Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Eine hybride Lüftungstechnik soll für mehr Behaglichkeit und gute Luft in den Schulen sorgen

28.01.2008
Klassenräume werden heutzutage hauptsächlich über das Öffnen der Fenster mit frischer Luft versorgt. Wenn jedoch nicht regelmäßig gelüftet wird, kann der Kohlendioxidgehalt durch die Atmung im Laufe einer Unterrichtsstunde mitunter auf 7000 ppm ansteigen (Mit der Maßeinheit ppm -Teil pro Million- werden Konzentrationen angegeben wie zum Beispiel die von Kohlendioxid in der Luft.).

Der zulässige Grenzwert liegt bei 1000 ppm. "Bei über 2000 ppm leidet bereits die Konzentrationsfähigkeit von Kindern, wenngleich diese Überschreitung nicht gesundheitsgefährdend ist", sagt Dr. Olaf Zeidler, Experte für Heiz- und Raumlufttechnik am Hermann-Rietschel-Institut der TU Berlin und ergänzt: "Wenn Schulen konzipiert und gebaut werden, wird dem Problem einer guten Raumbelüftung der Klassenräume bisher leider kaum Beachtung geschenkt."

Das soll sich nun ändern. Olaf Zeidler und sein Team forschen zurzeit an der Entwicklung eines Systems, mit dem die Fensterlüftung und die mechanische Lüftung gekoppelt werden. "Über dieses System sollen Fenster und die mechanische Lüftung miteinander Daten austauschen, also quasi miteinander kommunizieren", erklärt Olaf Zeidler. "Im Ergebnis dieses Datenaustauschs soll das System dann entscheiden, ob es zum gegenwärtigen Zeitpunkt angemessener ist, den Klassenraum über angekippte Fenster zu lüften oder über das mechanische Lüftungssystem mit frischer Luft zu versorgen." Bei moderaten frühlingshaften Temperaturen werde es nicht notwendig sein, für bessere Luft im Klassenraum die Klimaanlage in Gang zu setzen, bei 35 Grad Celsius im Schatten oder Null Grad Celsius im Winter hingegen nütze den Schülern die Lüftung des Raumes über die Fenster wenig, so Zeidler. Zudem soll die Anlage im Winter als Heizung dienen, um ineffizientes Heizen bei gleichzeitigem Lüften über geöffnete Fenster zu vermeiden.

"Thermische Behaglichkeit und gute Luftqualität in Schulgebäuden durch hybride Lüftungstechnik" heißt das Projekt, das am Hermann-Rietschel-Institut der TU Berlin koordiniert wird und an dem unter anderem auch das Fachgebiet "Konstruktives Entwerfen und klimagerechtes Bauen" unter Leitung von TU-Professor Rainer Hascher sowie die RWTH Aachen beteiligt sind. Gefördert wird es vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie mit 880 000 Euro.

Die Zufuhr der frischen Luft wird auf dem Quellluftprinzip beruhen: Frische Luft wird von unten in den Raum zugeführt, wodurch sich am Boden eine sogenannte Zuluftschicht bildet, da diese einströmende Zuluft etwas kälter ist als die im Raum befindliche Luft. Die im Raum befindlichen "Wärmequellen" wie zum Beispiel Schüler, Projektor oder andere Gegenstände erwärmen die Luft. An diesen "Wärmequellen" steigt die Zuluft langsam nach oben und wird als verbrauchte Luft wieder abgeführt.

In den Forschungslaboren am Hermann-Rietschel-Institut der TU Berlin laufen die Untersuchungen derzeit auf Hochtouren. Parallel arbeitet das Team um Rainer Hascher an der architektonischen Integration der Technik in die Fassade. Denn bereits im Sommer soll ein Klassenraum an einer Berliner Berufsschule mit diesem hybriden Lüftungssystem ausgestattet werden. Ein Jahr lang werden sowohl die Daten in dem Versuchsraum als auch die Daten aus einem Vergleichsklassenraum ohne hybride Lüftungstechnik protokolliert und ausgewertet, um zu Aussagen über die Raumluftzustände zu gelangen. "Ziel ist es herauszufinden, inwiefern mit einer solchen hybriden Lüftungstechnik die thermische Behaglichkeit und Luftqualität in einem Klassenraum entscheidend verbessert werden kann", so Olaf Zeidler.

Forschungen zu der Problematik der Raumluftzustände finden am Hermann-Rietschel-Institut der TU Berlin auch an Flugzeugen und Autos statt. So wird derzeit zusammen mit Airbus in einer nachgebauten Flugzeugkabine untersucht, wie jenseits des herkömmlichen Prinzips Flugzeuge zukünftig besser klimatisiert werden können. Das Hermann-Rietschel-Institut der TU Berlin, 1885 gegründet, ist weltweit das erste Institut für Heizungs- und Lüftungstechnik.

Weitere Informationen erteilt Ihnen gern: Dr. Olaf Zeidler, Hermann-Rietschel-Institut, Fachgebiet Heiz- und Raumlufttechnik, Marchstraße 4, 10587 Berlin, Tel.: 030/314-7 94 58, Fax: 030/314-2 11 41, E-Mail: olaf.zeidler@tu-berlin.de

Hinweis: Dieser Beitrag ist das "Thema der Woche" - EIN-Blicke für Journalisten - im TUB-newsportal. Sie finden dort neben dem Beitrag einen Expertendienst sowie weiterführende Links:

www.pressestelle.tu-berlin.de/newsportal

Dr. Kristina R. Zerges | idw
Weitere Informationen:
http://www.pressestelle.tu-berlin.de/newsportal
http://www.pressestelle.tu-berlin.de/medieninformationen/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Architektur Bauwesen:

nachricht memory-steel – ein neues Material zur Verstärkung von Bauwerken
23.10.2018 | Empa - Eidgenössische Materialprüfungs- und Forschungsanstalt

nachricht Warum quillt und reisst Beton?
05.10.2018 | Empa - Eidgenössische Materialprüfungs- und Forschungsanstalt

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Architektur Bauwesen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: memory-steel – ein neues Material zur Verstärkung von Bauwerken

Ein neues, an der Empa entwickeltes Baumaterial steht kurz vor der Markteinführung: Mit «memory-steel» lassen sich nicht nur neue, sondern auch bestehende Betonstrukturen verstärken. Erhitzt man das Material (einmalig), spannt es sich wie von selber vor. Das Empa-Spin-off re-fer AG präsentiert das Material mit Formgedächtnis nun in einer Vortragsreihe.

Bislang wurden die Stahl-Armierungen in Betonbauwerken meist hydraulisch vorgespannt. Dazu sind Hüllrohre für die Führung der Spannkabel, Anker zur...

Im Focus: memory-steel - a new material for the strengthening of buildings

A new building material developed at Empa is about to be launched on the market: "memory-steel" can not only be used to reinforce new, but also existing concrete structures. When the material is heated (one-time), prestressing occurs automatically. The Empa spin-off re-fer AG is now presenting the material with shape memory in a series of lectures.

So far, the steel reinforcements in concrete structures are mostly prestressed hydraulically. This re-quires ducts for guiding the tension cables, anchors for...

Im Focus: Mit Gravitationswellen die Dunkle Materie ausleuchten

Schwarze Löcher stossen zusammen, Gravitationswellen breiten sich durch die Raumzeit aus - und ein riesiges Messgerät ermöglicht es, die Struktur des Universums zu erkunden. Dies könnte bald Realität werden, wenn die Raumantenne LISA ihren Betrieb aufnimmt. UZH-Forschende zeigen nun, dass LISA auch Aufschluss über die schwer fassbaren Partikel der Dunklen Materie geben könnte.

Dank der Laserinterferometer-Raumantenne (LISA) können Astrophysiker Gravitationswellen beobachten, die von Schwarzen Löchern ausgesendet werden. Diese...

Im Focus: Auf dem Weg zu maßgeschneiderten Naturstoffen

Biotechnologen entschlüsseln Struktur und Funktion von Docking Domänen bei der Biosynthese von Peptid-Wirkstoffen

Mikroorganismen bauen Naturstoffe oft wie am Fließband zusammen. Dabei spielen bestimmte Enzyme, die nicht-ribosomalen Peptid Synthetasen (NRPS), eine...

Im Focus: Größter Galaxien-Proto-Superhaufen entdeckt

Astronomen enttarnen mit dem ESO Very Large Telescope einen kosmischen Titanen, der im frühen Universum lauert

Ein Team von Astronomen unter der Leitung von Olga Cucciati vom Istituto Nazionale di Astrofisica (INAF) Bologna hat mit dem VIMOS-Instrument am Very Large...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Lehren und Lernen mit digitalen Medien im Fokus

22.10.2018 | Veranstaltungen

Natürlich intelligent

19.10.2018 | Veranstaltungen

Rettungsdienst und Feuerwehr - Beschaffung von Rettungsdienstfahrzeugen, -Geräten und -Material

18.10.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer FIT auf der MEDICA & COMPAMED: Von Elektrobenetzung bis Telemedizin

23.10.2018 | Messenachrichten

memory-steel – ein neues Material zur Verstärkung von Bauwerken

23.10.2018 | Architektur Bauwesen

Quantenkommunikation auf Glasfaserbasis - Interferenz mit Lichtquanten unabhängiger Quellen

23.10.2018 | Informationstechnologie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics