Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Stahlintarsien in Beton

01.04.2008
Volker Schmid forscht zu dem Thema der hybriden Bauweise. Sie ermöglicht den Ingenieuren und Architekten eine neue Formensprache

Sei es das Paul-Klee-Zentrum in Bern des Architekten Renzo Piano, das schottische Parlament in Edinburgh von Henrique Mirailles oder das Haus für Musik und Musiktheater in Graz - bei all diesen anspruchsvollen Projekten leitete Volker Schmid die Planung der Tragwerke. Und auch bei den überdimensionalen Fußballschuhen, aufgestellt zwischen Kanzleramt und Berliner Hauptbahnhof zur Fußball-Weltmeisterschaft 2006, hatte Volker Schmid die Hände im Spiel.

So unterschiedlich diese Bauwerke und Skulpturen sein mögen, ihnen ist gemeinsam, dass es sogenannte Hybridkonstruktionen sind, Konstruktio-nen, bei denen unterschiedliche Materialien miteinander verbunden werden. Beim Paul-Klee-Zentrum zum Beispiel, einem Museumsneubau, wurden wellenförmige Stahlträger auf raffinierte Weise mit Glas und Holz kombiniert. Bei den Fußballschuhen wurde nach dem Sandwichprinzip ein Schaumstoffkern mit Deckschichten aus glasfaserverstärktem Kunststoff verbunden.

"Jedes Material hat besondere Eigenschaften und ist deshalb für bestimmte Aufgaben mehr oder weniger gut geeignet", sagt Schmid, der als neuberufener Professor an der TU Berlin das Fachgebiet "Entwerfen und Konstruieren - Verbundstrukturen" leitet und zuvor in London beim international renommierten Ingenieurbüro "Arup" zu dem Thema der hybriden Bauweise forschte. Die Kombination von verschiedensten Materialien ermöglicht es, so zu bauen, dass die Werkstoffe entsprechend ihren Eigenschaften optimal eingesetzt werden. Bauten nur aus Stahl oder Beton gehören der Vergangenheit an.

"Die intelligente Kombination unterschiedlicher Werkstoffe zu hybriden Tragwerken führt zu neuen, hocheffizienten Strukturen und einer neuen Formensprache", sagt Volker Schmid. Diese widerspiegelt sich zum Bei-spiel an der Mensa der Universität in Karlsruhe. Hier wurde das Tragwerk aus Holz mit Polyurethan bestrichen, einer gummiartigen wasserabweisenden Schicht, wie sie zur Abdichtung von Betonbrücken verwendet wird. "Holz und Polyurethan sind so noch nie zusammen verwendet worden. Es entstand im Holzbau eine völlig neue Form", sagt Schmid.

An die Grenzen des bisher Machbaren ist der Bauingenieur auch bei der Konstruktion des Tragwerkes für das "Metropol Parasol" in Sevilla gegangen. Das Bauwerk ist eine Beschattungskonstruktion für einen Platz im Zentrum der Stadt und besteht aus sechs circa 27 Meter hohen Sonnenschirmen; entworfen von dem Berliner Architekten Jürgen Mayer H. Zwei der sechs Stämme sind aus Beton, das geplante Restaurant in 20 Meter Höhe wird von Stahlstreben getragen, und die Schirme selbst sind aus Holz. Für die Verbindungen in der kühnen wabenartigen Holzkonstruktion der Schirme kommt das in der Betonbauweise gängige Vorspannprinzip zum Einsatz. Ein Novum. Auch bei der Verbindung zwischen Beton und Stahl probiert Volker Schmid eine neue Methode aus, die sich der Laie als eine Art Stahlintarsie in Beton vorstellen kann. Schmid: "Die große Herausforderung der hybriden Bauweise besteht darin, die unterschiedlichen Werkstoffe materialgerecht miteinander zu verbinden." Das wird ein Schwerpunkt seiner Forschung sein.

Weitere Informationen erteilt Ihnen gern: Prof. Dr.-Ing. Volker Schmid, Institut für Bauingenieurwesen der TU Berlin, Fachgebiet "Entwerfen und Konstruieren von Verbundstrukturen", Gustav-Meyer-Allee 25, 13355 Berlin, Tel.: 030/314-72162, Fax: 030/314-72160,

E-Mail: ek-verbundstrukturen@tu-berlin.de

Dr. Kristina R. Zerges | idw
Weitere Informationen:
http://www.tu-berlin.de/?id=30757
http://www.ek-verbundstrukturen.tu-berlin.de/
http://www.pressestelle.tu-berlin.de/medieninformationen/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Architektur Bauwesen:

nachricht Warum quillt und reisst Beton?
05.10.2018 | Empa - Eidgenössische Materialprüfungs- und Forschungsanstalt

nachricht Bauen mit Textilbeton aus nachwachsenden Rohstoffen
01.10.2018 | Fraunhofer-Institut für Holzforschung - Wilhelm-Klauditz-Institut

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Architektur Bauwesen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Auf dem Weg zu maßgeschneiderten Naturstoffen

Biotechnologen entschlüsseln Struktur und Funktion von Docking Domänen bei der Biosynthese von Peptid-Wirkstoffen

Mikroorganismen bauen Naturstoffe oft wie am Fließband zusammen. Dabei spielen bestimmte Enzyme, die nicht-ribosomalen Peptid Synthetasen (NRPS), eine...

Im Focus: Größter Galaxien-Proto-Superhaufen entdeckt

Astronomen enttarnen mit dem ESO Very Large Telescope einen kosmischen Titanen, der im frühen Universum lauert

Ein Team von Astronomen unter der Leitung von Olga Cucciati vom Istituto Nazionale di Astrofisica (INAF) Bologna hat mit dem VIMOS-Instrument am Very Large...

Im Focus: Auf Wiedersehen, Silizium? Auf dem Weg zu neuen Materalien für die Elektronik

Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Polymerforschung (MPI-P) in Mainz haben zusammen mit Wissenschaftlern aus Dresden, Leipzig, Sofia (Bulgarien) und Madrid (Spanien) ein neues, metall-organisches Material entwickelt, welches ähnliche Eigenschaften wie kristallines Silizium aufweist. Das mit einfachen Mitteln bei Raumtemperatur herstellbare Material könnte in Zukunft als Ersatz für konventionelle nicht-organische Materialien dienen, die in der Optoelektronik genutzt werden.

Bei der Herstellung von elektronischen Komponenten wie Solarzellen, LEDs oder Computerchips wird heutzutage vorrangig Silizium eingesetzt. Für diese...

Im Focus: Goodbye, silicon? On the way to new electronic materials with metal-organic networks

Scientists at the Max Planck Institute for Polymer Research (MPI-P) in Mainz (Germany) together with scientists from Dresden, Leipzig, Sofia (Bulgaria) and Madrid (Spain) have now developed and characterized a novel, metal-organic material which displays electrical properties mimicking those of highly crystalline silicon. The material which can easily be fabricated at room temperature could serve as a replacement for expensive conventional inorganic materials used in optoelectronics.

Silicon, a so called semiconductor, is currently widely employed for the development of components such as solar cells, LEDs or computer chips. High purity...

Im Focus: Blauer Phosphor – jetzt erstmals vermessen und kartiert

Die Existenz von „Blauem“ Phosphor war bis vor kurzem reine Theorie: Nun konnte ein HZB-Team erstmals Proben aus blauem Phosphor an BESSY II untersuchen und über ihre elektronische Bandstruktur bestätigen, dass es sich dabei tatsächlich um diese exotische Phosphor-Modifikation handelt. Blauer Phosphor ist ein interessanter Kandidat für neue optoelektronische Bauelemente.

Das Element Phosphor tritt in vielerlei Gestalt auf und wechselt mit jeder neuen Modifikation auch den Katalog seiner Eigenschaften. Bisher bekannt waren...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Natürlich intelligent

19.10.2018 | Veranstaltungen

Rettungsdienst und Feuerwehr - Beschaffung von Rettungsdienstfahrzeugen, -Geräten und -Material

18.10.2018 | Veranstaltungen

11. Jenaer Lasertagung

16.10.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Ultraleichte und belastbare HighEnd-Kunststoffe ermöglichen den energieeffizienten Verkehr

19.10.2018 | Materialwissenschaften

IMMUNOQUANT: Bessere Krebstherapien als Ziel

19.10.2018 | Biowissenschaften Chemie

Raum für Bildung: Physik völlig schwerelos

19.10.2018 | Bildung Wissenschaft

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics