Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Resistente Unkräuter: Universität Hohenheim entwickelt mobilen Schnelltest

15.03.2013
Pflanzenschutzmittel oft wirkungslos / Mobiler Schnelltest soll Landwirten zeigen, welches Herbizid noch gegen Unkraut hilft / Preisgekrönter Ansatz

Viele Pflanzenschutzmittel sind wirkungslos, weil immer mehr Unkräuter resistent dagegen werden. Bauern drohen unnötige Kosten für Herbizide und Ernteverluste. Außerdem belasten die wirkungslosen Chemikalien Boden und Grundwasser. Ein Unkrautforscher von der Universität Hohenheim entwickelt deshalb einen mobilen Schnelltest.

Er soll Landwirten zeigen, welches Pflanzenschutzmittel auf ihren Feldern noch hilft. Das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz hat seinen Ansatz mit Auszeichnung begutachtet und fördert ihn mit knapp 295.000 Euro. Das Forschungsprojekt gehört damit zu den Schwergewichten der Forschung an der Universität Hohenheim.

Es wächst auf beinahe jedem Feld und in fast jedem Garten: Das Acker-Fuchsschwanzgras (Alopecurus myosuroides) ist das am weitesten verbreitete Unkraut Europas. Beim Weizen belaufen sich die Ertragsverluste auf 15 bis 20 Prozent bei einem Befall von 100 Pflanzen pro Quadratmeter. Es sind allerdings auch schon Fälle bekannt geworden, bei denen weit über 1000 Unkräuter auf einem Quadratmeter wuchsen. Der Grund: Immer öfter überlebt das Acker-Fuchsschwanzgras den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln.

"Es gibt vier verschiedene Pflanzenschutzmittel, die gegen das Acker-Fuchsschwanzgras helfen", erklärt Prof. Dr. Roland Gerhards, Leiter des Fachgebiets Herbologie an der Universität Hohenheim. Gegen alle gibt es Resistenzen. Es kommt sogar vor, dass eine Pflanze gleich gegen mehrere Herbizide resistent ist." Weltweit gibt es inzwischen etwa 300 resistente Unkräuter.

Bei der Suche nach wirksamen Herbiziden geht bisher viel Zeit verloren

Es gibt ein Verfahren, mit dem Landwirte in Erfahrung bringen können, welches Pflanzenschutzmittel auf ihrem Feld noch wirkt: Chlorophyll-Fluoreszenz heißt es und nur wenige Firmen und Forschungsinstitute können es durchführen. Landwirte müssen deshalb Unkrautproben einschicken und dann warten, bis sie Bescheid erhalten. "Dabei geht viel kostbare Zeit verloren und oft ist die Unkrautprobe schon verwelkt und unbrauchbar, wenn sie bei dem Forschungsinstitut eingeht", bemängelt Prof. Dr. Gerhards.

In Zukunft soll es schneller und einfacher gehen. Prof. Dr. Gerhards will das Verfahren zu einem mobilen Schnelltest weiterentwickeln: "Ein Berater soll die Landwirte besuchen und das Fluoreszenz-Gerät im Auto dabei haben", erklärt der Forscher. "Der Berater nimmt dann selbst Unkrautproben und kann dem Landwirt schon nach 24 Stunden ein wirksames Pflanzenschutzmittel empfehlen."

Neue Pflanzenschutzmittel nicht in Sicht

Neue Wirkstoffe seien vorerst nicht in Sicht und es werde die Zeit kommen, in der auch die letzten noch wirksamen Pflanzenschutzmittel nicht mehr helfen, warnt Prof. Dr. Gerhards. Manchmal dauere es nur fünf oder sechs Jahre, bis ein Unkraut resistent werde.

"90 Prozent aller Landwirte setzen auf Pflanzenschutzmittel, weil andere Strategien wie hacken oder ausreißen unwirtschaftlich sind" sagt Prof. Dr. Gerhards. "Es bleibt uns also gar nichts anderes übrig als die verbliebenen Mittel so vernünftig wie möglich umzugehen."

Hintergrund: Forschungsprojekt

Das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz hat diesen Ansatz mit Auszeichnung begutachtet. Die Bewilligung der Fördergelder für das Forschungsprojekt erhielt Prof. Dr. Gerhards am 5. März 2013 aus den Händen von Staatssekretär Dr. Robert Kloos.

Der vollständige Titel des Forschungsprojekts von Prof. Dr. Gerhards lautet: "Resistenzmanagement für Unkräuter - Diagnoseverfahren zur Detektion der Herbizidresistenz an Unkräutern im Feld, geoinformationsgestützte Dokumentation, Ursachenanalyse und Managementempfehlungen". Es ist am 1. März 2013 angelaufen und dauert drei Jahre. Projektpartner sind die Firmen IDENTXX GmbH in Stuttgart, Heinz Walz GmbH in Effeltrich und Du Pont de Nemours Deutschland GmbH in Neu Isenburg sowie die Arbeitsgruppe Hohenheimer Gemeinschaftsversuche. Das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz fördert das Forschungsprojekt mit knapp 295.000 Euro.

Hintergrund: Schwergewichte der Forschung

Rund 28 Millionen Euro an Drittmitteln akquirierten Wissenschaftler der Universität Hohenheim 2011 für Forschung und Lehre. In loser Folge präsentiert die Reihe „Schwergewichte der Forschung“ herausragende Forschungsprojekte mit einem Drittmittelvolumen von mindestens 250.000 Euro bei den Experimental- bzw. 125.000 Euro bei den Buchwissenschaften.

Kontakt für Medien:
Prof. Dr. Roland Gerhards, Universität Hohenheim, Fachgebiet Herbologie,
Tel.: 0711/459 22399, E-Mail: Roland.Gerhards@uni-hohenheim.de

Text: Weik / Klebs

Florian Klebs | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-hohenheim.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Agrar- Forstwissenschaften:

nachricht Astronautennahrung für Kühe: Industriell gezüchtete Mikroben als umweltfreundliches Futter
21.06.2018 | Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung

nachricht Neue Perspektive für die Gesundheit der Bäume
15.06.2018 | Hochschule Ostwestfalen-Lippe

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Agrar- Forstwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Leichter abheben: Fraunhofer LBF entwickelt Flugzeugrad aus Faser-Kunststoff-Verbund

Noch mehr Reichweite oder noch mehr Nutzlast - das wünschen sich Fluggesellschaften für ihre Flugzeuge. Wegen ihrer hohen spezifischen Steifigkeiten und Festigkeiten kommen daher zunehmend leichte Faser-Kunststoff-Verbunde zum Einsatz. Bei Rümpfen oder Tragflächen sind permanent Innovationen in diese Richtung zu beobachten. Um dieses Innovationsfeld auch für Flugzeugräder zu erschließen, hat das Fraunhofer-Institut für Betriebsfestigkeit und Systemzuverlässigkeit LBF jetzt ein neues EU-Forschungsvorhaben gestartet. Ziel ist die Entwicklung eines ersten CFK-Bugrads für einen Airbus A320. Dabei wollen die Forscher ein Leichtbaupotential von bis zu 40 Prozent aufzeigen.

Faser-Kunststoff-Verbunde sind in der Luftfahrt bei zahlreichen Bauteilen bereits das Material der Wahl. So liegt beim Airbus A380 der Anteil an...

Im Focus: IT-Sicherheit beim autonomen Fahren

FH St. Pölten entwickelt neue Methode für sicheren Informationsaustausch zwischen Fahrzeugen mittels Funkdaten

Neue technische Errungenschaften wie das Internet der Dinge oder die direkte drahtlose Kommunikation zwischen Objekten erhöhen den Bedarf an effizienter...

Im Focus: Innovative Handprothesensteuerung besteht Alltagstest

Selbstlernende Steuerung für Handprothesen entwickelt. Neues Verfahren lässt Patienten natürlichere Bewegungen gleichzeitig in zwei Achsen durchführen. Forscher der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) veröffentlichen Studie im Wissenschaftsmagazin „Science Robotics“ vom 20. Juni 2018.

Motorisierte Handprothesen sind mittlerweile Stand der Technik bei der Versorgung von Amputationen an der oberen Extremität. Bislang erlauben sie allerdings...

Im Focus: Temperaturgesteuerte Faser-Lichtquelle mit flüssigem Kern

Die moderne medizinische Bildgebung und neue spektroskopische Verfahren benötigen faserbasierte Lichtquellen, die breitbandiges Laserlicht im nahen und mittleren Infrarotbereich erzeugen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Photonische Technologien Jena (Leibniz-IPHT) zeigen in einer aktuellen Veröffentlichung im renommierten Fachblatt Optica, dass sie die optischen Eigenschaften flüssigkeitsgefüllter Fasern und damit die Bandbreite des Laserlichts gezielt über die Umgebungstemperatur steuern können.

Das Besondere an den untersuchten Fasern ist ihr Kern. Er ist mit Kohlenstoffdisulfid gefüllt - einer flüssigen chemischen Verbindung mit hoher optischer...

Im Focus: Temperature-controlled fiber-optic light source with liquid core

In a recent publication in the renowned journal Optica, scientists of Leibniz-Institute of Photonic Technology (Leibniz IPHT) in Jena showed that they can accurately control the optical properties of liquid-core fiber lasers and therefore their spectral band width by temperature and pressure tuning.

Already last year, the researchers provided experimental proof of a new dynamic of hybrid solitons– temporally and spectrally stationary light waves resulting...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Leben im Plastikzeitalter: Wie ist ein nachhaltiger Umgang mit Plastik möglich?

21.06.2018 | Veranstaltungen

Kongress BIO-raffiniert X – Neue Wege in der Nutzung biogener Rohstoffe?

21.06.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen im August 2018

20.06.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Leichter abheben: Fraunhofer LBF entwickelt Flugzeugrad aus Faser-Kunststoff-Verbund

22.06.2018 | Materialwissenschaften

Lernen und gleichzeitig Gutes tun? Baufritz macht‘s möglich!

22.06.2018 | Unternehmensmeldung

GFOS und skip Institut entwickeln gemeinsam Prototyp für Augmented Reality App für die Produktion

22.06.2018 | Unternehmensmeldung

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics