung verpasst, simulierte genormte Bewegungen und doch hat sie sich aus der Öffentlichkeit zurückgezogen - so einfach ist der deutsche Michel wohl nicht zu normen. Als Dressman hingegen hat er überlebt und schwitzt und friert für die Forschung. Hier testet er Heizungen und Klimaanlagen für Gebäude und Autos, Bekleidung und Schlafsäcke oder er sitzt im Flugzeug.

Am Fraunhofer-Institut für Bauphysik IBP wurde DRESSMAN entwickelt und er heißt mit vollem Namen »Dummy representing suit for simulation of human heatloss«. Sein Chef von der Abteilung Raumklima heißt Dr. Erhard Mayer und er erläutert, womit er DRESSMAN beschäftigt: »Mein Mitarbeiter sitzt in verschiedensten Umgebungen. Er trägt einen Overall, an dem bis zu 32 künstliche Häute flexibel mit Klettverbindungen befestigt werden können. Diese streichholzschachtelgroßen Sensoren werden mit Wärmeleistungen beheizt, wie sie für die menschliche Haut typisch sind. Je nach den mikroklimatischen Bedingungen stellt sich an der Oberfläche jeder Kunsthaut eine bestimmte Temperatur ein.« Stumm ist DRESSMAN nicht, denn die Sensoren funken ihre Daten drahtlos zum Computer. Hier wird beispielsweise herausgefunden, ob es an den Füßen zieht oder ob es in der Gesichtshälfte, die der Autoscheibe zugewandt ist, unerträglich warm wird. Woher der Computer das weiß? Er kennt die gemittelten subjektiven Aussagen zwischen »unangenehm warm« und »unangenehm kalt« von lebenden Personen, die mit den verschiedenen Situationen konfrontiert wurden und ebenfalls Kunsthäute trugen.

Die hautähnlichen Sensoren sollen in einer vereinfachten Version als preiswerte Einzelfühler bald serienreif sein. Sie erfassen alle Größen, die das Raumklima bestimmen, gleichzeitig. Damit lassen sich dann Regelungen von Kühl- und Heizanlagen optimieren. Dressman findet bei Ausrüstern von Gebäuden und Fahrzeugen zunehmend Anklang, um die thermische Behaglichkeit ihrer Produkte zu beurteilen. So erspart DRESSMAN den menschlichen Konsumenten, den wahren Wert der gefühlten Temperatur beurteilen zu müssen.

Dr. Erhard Mayer | Mediendienst

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