Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Verbundforschung unter Göttinger Leitung untersucht neue Wege der Weidebewirtschaftung

09.09.2019

Die moderne Viehhaltung verstärkt den Druck, Ackerflächen für die Futterproduktion zu nutzen. Das Ergebnis: Moderne Milchviehbetriebe treiben ihre Kühe gar nicht mehr auf die Weide. Im Projekt „GreenGrass“ untersuchen Forscherinnen und Forscher in einem überregionalen und interdisziplinären Verbund unter Leitung der Universität Göttingen, wie weidende Tiere zurück in die Landschaft gebracht und neue Wege einer nachhaltigen und effizienten Weidewirtschaft geschaffen werden können.

„Die zunehmende Intensivierung insbesondere der Milchviehhaltung bedrohen die Vielfalt des Grünlands und damit auch die Vielfalt an Pflanzen- und Insektenarten“, so Prof. Dr. Johannes Isselstein, Leiter der Abteilung Graslandwissenschaft der Universität Göttingen und Sprecher des Verbunds. Doch wie soll die Rückkehr zur Weidewirtschaft mit Milchkühen und Rindern funktionieren?


Building Blocks des interdisziplinären Verbundsprojekts GreenGrass in Kooperation von Wissenschaft und Praxis.

Dr. Horst Steinmann / Dr. Juliane Horn


Dr. Juliane Horn

Alexander Reschke

Der Verbund nimmt dazu die Weiterentwicklung innovativer Technologien wie virtuelle Zäune und das Monitoring des saisonalen Angebots an Futterpflanzen auf der Weide durch modernste Fernerkundungssysteme ins Visier.

Mit Hilfe dieser Technologien soll der immense Arbeitsaufwand der Weidewirtschaft reduziert und eine nachhaltige Weidenutzung ermöglicht werden. „Eine effiziente Weidewirtschaft kann den Nährstoffbedarf der Kühe weitgehend über frisches Gras decken und gleichzeitig die Menge an Kraft- und Ergänzungsfutter reduzieren“, so Isselstein.

Mit virtuellen Zäunen kann die Bewegung der Tiere auf der Weide gesteuert werden. Die Rinder verknüpfen dabei einen Warnton mit einem aversiven Reiz, sodass sie die virtuell gesetzte Grenze zu einer Teilfläche der Weide nicht mehr überschreiten.

„Nach einer kurzen Lernphase haben die Rinder mehrheitlich die Assoziation des virtuellen Zauns anhand des Warntons erlernt und passen sich auch bei räumlicher Verschiebung der Fläche innerhalb weniger Stunden an“, sagt Dr. Juliane Horn von der Abteilung Graslandwissenschaft und Koordinatorin des Projekts.

„Es gibt allerdings individuelle Unterschiede zwischen den Tieren. Einige meiden sofort nach dem ersten Kontakt den abgegrenzten Weidebereich, andere Tiere testen die virtuellen Zäune häufiger aus. Um das Tierwohl und die Praxistauglichkeit zu gewährleisten, müssen diese Unterschiede bei der Weiterentwicklung der Technologie berücksichtigt werden.“

Durch die Möglichkeit, virtuelle Zäune räumlich und zeitlich variabel zu setzen, kann die strukturelle und biologische Vielfalt des Grünlands verbessert werden, zum Beispiel können gezielt Altgrasstreifen und Habitate für bodenbrütende Vögel gefördert werden.

Die Verbundpartner aus Forschung, Wirtschaft und landwirtschaftlicher Praxis nehmen auch die transparente Produktion von Milch, Fleisch und öffentlichen Gütern aus dieser neuen Weidebewirtschaftung sowie deren sachgemäße Vergütung in den Blick. Das Verbundprojekt wird im Rahmen der BMBF-Richtlinie „Agrarsysteme der Zukunft“ über einen Zeitraum von fünf Jahren mit insgesamt 5,5 Millionen Euro gefördert, 1,3 Millionen gehen an die Universität Göttingen.

Wissenschaftliche Ansprechpartner:

Dr. Juliane Horn
Georg-August-Universität Göttingen
Department für Nutzpflanzenwissenschaften
Abteilung Graslandwissenschaft
Von-Siebold-Str. 8, 37075 Göttingen
Telefon: 0551 3922251
E-Mail: juliane.horn@uni-goettingen.de

Prof. Dr. Johannes Isselstein
Georg-August-Universität Göttingen
Department für Nutzpflanzenwissenschaften
Telefon: 0551 3922253
E-Mail: jissels@gwdg.de

Thomas Richter | idw - Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen:
http://www.uni-goettingen.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Agrar- Forstwissenschaften:

nachricht Wälder mit hoher Diversität sind zugleich produktiver und widerstandsfähiger
05.09.2019 | Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau

nachricht Unkraut in Arzneipflanzen ohne Herbizide regulieren – wie am besten?
03.09.2019 | Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Agrar- Forstwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: A molecular 'atlas' of animal development

Researchers from the University of Pennsylvania provide a molecular map of every cell in a developing animal embryo

In a paper in Science this week, Penn researchers report the first detailed molecular characterization of how every cell changes during animal embryonic...

Im Focus: Garchinger Physiker fotografieren magnetische Polaronen

Garchinger Physikern gelang es erstmals, die magnetische Struktur um mobile Störstellen in einem Kristallgitter, sogenannte magnetische Polaronen, mithilfe eines Quantensimulators abzulichten.

Es war ein magnetischer Moment. Physikern des Max-Planck-Instituts für Quantenoptik (MPQ) war es 2018 erstmals möglich, magnetische Polaronen zu fotografieren...

Im Focus: Chemisches Element Kalium in der Atmosphäre eines Exoplaneten entdeckt

Ein Team von Astronominnen und Astronomen unter der Leitung von AIP-Doktorand Engin Keles entdeckte das chemische Element Kalium in der Atmosphäre eines Exoplaneten erstmals mit hochauflösender Spektroskopie und mit überzeugend starkem Signal. Das Potsdam Echelle Polarimetric and Spectroscopic Instrument (PEPSI) am Large Binocular Telescope (LBT) in Arizona wurde zur Untersuchung der Atmosphäre auf dem jupiterähnlichen Exoplaneten HD189733b verwendet.

Die chemischen Elemente Natrium und Kalium werden schon seit den frühesten theoretischen Vorhersagen vor 20 Jahren vor allem in der Atmosphäre von „heißen...

Im Focus: Next Generation Video: WDR und Fraunhofer HHI zeigen deutlich verbesserte Videoqualität auf der IFA 2019

Die Nachfrage nach Videos in höherer Bildauflösung wird in den kommenden Jahren weiter zunehmen. Aus diesem Grund testen der WDR und das Fraunhofer Heinrich-Hertz-Institut HHI in den kommenden Monaten gemeinsam die Möglichkeiten der neuesten Videocodierung nach dem nächsten internationalen Standard VVC/H.266.

VVC/H.266 wird der Nachfolgestandard von HEVC/H.265. Letzterer ist der aktuell modernste und effizienteste Standard zur Videocodierung und kommt zum Beispiel...

Im Focus: Next generation video: WDR and Fraunhofer HHI present significantly improved video quality at IFA 2019

The demand for even higher resolution videos will continue to increase in the coming years. For this reason, the German public service broadcaster WDR and the Fraunhofer Heinrich Hertz Institute HHI will collaborate in the coming months to test the Video Coding possibilities offered by the next international standard VVC/H.266.

VVC/H.266 is the successor standard to HEVC/H.265. The latter is currently the most modern and efficient standard for Video Coding and is used, for example, in...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Society 5.0: Der Mensch im Zentrum der Digitalisierung

05.09.2019 | Veranstaltungen

Wald unter Druck – Brennpunkte und Lösungswege

05.09.2019 | Veranstaltungen

Interspeech-Tagung 2019: Alexa und Siri zu Gast in Graz

04.09.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Augenscan macht Krankheiten frühzeitig sichtbar

06.09.2019 | Medizintechnik

Innovatives Verfahren liefert neuartige Einblicke in den Aufbau von Zellen und Geweben

06.09.2019 | Biowissenschaften Chemie

Pulsar-Tomographie dank Einstein

06.09.2019 | Physik Astronomie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics