Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Tödliche Toxine - Wie Bakterien Insekten ausschalten

24.03.2010
Gegen Insektenlarven verbünden sich Fadenwürmer der Gattung Heterorhabditis und das Bakterium Photorhabdus luminescens mit tödlicher Effizienz. Die Würmer fungieren dabei als eine Art trojanisches Pferd.
Sie dringen durch Körperöffnungen in die Larven ein und setzen dort aus ihrem Verdauungstrakt die Bakterien frei. Die wiederum produzieren Toxine, die für die Insektenlarven tödlich sind. Die toten Larven bilden den idealen Lebensraum für Würmer und Bakterien, die sich dort wie im Schlaraffenland fühlen können.

Was die beiden Partner tun, weiß man also ziemlich genau. Aus diesem Grund werden beide zusammen auch schon lange mit Erfolg zur biologischen Insektenbekämpfung in der Landwirtschaft eingesetzt. Nur wie die bakteriellen Toxine wirken, wusste man bisher nicht. Die Antwort auf diese Frage haben jetzt deutsche Forscher aus Bochum, Dortmund und Freiburg in Zusammenarbeit mit amerikanischen Kollegen gefunden und im Fachmagazin Science veröffentlicht.

Die Wissenschaftler untersuchten die beiden Toxine TcA und TcC. Sie stellten fest, dass TcC zwei wirksame Komponenten hat.

Beide unterbinden die so genannte Phagozytose. Dabei umstülpen Immunzellen des angegriffenen Organismus Fremdkörper wie z.B. eingedrungene Bakterien mit ihrer Membran, nehmen sie in sich auf und töten sie ab. Solche Zellen werden daher auch Fresszellen genannt. Mit TcA undTcC konfrontierte Fresszellen allerdings verfallen in spontane Appetitlosigkeit.

Der Grund: TcC bewirkt, dass Aktin-Proteine sich stärker zusammenlagern als sonst. Aktinfilamente sind Teil des Zytoskeletts der Zelle. Sie geben ihr ihre innere Struktur und damit auch die äußere Form. Unter dem Einfluss von TcC bilden die Aktinbausteine keine elastischen Streben mehr, sondern feste Säulen. Die Fresszellen werden dadurch starr und unbeweglich. Sie können keine Fremdköper mehr mit ihrer Membran umstülpen. Die Immunabwehr der Larven gegen Bakterien und Viren wird dadurch entscheidend geschwächt. Ohne TcA allerdings wäre TcC wirkungslos, denn es muss, um Wirkung zu erzeugen, ins Zellinnere. TcA lagert sich in die Membran der Fresszellen ein und bildet quasi die Tür, durch die TcC erst dorthin gelangt.

Die vorliegende Studie hat erstmals den Wirkmechanismus eines Tc-Toxins aufgeklärt. Sie kann möglicherweise helfen, weitere biologische Insektizide mit ähnlicher Wirkweise zu finden oder ähnliche synthetische herzustellen. Aber nicht nur die landwirtschaftliche Forschung profitiert von den Ergebnissen. So gibt es auch menschliche Krankheitserreger, die ähnliche Toxine produzieren. Ein Beispiel dafür ist Yersinia pestis, der Erreger der Beulenpest. Hier könnten sich langfristig neue Therapieansätze ergeben.

Dr. Margit Ritzka | aid infodienst
Weitere Informationen:
http://www.aid.de

Weitere Berichte zu: Bakterien Fresszelle Insekt Insektenlarve Larve Membran TCA Toxine

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Agrar- Forstwissenschaften:

nachricht Forschungsteam unter Göttinger Leitung beschreibt neue Methode zur Gen-Entschlüsselung bei Pflanzen
08.10.2019 | Georg-August-Universität Göttingen

nachricht Die „kurze“ Revolution im Roggenfeld: Mit Halbzwergen zu mehr Ertrag und Trockenstress-Toleranz
24.09.2019 | Julius Kühn-Institut, Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Agrar- Forstwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Controlling superconducting regions within an exotic metal

Superconductivity has fascinated scientists for many years since it offers the potential to revolutionize current technologies. Materials only become superconductors - meaning that electrons can travel in them with no resistance - at very low temperatures. These days, this unique zero resistance superconductivity is commonly found in a number of technologies, such as magnetic resonance imaging (MRI).

Future technologies, however, will harness the total synchrony of electronic behavior in superconductors - a property called the phase. There is currently a...

Im Focus: Ultraschneller Blick in die Photochemie der Atmosphäre

Physiker des Labors für Attosekundenphysik haben erkundet, was mit Molekülen an den Oberflächen von nanoskopischen Aerosolen passiert, wenn sie unter Lichteinfluss geraten.

Kleinste Phänomene im Nanokosmos bestimmen unser Leben. Vieles, was wir in der Natur beobachten, beginnt als elementare Reaktion von Atomen oder Molekülen auf...

Im Focus: Wie entstehen die stärksten Magnete des Universums?

Wie kommt es, dass manche Neutronensterne zu den stärksten Magneten im Universum werden? Eine mögliche Antwort auf die Frage nach der Entstehung dieser sogenannten Magnetare hat ein deutsch-britisches Team von Astrophysikern gefunden. Die Forscher aus Heidelberg, Garching und Oxford konnten mit umfangreichen Computersimulationen nachvollziehen, wie sich bei der Verschmelzung von zwei Sternen starke Magnetfelder bilden. Explodieren solche Sterne in einer Supernova, könnten daraus Magnetare entstehen.

Wie entstehen die stärksten Magnete des Universums?

Im Focus: How Do the Strongest Magnets in the Universe Form?

How do some neutron stars become the strongest magnets in the Universe? A German-British team of astrophysicists has found a possible answer to the question of how these so-called magnetars form. Researchers from Heidelberg, Garching, and Oxford used large computer simulations to demonstrate how the merger of two stars creates strong magnetic fields. If such stars explode in supernovae, magnetars could result.

How Do the Strongest Magnets in the Universe Form?

Im Focus: Wenn die Erde flüssig wäre

Eine heisse, geschmolzene Erde wäre etwa 5% grösser als ihr festes Gegenstück. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie unter der Leitung von Forschenden der Universität Bern. Der Unterschied zwischen geschmolzenen und festen Gesteinsplaneten ist wichtig bei die Suche nach erdähnlichen Welten jenseits unseres Sonnensystems und für das Verständnis unserer eigenen Erde.

Gesteinsplaneten so gross wie die Erde sind für kosmische Massstäbe klein. Deshalb ist es ungemein schwierig, sie mit Teleskopen zu entdecken und zu...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Bildung.Regional.Digital: Tagung bietet Rüstzeug für den digitalen Unterricht von heute und morgen

10.10.2019 | Veranstaltungen

Zukunft Bau Kongress 2019 „JETZT! Bauen im Wandel“

10.10.2019 | Veranstaltungen

Aktuelle Trends an den Finanzmärkten im Schnelldurchlauf

09.10.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer IZM setzt das E-Auto auf die Überholspur

11.10.2019 | Energie und Elektrotechnik

IVAM-Produktmarkt auf der COMPAMED 2019: Keine Digitalisierung in der Medizintechnik ohne Mikrotechnologien

11.10.2019 | Messenachrichten

Kryptografie für das Auto der Zukunft

11.10.2019 | Informationstechnologie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics