Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Schädlinge von Kulturpflanzen können auch nützlich sein

02.11.2012
Agrarökologen der Universität Göttingen bewerten gefürchtete Kakao-Wanze neu

Schädlinge an Kulturpflanzen können sich bei näherer Betrachtung durchaus auch als wichtige Nützlinge erweisen. Das haben umfangreiche Studien von Agrarökologen der Universität Göttingen auf indonesischen Kakaoplantagen gezeigt.


Saugt den Pflanzensaft aus der Kakaofrucht und beschädigt dabei deren Oberfläche: die auffällige, leuchtend-orange Kakao-Wanze (Helopeltis sulawesi).
Foto: Universität Göttingen


Arno Wielgoss, Doktorand in der Abteilung Agrarökologie der Universität Göttingen, untersuchte im Rahmen seiner Dissertation Kakaopflanzen auf der indonesischen Insel Sulawesi.
Foto: Universität Göttingen

In sogenannten Agroforstsystemen auf Sulawesi untersuchten die Forscher sämtliche Schädlinge auf ihre relative Bedeutung und Wechselwirkungen untereinander hin. Dabei fanden sie heraus, dass die gefürchtete Kakao-Wanze, die an Kakao-Früchten saugt und dadurch Schäden verursacht, in der Gesamtbilanz einen positiven Effekt hat: Sie verringert nämlich den Befall eines anderen Schädlings, der für den Ernteertrag viel wichtiger ist. Die Ergebnisse sind in der Fachzeitschrift Journal of Applied Ecology erschienen.

Der Kakao-Anbau ist in vielen tropischen Schwellenländern von hoher wirtschaftlicher Bedeutung. Doch die Früchte werden häufig von Schädlingen befallen, was zu großen Ernte- und Qualitätsverlusten führt. Zu den Schädlingen, die oft aufwändig mit Insektiziden bekämpft werden, gehört auch die auffällige, leuchtend-orange Kakao-Wanze (Helopeltis sulawesi). Sie saugt Pflanzensaft aus der Kakaofrucht, was bei starkem Befall zu einem vernarbten und harten äußeren Gewebe führt. Einen viel größeren Schaden verursacht dagegen die Kakao-Miniermotte (Conopomorpha cramerella). Sie ist klein, gut getarnt und nachtaktiv und besucht die Kakaofrüchte nur zur Eiablage, so dass sie schwer zu beobachten ist. Die kleinen Larven bohren sich durch die Schale nach innen ins Fruchtfleisch, von dem sie sich ernähren. Befallene Früchte haben deutlich weniger Bohnen und liefern schlechtere Kakaoqualität.

Felduntersuchungen und Laborexperimente zeigten nun, dass die Miniermotte Früchte meidet, deren Oberfläche von der Kakao-Wanze vernarbt wurden. Auf Plantagen mit vielen Wanzen war der Schaden durch Miniermotten deutlich geringer – ein mittlerer Wanzenbefall führte hier letztendlich zu einem besseren Ernteertrag. „Die Kakao-Wanze wird zwar aufwändig mit Insektiziden bekämpft, kann aber als Nützling betrachtet werden“, erläutert Arno Wielgoss, Doktorand in der Abteilung Agrarökologie der Universität Göttingen. „Nicht jedes pflanzenfressende Insekt ist demnach vorschnell als Schädling zu klassifizieren“, ergänzen Abteilungsleiter Prof. Dr. Teja Tscharntke und Dr. Yann Clough. „Unsere Ergebnisse können Kleinbauern helfen, ihre Flächen mit weniger Pestiziden und größerer Effizienz nachhaltig zu bewirtschaften.“

Originalveröffentlichung: Arno Wielgoss et al. A minor pest reduces yield losses by a major pest: plant-mediated herbivore interactions in Indonesian cacao. Journal of Applied Ecology 49: 465-473 (2012). Doi: 10.1111/j.1365-2664.2012.02122.x

Kontaktadresse:
Prof. Dr. Teja Tscharntke
Georg-August-Universität Göttingen
Fakultät für Agrarwissenschaften
Abteilung Agrarökologie
Telefon (0551) 39-9209
E-Mail: ttschar@gwdg.de

Thomas Richter | Uni Göttingen
Weitere Informationen:
http://www.gwdg.de
http://www.agroecology.uni-goettingen.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Agrar- Forstwissenschaften:

nachricht David statt Goliath: Kleinharvester-Demonstrator auf der Fachmesse „Interforst“ in München
17.07.2018 | Technische Hochschule Wildau

nachricht Vorwarnsystem per Handy-App: Extremwetterschäden in der Landwirtschaft vermeiden
02.07.2018 | Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Agrar- Forstwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Future electronic components to be printed like newspapers

A new manufacturing technique uses a process similar to newspaper printing to form smoother and more flexible metals for making ultrafast electronic devices.

The low-cost process, developed by Purdue University researchers, combines tools already used in industry for manufacturing metals on a large scale, but uses...

Im Focus: Rostocker Forscher entwickeln autonom fahrende Kräne

Industriepartner kommen aus sechs Ländern

Autonom fahrende, intelligente Kräne und Hebezeuge – dieser Ingenieurs-Traum könnte in den nächsten drei Jahren zur Wirklichkeit werden. Forscher aus dem...

Im Focus: Superscharfe Bilder von der neuen Adaptiven Optik des VLT

Das Very Large Telescope (VLT) der ESO hat das erste Licht mit einem neuen Modus Adaptiver Optik erreicht, die als Lasertomografie bezeichnet wird – und hat in diesem Rahmen bemerkenswert scharfe Testbilder vom Planeten Neptun, von Sternhaufen und anderen Objekten aufgenommen. Das bahnbrechende MUSE-Instrument kann ab sofort im sogenannten Narrow-Field-Modus mit dem adaptiven Optikmodul GALACSI diese neue Technik nutzen, um Turbulenzen in verschiedenen Höhen in der Erdatmosphäre zu korrigieren. Damit ist jetzt möglich, Bilder vom Erdboden im sichtbaren Licht aufzunehmen, die schärfer sind als die des NASA/ESA Hubble-Weltraumteleskops. Die Kombination aus exquisiter Bildschärfe und den spektroskopischen Fähigkeiten von MUSE wird es den Astronomen ermöglichen, die Eigenschaften astronomischer Objekte viel detaillierter als bisher zu untersuchen.

Das MUSE-Instrument (kurz für Multi Unit Spectroscopic Explorer) am Very Large Telescope (VLT) der ESO arbeitet mit einer adaptiven Optikeinheit namens GALACSI. Dabei kommt auch die Laser Guide Stars Facility, kurz ...

Im Focus: Diamant – ein unverzichtbarer Werkstoff der Fusionstechnologie

Forscher am KIT entwickeln Fenstereinheiten mit Diamantscheiben für Fusionsreaktoren – Neue Scheibe mit Rekorddurchmesser von 180 Millimetern

Klimafreundliche und fast unbegrenzte Energie aus dem Fusionskraftwerk – für dieses Ziel kooperieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weltweit. Bislang...

Im Focus: Wiener Forscher finden vollkommen neues Konzept zur Messung von Quantenverschränkung

Quantenphysiker/innen der ÖAW entwickelten eine neuartige Methode für den Nachweis von hochdimensional verschränkten Quantensystemen. Diese ermöglicht mehr Effizienz, Sicherheit und eine weitaus geringere Fehleranfälligkeit gegenüber bisher gängigen Mess-Methoden, wie die Forscher/innen nun im Fachmagazin „Nature Physics“ berichten.

Die Vision einer vollständig abhörsicheren Übertragung von Information rückt dank der Verschränkung von Quantenteilchen immer mehr in Reichweite. Wird eine...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Stadtklima verbessern, Energiemix optimieren, sauberes Trinkwasser bereitstellen

19.07.2018 | Veranstaltungen

Innovation – the name of the game

18.07.2018 | Veranstaltungen

Wie geht es unserer Ostsee? Ein aktueller Zustandsbericht

17.07.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Neue Anwendungen für Mikrolaser in der Quanten-Nanophotonik

20.07.2018 | Physik Astronomie

Need for speed: Warum Malaria-Parasiten schneller sind als die menschlichen Abwehrzellen

20.07.2018 | Biowissenschaften Chemie

Die Gene sind nicht schuld

20.07.2018 | Medizin Gesundheit

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics