Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wo der Wurm die Nase rümpft – Bekämpfung schädlicher Fadenwürmer auf dem Acker mit Senf und Rettich

03.05.2010
Wissenschaftler des Julius Kühn-Instituts präsentieren Ergebnisse zur Bekämpfung von Schadnematoden im Gemüsebau mit neuer Methode, der so genannten Biofumigation, bei der Pflanzen mit hohem Glucosinolatgehalt als Zwischenfrucht angebaut, zerkleinert und in den Boden eingearbeitet werden

Senf und Rettich treiben uns beim Verzehr Tränen in die Augen. Schuld sind so genannte Senfölglykoside. Diese Pflanzenstoffe, die für stechenden Geruch und bitteren Geschmack zuständig sind, treiben auch schädliche Fadenwürmer in die Flucht.

Dass man Senf- und Ölrettichpflanzen nutzen kann, um mit Fadenwürmern befallene Felder zu sanieren, ist in den vergangenen drei Jahren unter Federführung des Julius Kühn-Instituts (JKI), dem Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen in Münster untersucht worden.

„Die so genannte Biofumigation ist ein junges Verfahren, das in Südeuropa, Australien und den USA bereits erfolgreich zur Bekämpfung pflanzenparasitärer Nematoden eingesetzt wird“, berichtet Dr. Johannes Hallmann vom JKI. „Wir wollten herausfinden, ob das Verfahren auch unter unseren gemäßigten Klimabedingungen und in hiesigen Anbausystemen dem hohen Erwartungsdruck standhält“, so der JKI-Wissenschaftler.

Bei der Biofumigation werden verschiedene Senfarten, Ölrettich und andere Kohlarten mit hohen Glucosinolatgehalten als Zwischenfrucht auf den betroffenen Ackerflächen angebaut. Zur Blüte, wenn die Glucosinolatgehalte am höchsten sind, werden die Pflanzen zerkleinert und in den Boden eingearbeitet. Durch eine enzymgesteuerte Reaktion entstehen im Boden eben jene Stoffe (Isothiocyanate), die die Fadenwürmer, Nematoden genannt, abtöten.

Aber welche Pflanzen sind die besten? Zu welchem Zeitpunkt soll man sie aussäen, wann zerkleinern? Welche Temperaturen oder Bodenfeuchte begünstigen die Bildung der „Fadenwurm-Killer-Stoffe“? Welche Arten der Fadenwürmer lassen sich überhaupt damit bekämpfen? Diese Fragen mussten geklärt werden. Dazu hatten sich Wissenschaftler aus dem Julius Kühn-Institut, dem Institut für Gemüse- und Zierpflanzenbau in Großbeeren sowie der P. H. Petersen Saatzucht GmbH zusammengefunden. Gemeinsam mit dem Ökoring Niedersachsen und Praxisbetrieben (u.a. Ahlden/Aller und Hassel/Weser) wurden die Untersuchungen durchgeführt. Die Forschungsmittel stammten aus dem Programm zur Innovationsförderung des Bundeslandwirtschaftsministeriums (BMELV). Projektträger war die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE). Die Ergebnisse, die diese Woche am 5. Mai in Bonn vorgestellt werden, interessieren ökologisch und konventionell wirtschaftende Betriebe gleichermaßen. Denn gegen Nematoden sind keine Pflanzenschutzmittel zugelassen.

„Landwirte, die mit Nematoden zu kämpfen haben, sind ohnehin gewöhnt, dass nur ein langfristiges Anbaumanagement zum Erfolg führt“, erklärt Dr. Hallmann. Unter Management versteht man spezielle Fruchtfolgen aus Kulturpflanze, Zwischenfrüchten und Fangpflanzen bzw. Brache. „Die Biofumigation wird nun künftig den Maßnahmenkatalog bereichern“, so der Nematologe aus Münster.

Zwei der wirtschaftlich bedeutenden Fadenwürmer, der Wurzelgallennematode Meloidogyne hapla und der Wurzelläsionsnematode Pratylenchus penetrans starben im Labor bei Konzentrationen von 0,01 Mykromol Allylisothiocyanat (Bildung aus Sinigrin in Sareptasenf). „Diese Konzentration lassen sich auch auf dem Feld erzielen“, nennt der JKI-Wissenschaftler ein Ergebnis. Für eine gute Wirkung sind zudem Bodentemperaturen um 20°C und eine hohe Bodenfeuchte optimal. Ersteres lässt sich durch Anbau der Biofumigations-Pflanzenart nach einer früh zu erntenden Vorfrucht (zum Beispiel Frühkohl, Brokkoli, Frühkartoffeln, Erbsen) erreichen, so dass die Pflanzen spätestens Anfang/Mitte September umgebrochen werden können. Die Bodenfeuchte lässt sich durch eine nachfolgende Beregnung regulieren und eine Bedeckung mit Folie kann die Wirkungssicherheit der Biofumigation erhöhen, ist aber nicht zwingend erforderlich und auf großen Flächen zudem wenig praktikabel.

In den Jahren 2007 bis 2009 wurde die Wirkung unterschiedlicher Biofumigations-Varianten sowie die Praktikabilität des Verfahrens in vier Praxisbetrieben getestet. Darunter waren zwei Versuche auf ökologisch bewirtschafteten Flächen, die zusammen mit dem Ökoring Niedersachsen (Lüneburger Heide) betreut wurden. In den Feldversuchen wurden Sorten von Ölrettich, Weißer Senf und Sareptasenf mit hohen Glucosinolatgehalten eingesetzt.

Weitere detaillierte Ergebnisse werden die 80 Teilnehmer des Fachgesprächs „Biofumigation als Pflanzenschutzverfahren: Chancen und Grenzen“ austauschen. Es findet am 5. Mai im Tagungsraum der LWK Nordrhein-Westfalen , Siebengebirgsstraße 200 in 53229 Bonn statt.

Wissenschaftlicher Ansprechpartner:
PD Dr. Johannes Hallmann
Julius Kühn-Institut - Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen
Institut für Epidemiologie und Pathogendiagnostik
Toppheideweg 88 ,48161 Münster
Tel.: 0251 87106-25
E-Mail: johannes.hallmann@jki.bund.de
Hintergrundinfos zu Nematoden:
Pratylenchus penetrans hat mehr als 350 Wirtspflanzen an denen er saugt, darunter Mais, Kartoffeln, Möhren, Erdbeeren, Rosen, Apfel, Kirschen und verschiedene Zierpflanzen. Das Weibchen legt bis zu 300 Eier in Pflanzenwurzeln oder in den Boden. Sowohl ausgewachsene als auch Jungtiere bohren sich in die Pflanzenwurzeln und hemmen so Nährstofftransport und Wachstum.

Für Meloidogyne hapla sind über 300 Wirtspflanzen bekannt, darunter Gemüsekulturen wie Möhren, Tomaten, Salat, Zwiebeln, zudem Kartoffeln, Erdbeeren und auch viele Zier-, Arznei- und Gewürzpflanzen. Die winzigen, ca. 0,5 mm langen Jungtiere dringen bei Temperaturen ab 10°C in die Wurzeln ein und bewirken hier die Bildung so genannter Gallen. Für ihre Ernährung entziehen sie der Wirtspflanze wichtige Nährstoffe, die der Pflanze dann zum eigenen Wachstum fehlen. Typisch ist die Bildung von Wurzelgallen und „beinigen“ Möhren.

Stefanie Hahn | idw
Weitere Informationen:
http://www.jki.bund.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Agrar- Forstwissenschaften:

nachricht Forschungsteam unter Göttinger Leitung beschreibt neue Methode zur Gen-Entschlüsselung bei Pflanzen
08.10.2019 | Georg-August-Universität Göttingen

nachricht Die „kurze“ Revolution im Roggenfeld: Mit Halbzwergen zu mehr Ertrag und Trockenstress-Toleranz
24.09.2019 | Julius Kühn-Institut, Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Agrar- Forstwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Neuer Werkstoff für den Bootsbau

Um die Entwicklung eines Leichtbaukonzepts für Sportboote und Yachten geht es in einem Forschungsprojekt der Technischen Hochschule Mittelhessen. Prof. Dr. Stephan Marzi vom Gießener Institut für Mechanik und Materialforschung arbeitet dabei mit dem Bootsbauer Krake Catamarane aus dem thüringischen Apolda zusammen. Internationale Kooperationspartner sind Prof. Anders Biel von der schwedischen Universität Karlstad und die Firma Lamera aus Göteborg. Den Projektbeitrag der THM fördert das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie im Rahmen des Zentralen Innovationsprogramms Mittelstand mit 190.000 Euro.

Im modernen Bootsbau verwenden die Hersteller als Grundmaterial vorwiegend Duroplasten wie zum Beispiel glasfaserverstärkten Kunststoff. Das Material ist...

Im Focus: Novel Material for Shipbuilding

A new research project at the TH Mittelhessen focusses on the development of a novel light weight design concept for leisure boats and yachts. Professor Stephan Marzi from the THM Institute of Mechanics and Materials collaborates with Krake Catamarane, which is a shipyard located in Apolda, Thuringia.

The project is set up in an international cooperation with Professor Anders Biel from Karlstad University in Sweden and the Swedish company Lamera from...

Im Focus: Controlling superconducting regions within an exotic metal

Superconductivity has fascinated scientists for many years since it offers the potential to revolutionize current technologies. Materials only become superconductors - meaning that electrons can travel in them with no resistance - at very low temperatures. These days, this unique zero resistance superconductivity is commonly found in a number of technologies, such as magnetic resonance imaging (MRI).

Future technologies, however, will harness the total synchrony of electronic behavior in superconductors - a property called the phase. There is currently a...

Im Focus: Ultraschneller Blick in die Photochemie der Atmosphäre

Physiker des Labors für Attosekundenphysik haben erkundet, was mit Molekülen an den Oberflächen von nanoskopischen Aerosolen passiert, wenn sie unter Lichteinfluss geraten.

Kleinste Phänomene im Nanokosmos bestimmen unser Leben. Vieles, was wir in der Natur beobachten, beginnt als elementare Reaktion von Atomen oder Molekülen auf...

Im Focus: Wie entstehen die stärksten Magnete des Universums?

Wie kommt es, dass manche Neutronensterne zu den stärksten Magneten im Universum werden? Eine mögliche Antwort auf die Frage nach der Entstehung dieser sogenannten Magnetare hat ein deutsch-britisches Team von Astrophysikern gefunden. Die Forscher aus Heidelberg, Garching und Oxford konnten mit umfangreichen Computersimulationen nachvollziehen, wie sich bei der Verschmelzung von zwei Sternen starke Magnetfelder bilden. Explodieren solche Sterne in einer Supernova, könnten daraus Magnetare entstehen.

Wie entstehen die stärksten Magnete des Universums?

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Dezember 2019

14.10.2019 | Veranstaltungen

10. Weltkonferenz der Ecosystem Services Partnership an der Leibniz Universität Hannover

14.10.2019 | Veranstaltungen

Bildung.Regional.Digital: Tagung bietet Rüstzeug für den digitalen Unterricht von heute und morgen

10.10.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Technologiemodul senkt Ausschussrate von Mikrolinsen auf ein Minimum

14.10.2019 | Informationstechnologie

Diagnostik für alle

14.10.2019 | Biowissenschaften Chemie

Bayreuther Forscher entdecken stabiles hochenergetisches Material

14.10.2019 | Materialwissenschaften

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics