Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mischwälder: ökologisch und ökonomisch überlegen

09.05.2018

Mischwälder sind produktiver als Monokulturen. Das gilt auf allen fünf Kontinenten und besonders in niederschlagsreichen Regionen. Dieses Ergebnis einer internationalen Überblicksstudie, an der auch die Technische Universität München (TUM) beteiligt war, hat eine hohe Relevanz für die Forstwissenschaft und -wirtschaft weltweit.

„Es sind viele Vorteile von Mischwäldern bekannt“, sagt Professor Hans Pretzsch, Mitautor der Studie und Autor eines vor kurzem erschienenen Buches über die Ökologie und das Management von Mischbeständen. „Mischwälder sind als vielfältiger Lebensraum ökologisch wertvoller. Sie mildern den Klimawandel, da sie länger und besser Kohlendioxid speichern.“


Mischwälder mildern den Klimawandel, weil sie länger und besser Kohlendioxid speichern.

Foto: L. Steinacker/TUM

Durch ihre sich ergänzenden Kronen- und Wurzelsysteme sind Bäume in Mischwäldern oft besser mit Licht, Wasser und Bodennährstoffen versorgt. „Das macht Mischbestände resilienter in Trockenjahren. Zudem sind sie stabiler gegen Schädlinge und auch optisch schöner“, sagt Prof. Pretzsch vom Lehrstuhl für Waldwachstumskunde
 der TUM in Weihenstephan.

Doch diese Argumente allein ließen die Forstwirtschaft bisher nicht von den weit verbreiteten Monokulturen abkehren. Die Überblickstudie zeige nun, erläutert Pretzsch, dass eine umsichtige Auswahl der kombinierten Baumarten nicht nur zu ökologischeren und resilienteren Beständen führe, sondern auch zu größerer Produktivität. Besonders in Gebieten mit günstiger Wasserversorgung, wie etwa in Mitteleuropa, belegt die Studie, schneiden Mischbestände in der Produktivität besser ab als Reinbestände.

Akribische Datenrecherche

Zusammen mit weiteren Forstwissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern aus Frankreich, Georgien, der Schweiz und Schottland sichteten die Experten der TUM 600 Untersuchungen, die den Einfluss von Mischwäldern auf die Produktivität analysiert hatten. Als Maß dafür dient der Volumenzuwachs an Stammholz, der aus wiederholten Messungen von Baumdurchmesser, Höhe und Stammform berechnet wird.

Aus diesen Untersuchungen filterten sie 126 Fallstudien über 60 Flächen in fünf Kontinenten heraus, veröffentlicht in den Jahren 1997 und 2016. Alle diese Studien basieren auf seit Jahrzehnten regelmäßig gemessenen langfristigen Versuchen; etliche davon liegen in Bayern.

Mehr Versuchsflächen für neue Waldbaukonzepte

„Vor dem Hintergrund dieser Ergebnisse werden an der TUM die Wechselwirkungen zwischen den einzelnen Baumarten genauer untersucht werden“, sagt Pretzsch. Die Voraussetzungen dafür sind langfristige Versuchsflächen, die in Bayern in der Vergangenheit aber vor allem Reinbestände abdeckten.

Das forstliche Versuchswesen in Bayern ist das älteste der Welt, die empirische Grundlage einzigartig: Schon in den 1870er Jahren ließ Ministerialrat August Ganghofer (Vater des Schriftstellers Ludwig Ganghofer) Versuchsflächen anlegen, mit der Überzeugung, dass nur wiederholte Analysen verlässliche Informationen lieferten, erläutert Pretzsch.

Das Flächennetz besteht inzwischen aus über 1.000 Einzelflächen, 80 Prozent davon Monokulturen. In den kommenden fünf Jahren wird es um mehr als hundert Hektar Mischbestandsversuche erweitert.

Das Mammutprojekt, finanziert vom Bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten und den bayerischen Staatsforsten, wird künftig wichtige Fakten über das Funktionieren und Management von Mischbeständen liefern. „Das wird hochinteressant für die Wissenschaft und erbringt Entscheidungshilfen für die Praxis“, sagt Pretzsch. Er ist überzeugt: „Mischbestände werden angesichts des Klimawandels und der steigenden ökologischen, ökonomischen und sozialen Anforderungen an den Wald weltweit an Bedeutung zunehmen.“

Publikationen:

H. Jactel, E. S. Gritti, L. Drössler, D. I. Forrester, W. L. Mason, X. Morin, H. Pretzsch, B. Castagneyrol: Positive biodiversity–productivity relationships in forests: climate matters.
Biology letters, British Royal Society, 14(4), 2017 0747 – DOI: https://doi.org/10.1098/rsbl.2017.0747

Hans Pretzsch, David I. Forrester, Jürgen Bauhus: Mixed-species forests, Springer-Verlag 2017. ISBN: 978-3-662-54551-5 - https://link.springer.com/book/10.1007%2F978-3-662-54553-9

Kontakt:
Prof. Dr. Hans Pretzsch
Technische Universität München
Lehrstuhl für Waldwachstumskunde
Tel: +49 (8161) 71 - 4710
E-Mail: hans.pretzsch@tum.de

Weitere Informationen:

https://www.tum.de/die-tum/aktuelles/pressemitteilungen/detail/article/34635/

Dr. Ulrich Marsch | Technische Universität München

Weitere Berichte zu: Baumarten ISBN Management Monokulturen Stammform TUM Versuchsflächen forests klimawandel

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Agrar- Forstwissenschaften:

nachricht Smart Farming für Europa: Neue Plattform für eine datengesteuerte und ressourcenschonende Landwirtschaft
12.11.2019 | Fraunhofer-Institut für Intelligente Analyse- und Informationssysteme IAIS

nachricht Hühnerstall mit Durchblick
12.11.2019 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Agrar- Forstwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Eine Fernsteuerung für alles Kleine

Atome, Moleküle oder sogar lebende Zellen lassen sich mit Lichtstrahlen manipulieren. An der TU Wien entwickelte man eine Methode, die solche „optischen Pinzetten“ revolutionieren soll.

Sie erinnern ein bisschen an den „Traktorstrahl“ aus Star Trek: Spezielle Lichtstrahlen werden heute dafür verwendet, Moleküle oder kleine biologische Partikel...

Im Focus: Atome hüpfen nicht gerne Seil

Nanooptische Fallen sind ein vielversprechender Baustein für Quantentechnologien. Forscher aus Österreich und Deutschland haben nun ein wichtiges Hindernis für deren praktischen Einsatz aus dem Weg geräumt. Sie konnten zeigen, dass eine besondere Form von mechanischen Vibrationen gefangene Teilchen in kürzester Zeit aufheizt und aus der Falle stößt.

Mit der Kontrolle einzelner Atome können Quanteneigenschaften erforscht und für technologische Anwendungen nutzbar gemacht werden. Seit rund zehn Jahren...

Im Focus: Der direkte Weg zur Phosphorverbindung: Regensburger Chemiker entwickeln Katalysemethode

Wissenschaftler finden effizientere und umweltfreundlichere Methode, um Produkte ohne Zwischenstufen aus weißem Phosphor herzustellen.

Pflanzenschutzmittel, Dünger, Extraktions- oder Schmiermittel – Phosphorverbindungen sind aus vielen Mitteln für den Alltag und die Industrie nicht...

Im Focus: Atoms don't like jumping rope

Nanooptical traps are a promising building block for quantum technologies. Austrian and German scientists have now removed an important obstacle to their practical use. They were able to show that a special form of mechanical vibration heats trapped particles in a very short time and knocks them out of the trap.

By controlling individual atoms, quantum properties can be investigated and made usable for technological applications. For about ten years, physicists have...

Im Focus: Neu entwickeltes Glas ist biegsam

Eine internationale Forschungsgruppe mit Beteiligung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften hat ein Glasmaterial entwickelt, das sich bei Raumtemperatur bruchfrei verformen lässt. Das berichtet das Team aktuell in "Science". Das extrem harte und zugleich leichte Material verspricht ein großes Anwendungspotential – von Smartphone-Displays bis hin zum Maschinenbau.

Gläser sind ein wesentlicher Bestandteil der modernen Welt. Dabei handelt es sich im Alltag meist um sauerstoffhaltige Gläser, wie sie etwa für Fenster und...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Chemnitzer Linux-Tage 2020: „Mach es einfach!“

18.11.2019 | Veranstaltungen

Humanoide Roboter in Aktion erleben

18.11.2019 | Veranstaltungen

1. Internationale Konferenz zu Agrophotovoltaik im August 2020

15.11.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Neuer Weg entdeckt, um Killerzellen «umzuprogrammieren»

19.11.2019 | Biowissenschaften Chemie

Supereffiziente Flügel heben ab

19.11.2019 | Materialwissenschaften

Energiesysteme neu denken - Lastmanagement mit Blockheizkraftwerk

19.11.2019 | Energie und Elektrotechnik

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics