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Neue Sorten von Winterweizen blühen früher

20.03.2018

Göttinger Agrarwissenschaftler untersuchen Auswirkungen von Klimawandel und Züchtung

Verschiebungen der Entwicklungsstadien von Pflanzen im Jahresverlauf gelten als wichtiger Indikator für den Klimawandel. Agrarwissenschaftler der Universität Göttingen haben in Zusammenarbeit mit Forschern der Universität Bonn untersucht, wie sich der Blühzeitpunkt von Winterweizen in den vergangenen 60 Jahren in Deutschland verändert hat.


Feldversuch mit Winterweizen: Gegenüberstellung der Sorte „Tommi“ aus dem Jahr 2002 und der Sorte „Heines VII“ aus dem Jahr 1950 in der Phase zwischen Beginn des Ährenschiebens und Beginn der Blüte.

Universität Göttingen


Dr. Ehsan Eyshi Rezaei

Universität Göttingen

Die Auswertung von fast 500.000 Beobachtungen der Pflanzenentwicklung ergab, dass der Winterweizen heute etwa 14 Tage früher blüht als vor 60 Jahren. Experimentell konnten sie nachweisen, dass nicht nur die gestiegenen Temperaturen, sondern auch die Veränderung der Sorten durch Züchtung zu dem früheren Blühzeitpunkt beitragen. Die Ergebnisse sind in der Fachzeitschrift Scientific Reports erschienen.

Als Folge der Erderwärmung blühen die meisten Pflanzen immer früher im Jahr, so auch der Winterweizen. Bislang ist aber kaum bekannt, wie sich der Zeitpunkt der Aussaat und die genetischen Veränderungen durch die Züchtung langfristig auf die Pflanzenentwicklung auswirken.

Die Wissenschaftler haben für ihre Studie phänologische Beobachtungen von 4.824 Standorten in Deutschland aus dem Zeitraum 1952 bis 2013 ausgewertet. Zusätzlich bauten sie repräsentative Sorten von Winterweizen an, die in den vergangenen sechs Jahrzehnten angebaut wurden, und verglichen zwei Jahre lang deren Entwicklung im Jahresverlauf.

„Wir konnten zeigen, dass die Einflüsse von Klimawandel und von Sortenveränderungen durch Züchtung auf den Blühzeitpunkt in dem betrachteten Zeitraum etwa gleich groß sind und in dieselbe Richtung wirken“, so der Erstautor der Studie Dr. Ehsan Eyshi Rezaei vom Department für Nutzpflanzenwissenschaften, Abteilung Pflanzenbau.

„Denn die jüngeren Sorten benötigen im Zeitraum zwischen Feldaufgang und Blüte 14 bis 18 Prozent weniger Wärmesumme als Sorten aus den 1950-er und 1960-er Jahren.“ Deutliche Effekte einer früheren oder späteren Aussaat auf den Blühzeitpunkt konnten dagegen nicht nachgewiesen werden.

„Wir schließen daraus, dass bislang die Effekte der Erderwärmung auf den Winterweizen überschätzt werden“, ergänzt Prof. Dr. Stefan Siebert, der die Abteilung Pflanzenbau leitet. „Zukünftige Studien und Projektionen des Einflusses des Klimawandels sollten daher die Weiterentwicklung der Sorten berücksichtigen.“

Originalveröffentlichung: Ehsan Eyshi Rezaei et al.: Climate change effect on wheat phenology depends on cultivar change. Scientific Reports, DOI 10.1038/s41598-018-23101-2, http://www.nature.com/articles/s41598-018-23101-2

Kontakt:
Prof. Dr. Stefan Siebert und Dr. Ehsan Eyshi Rezaei
Georg-August-Universität Göttingen
Fakultät für Agrarwissenschaften
Department für Nutzpflanzenwissenschaften – Abteilung Pflanzenbau
Von-Siebold-Straße 8, 37075 Göttingen
Telefon (0551) 39-24359
E-Mail: stefan.siebert@uni-goettingen.de und ehsan.eyshi-rezaei@uni-goettingen.de
Internet: http://www.uni-goettingen.de/pflanzenbau

Weitere Informationen:

http://www.uni-goettingen.de/de/3240.html?cid=6097
http://www.nature.com/articles/s41598-018-23101-2

Romas Bielke | idw - Informationsdienst Wissenschaft

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