Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wie muss eine Landschaft mit funktionierenden Ökosystemdienstleistungen aussehen?

24.03.2010
Dass Landwirte, Bevölkerung und Artenvielfalt von einer vielfältigen Landschaft profitieren können, zeigen die Ergebnisse des BIOLOG Forschungsprogramms, das nach zehn Jahren Laufzeit abgeschlossen ist.

Selbst bei konventionell bewirtschafteten Ackerflächen führen naturnahe Lebensräume im Umfeld, wie Ackerrandstreifen, zu einer deutlich verstärkten Humusbildung, effektiverer Bestäubung und geringerem Druck durch Schadinsekten. Außerdem gewinnt die Landschaft an Attraktivität. Wie Landnutzer von Konzepten weniger intensiver Bewirtschaftung überzeugt werden können und wie viel der Bevölkerung Ökosystemdienstleistungen finanziell wert sind, waren weitere Fragen des Forschungsprogramms, das am 29./30. März in Berlin vorgestellt wird.

Der Politik Handlungsoptionen im Umgang mit der biologischen Vielfalt aufzuzeigen, das ist das oberste Ziel des BIOLOG Forschungsprogramms, das vom BMBF initiiert und finanziert seit 2000 die Entwicklung der Biodiversität unter dem Einfluss des globalen Wandels und des Nutzungsdrucks untersucht hat. Wie eine Agrarlandschaft aus Sicht der Biodiversitätsforschung sinnvollgestaltet werden sollte, wurde unter anderem von der Justus-Liebig-Universität Gießen und der Georg-August-Universität Göttingen im Rahmen des Verbundprojekts BIOPLEX untersucht. Maßstab waren die so genannten Ökosystemdienstleistungen wie Humusbildung, die durch Bodenorganismen, sowie Bestäubung und Schädlingsbekämpfung, die durch Nutzinsekten wie Bienen, Schmetterlinge und Laufkäfer erbracht werden. Die Aktivitätsdichte von Bodenorganismen war im Ökolandbau doppelt so hoch wie im konventionellen Landbau. Überraschend aber war, dass das Umfeld des Ackers eine erhebliche Rolle spielte. So wurde die höchste Aktivitätsrate bei konventionell bewirtschafteten Flächen neben extensiv bewirtschaftetem Grünland gemessen. Auch der Obstbau profitiert von naturnahen Flächen in der Umgebung. Viele Wildbienenarten nisten in abgestorbenen Gehölzen oder den hohlen Stengeln krautiger Pflanzen. Die Wildbienen spielen eine wichtige Rolle bei der Bestäubung der Blüten von Obstgehölzen, und Obstbäume in Gebieten mit vielen Nistgelegenheiten erbrachten deutlich höhere Erträge und Qualität. Die Wissenschaftler raten Behörden und Landnutzern zu mehr naturnahen Flächen und Ackerrandstreifen. 20 Prozent naturnahe Räume in der Kulturlandschaft Deutschlands könnten die Leistungsfähigkeit der o.g. Ökosysteme signifikant erhöhen.

Wie Landwirte von den Vorteilen solcher

maßnahmen überzeugt werden können, zeigt ein Versuch der Göttinger Forscher im niedersächsischen Northeim. Bisher legen die Behörden im Vertragsnaturschutz die Entschädigungssumme für extensiv bewirtschaftete Flächen fest. Bezahlt werden dabei die Maßnahmen, nicht der Erfolg. Das Problem: Der ökologische Effekt der Investition wird nicht ausreichend überprüft, und das unternehmerische Potenzial der Landwirte für den Naturschutz wird nicht ausgeschöpft. Ganz anders im Ansatz der Göttinger Agrarökonomen. In einem Bieterverfahren konnten Landwirte selbst einen eigenen Preis für die Behörden für die Vermehrung der Pflanzenvielfalt vorschlagen. Der Unternehmer mit dem besten Angebot erhielt den Zuschlag. Voll bezahlt wurde nur, wenn das gesetzte Ziel, die Anwesenheit bestimmter Arten, auch erreicht wurde. Dieses Modell stieß bei den Unternehmen auf deutlich höhere Akzeptanz als bisherige Regelungen.

Dass auch die Bevölkerung den Wert von Ökosystemdienstleistungen erkannt hat, beweist eine Studie der Universität Jena im Unterprojekt DIVA. Bei einer Befragung in Thüringen wurde die Zahlungsbereitschaft für bestimmte Dienstleistungen im Grünland an die öffentliche Hand ermittelt. Die höchste Summe wurde für die Grundwassererzeugung durch filternde Organismen mit durchschnittlich 66 Euro genannt. 55 Euro würden die Befragten im Schnitt für kulturelle und ästhetische Aspekte bezahlen, jedoch nur 38 Euro für die Pufferleistung erhöhter Artenvielfalt in Wiesen gegenüber Einflüssen des Klimawandels wie Trockenheit. Im selben Unterprojekt konnte zuvor die so genannte Versicherungshypothese, dass eine größere Vielfalt die Widerstandsfähigkeit von Ökosystemen gegen Störungen wie bspw. Trockenstress erhöht, bestätigt werden.

Alle weiteren Ergebnisse des BIOLOG-Programmes und die entsprechenden Handlungsoptionen für die Praxis sind in einer übersichtlichen Broschüre zusammengefasst. Sie steht zum Download unter: http://www.biolog-europe.org/pdf/BIOLOG_Broschuere.pdf

Wir möchten Sie auch herzlich zur BIOLOG-Konferenz am 29./30. März in Berlin einladen. Infos zu Anmeldung und Programm finden Sie unter http://www.biolog-veranstaltung.de/

Dort wir NeFo das Forum 3 durchführen. Das Motto:

"Erkenntnisse aus der Wissenschaft für Politik, Medien und Gesellschaft aufbereiten"

Pressekontakt:
Sebastian Tilch
Öffentlichkeitsarbeit Netzwerk-Forum zur Biodiversitätsforschung
Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung – UFZ
Department Naturschutzforschung
Tel. 0341/235-1062
Email: medien@biodiversity.de
Das "Netzwerk-Forum zur Biodiversitätsforschung Deutschland" ist ein Projekt im Rahmen von DIVERSITAS-Deutschland, gefördert durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung. Die Projektträgerschaft hat der Projektträger im DLR inne. Das Projekt wird maßgeblich durchgeführt durch das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung - UFZ in Leipzig, das Museum für Naturkunde Berlin und die Universität Potsdam.

Sebastian Tilch | biodiversity.de
Weitere Informationen:
http://www.biodiversity.de
http://www.biolog-veranstaltung.de/
http://www.biolog-europe.org/pdf/BIOLOG_Broschuere.pdf

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Agrar- Forstwissenschaften:

nachricht BTU-Forscher*innen lernen aus Waldbränden
03.07.2020 | Brandenburgische Technische Universität Cottbus-Senftenberg

nachricht Urgetreide: wahrscheinlich weltgrößter Feldversuch offenbart Potential
25.06.2020 | Universität Hohenheim

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Agrar- Forstwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Projektabschluss ScanCut: Filigranere Steckverbinder dank Laserschneiden

Eine entscheidende Ergänzung zum Stanzen von Kontakten erarbeiteten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT. Die Aachener haben im Rahmen des EFRE-Forschungsprojekts ScanCut zusammen mit Industriepartnern aus Nordrhein-Westfalen ein hybrides Fertigungsverfahren zum Laserschneiden von dünnwandigen Metallbändern entwickelt, wodurch auch winzige Details von Kontaktteilen umweltfreundlich, hochpräzise und effizient gefertigt werden können.

Sie sind unscheinbar und winzig, trotzdem steht und fällt der Einsatz eines modernen Fahrzeugs mit ihnen: Die Rede ist von mehreren Tausend Steckverbindern im...

Im Focus: ScanCut project completed: laser cutting enables more intricate plug connector designs

Scientists at the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT have come up with a striking new addition to contact stamping technologies in the ERDF research project ScanCut. In collaboration with industry partners from North Rhine-Westphalia, the Aachen-based team of researchers developed a hybrid manufacturing process for the laser cutting of thin-walled metal strips. This new process makes it possible to fabricate even the tiniest details of contact parts in an eco-friendly, high-precision and efficient manner.

Plug connectors are tiny and, at first glance, unremarkable – yet modern vehicles would be unable to function without them. Several thousand plug connectors...

Im Focus: Elektrogesponnene Vliese mit gerichteten Fasern für die Sehnen- und Bänderrekostruktion

Sportunfälle und der demografische Wandel sorgen für eine gesteigerte Nachfrage an neuen Möglichkeiten zur Regeneration von Bändern und Sehnen. Eine Kooperation aus italienischen und deutschen Wissenschaftler*innen forschen gemeinsam an neuen Materialien, um dieser Nachfrage gerecht zu werden.

Dem Team ist es gelungen elektrogesponnene Vliese mit hochgerichteten Fasern zu generieren, die eine geeignete Basis für Ersatzmaterialien für Sehnen und...

Im Focus: New Strategy Against Osteoporosis

An international research team has found a new approach that may be able to reduce bone loss in osteoporosis and maintain bone health.

Osteoporosis is the most common age-related bone disease which affects hundreds of millions of individuals worldwide. It is estimated that one in three women...

Im Focus: Neue Strategie gegen Osteoporose

Ein internationales Forschungsteam hat einen neuen Ansatzpunkt gefunden, über den man möglicherweise den Knochenabbau bei Osteoporose verringern und die Knochengesundheit erhalten kann.

Die Osteoporose ist die häufigste altersbedingte Knochenkrankheit. Weltweit sind hunderte Millionen Menschen davon betroffen. Es wird geschätzt, dass eine von...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Innovationstage 2020 – digital

06.08.2020 | Veranstaltungen

Innovationen der Luftfracht: 5. Air Cargo Conference real und digital

04.08.2020 | Veranstaltungen

T-Shirts aus Holz, Möbel aus Popcorn – wie nachwachsende Rohstoffe fossile Ressourcen ersetzen können

30.07.2020 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Der Türsteher im Gehirn

06.08.2020 | Biowissenschaften Chemie

Kognitive Energiesysteme: Neues Kompetenzzentrum sucht Partner aus Wissenschaft und Wirtschaft

06.08.2020 | Energie und Elektrotechnik

Projektabschluss ScanCut: Filigranere Steckverbinder dank Laserschneiden

06.08.2020 | Verfahrenstechnologie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics