Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Ungenutztes Holz ist für Klimaschutz Gold wert

07.11.2016

Wenn man bisher nicht genutztes Restholz der Region Meckenheim und Rheinbach zur Energieerzeugung verwendet, spart man nicht nur Geld, sondern erweist auch dem Klima einen guten Dienst. Das haben Forscher des Campus Klein-Altendorf der Universität Bonn im Rahmen des Projekts „bio innovation park Rheinland“ herausgefunden. Ein 7,5-Tonner-LKW verursacht bei 75 Fahrten um die Erde in etwa so viel Kohlenstoffdioxid (CO2), wie durch die Nutzung des Restholzes eingespart werden könnte.

Es waren Pilotforschungen, die das Team der Universität Bonn eineinhalb Jahre lang betrieben hat: Obst- und Baumschulbetriebe in Meckenheim und Rheinbach wurden befragt, Flächennutzungskarten analysiert und Daten ausgewertet.


Wenn man das Restholz zum Beispiel von Obst- und Baumschulbetrieben zur Energieerzeugung in einer Hackschnitzelanlage nutzt, könnte man viel am klimaschädlichen Kohlendioxid einsparen.

© Grafik: bio innovation park Rheinland


Rodung und Neupflanzung von Obstbäumen: Das Holz kann zur Energiegewinnung dienen.

© Foto: Campus Klein-Altendorf/Uni Bonn

Ihr Ziel war es herauszufinden, wie viel Holz durch Schnitt und Rodung von Bäumen anfällt und bisher nicht genutzt wird. Denn dieses eigentliche Abfallprodukt der Obst- und Baumschulbetriebe, aber auch der Landschaftspflege kann zur Energieerzeugung sinnvoll verwendet werden.

Das Vorgehen der Forscher war Neuland und kann Vorbild für den Klimaschutz in anderen Regionen sein. Nun sind erste Ergebnisse da: Meckenheim und Rheinbach kommen theoretisch auf insgesamt 2941 Tonnen trockene Biomasse jährlich.

„Leider können wir nicht das komplette Holz zur Energieerzeugung nutzen“, erklärt Felix Winzer, der im Projekt „bio innovation park Rheinland“ seine Doktorarbeit schreibt. „Denn es muss getrocknet und aufbereitet werden.“ Außerdem ist nicht jedes Holz gleich gut für die Energieerzeugung geeignet:

Aus Miscanthus (Chinaschilf), das auch auf dem Campus Klein-Altendorf angebaut wird, lässt sich beispielsweise auf Grund des niedrigeren Wassergehalts besser Energie erzeugen als aus Obsthölzern. Aus dem gesammelten Holz in Meckenheim und Rheinbach könnte eine Biomasseanlage bis zu vier Megawattstunden jährlich erzeugen. Damit wiederum könnten acht Prozent der Haushalte in Meckenheim mit Wärme versorgt werden.

Beitrag zum Klimaschutz

„Dies ist ein erster Schritt, ungenutztes Restholz zur Energieerzeugung zu verwenden und damit sinnvoll zum Klimaschutz beizutragen“, sagt Prof. Dr. Ralf Pude, Leiter des Campus Klein-Altendorf. Und natürlich geht es dem Forscher um mehr: Gesucht sind weitere Nutzungen für nachwachsende Rohstoffe, um im Sinne einer Kaskade die Verbrennung erst ganz ans Ende der Verwertungskette zu stellen. „Die Zukunft liegt im effizienten Umgang mit unseren Ressourcen“, so Pude.


Ziel des Projekts „bio innovation park Rheinland“ ist es, in Meckenheim und Rheinbach einen klimaneutralen Wissenschafts- und Gewerbepark zu etablieren. Das von der Nationalen Klimaschutzinitiative geförderte, dreijährige Projekt läuft noch bis Ende 2017. Bis dahin sollen Umsetzungsszenarien der Forschungsergebnisse erarbeitet werden.

So sind die Wissenschaftler der Universität Bonn unter anderem mit Organisationen im Gespräch, die die Biomasse zur Energieerzeugung abnehmen würden. Darüber hinaus prüfen sie die Möglichkeiten, aus dem Restholz Kälte zu gewinnen, mit der die Obstlager gekühlt werden können. Denn der Bedarf an der Kühlung von Äpfeln ist in der Region groß. Im übertragenen Sinne könnten sich so die Äpfel mit ihrem eigenen Holz selbst kühlen.

Vorbild für andere Regionen

In der zweiten Hälfte des Projekts „bio innovation park Rheinland“ widmen sich die Forscher zudem verstärkt der Frage, wie die Flächen in einem klimaneutralen Wissenschafts- und Gewerbepark am ressourcensparsamsten genutzt werden können. Das Team von Prof. Dr.-Ing. Theo Kötter vom Institut für Geodäsie und Geoinformation der Universität Bonn wird dafür Kriterien entwickeln und erfolgreiche Beispiele aus anderen Städten analysieren. Die neuen Gewerbegebiete in Meckenheim und Rheinbach sollen ein Aushängeschild für den bio innovation park werden, wie es der Campus Klein-Altendorf bereits ist: Hier versorgt seit 2012 eine Holzhackschnitzel-Heizung die Gewächshäuser mit Energie, selbstverständlich klimaneutral.

Prof. Dr. Brigitte Scholz, Projektmanagerin des „bio innovation park Rheinland“: „Wir möchten mit unserem Projekt und unseren Ansätzen Vorbild für andere Regionen sein. Ich bin mir sicher, dass wir auch in der zweiten Hälfte des Projekts spannende Lösungsmöglichkeiten für andere Städten und Gemeinden für den Klimaschutz und das Flächenmanagement liefern können. Unsere Ideen dürfen gerne kopiert werden.“

Kontakt für die Medien:

Prof. Brigitte Scholz
bio innovation park Rheinland
Projekt- und Innovationsmanagement
Professur für Städtebau und Bodenordnung / IGG
Tel. 0228/7360359
E-Mail: brigitte.scholz@uni-bonn.de

Weitere Informationen:

http://www.bio-innovation-park-rheinland.de/category/pressemitteilungen weitere Fotos

Johannes Seiler | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Agrar- Forstwissenschaften:

nachricht Bäume im Klimawandel: Schneller groß mit leichterem Holz
14.08.2018 | Technische Universität München

nachricht Göttinger Agrarökologen erforschen Nahrungsnetze von Bestäubern und natürlichen Gegenspielern
07.08.2018 | Georg-August-Universität Göttingen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Agrar- Forstwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Eisen und Titan in der Atmosphäre eines Exoplaneten entdeckt

Forschende der Universitäten Bern und Genf haben erstmals in der Atmosphäre eines Exoplaneten Eisen und Titan nachgewiesen. Die Existenz dieser Elemente in Gasform wurde von einem Team um den Berner Astronomen Kevin Heng theoretisch vorausgesagt und konnte nun von Genfern Astronominnen und Astronomen bestätigt werden.

Planeten in anderen Sonnensystemen, sogenannte Exoplaneten, können sehr nah um ihren Stern kreisen. Wenn dieser Stern viel heisser ist als unsere Sonne, dann...

Im Focus: Magnetische Antiteilchen eröffnen neue Horizonte für die Informationstechnologie

Computersimulationen zeigen neues Verhalten von Antiskyrmionen bei zunehmenden elektrischen Strömen

Skyrmionen sind magnetische Nanopartikel, die als vielversprechende Kandidaten für neue Technologien zur Datenspeicherung und Informationsverarbeitung gelten....

Im Focus: Unraveling the nature of 'whistlers' from space in the lab

A new study sheds light on how ultralow frequency radio waves and plasmas interact

Scientists at the University of California, Los Angeles present new research on a curious cosmic phenomenon known as "whistlers" -- very low frequency packets...

Im Focus: Neue interaktive Software: Maschinelles Lernen macht Autodesigns aerodynamischer

Neue Software verwendet erstmals maschinelles Lernen um Strömungsfelder um interaktiv designbare 3D-Objekte zu berechnen. Methode wird auf der renommierten SIGGRAPH-Konferenz vorgestellt

Wollen Ingenieure oder Designer die aerodynamischen Eigenschaften eines neu gestalteten Autos, eines Flugzeugs oder anderer Objekte testen, lassen sie den...

Im Focus: New interactive machine learning tool makes car designs more aerodynamic

Scientists develop first tool to use machine learning methods to compute flow around interactively designable 3D objects. Tool will be presented at this year’s prestigious SIGGRAPH conference.

When engineers or designers want to test the aerodynamic properties of the newly designed shape of a car, airplane, or other object, they would normally model...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Aktuelles aus der Magnetischen Resonanzspektroskopie

16.08.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Oktober 2018

16.08.2018 | Veranstaltungen

Das Architekturmodell in Zeiten der Digitalen Transformation

14.08.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Schatzkammer Datenbank: Digitalisierte Schwingfestigkeitskennwerte sparen Entwicklungszeit

16.08.2018 | Informationstechnologie

Interaktive Software erleichtert Design komplexer Gussformen

16.08.2018 | Informationstechnologie

Fraunhofer HHI entwickelt Quantenkommunikation für jedermann im EU-Projekt UNIQORN

16.08.2018 | Informationstechnologie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics