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Landschaftliche Struktur bestimmt Erfolg ökologischer Maßnahmen

27.02.2012
Göttinger Agrarökologen fordern abgestimmtes Konzept zur Förderung der Artenvielfalt

In der Landwirtschaft können Maßnahmen zum Schutz der Umwelt finanziell durch die Europäische Union unterstützt werden. Deshalb stellen Landwirte im Rahmen von EU-Agrarumweltmaßnahmen auf ökologischen Landbau um oder legen Hecken und blütenreiche Ackerrandstreifen an.


Eine komplex strukturierte, artenreiche Landschaft, die durch eine Vielfalt von Landschaftsstrukturen (Wiesen, Waldränder, Ackerbrachen) geprägt ist. Foto: Universität Göttingen


Eine einfach strukturierte, artenarme Landschaft, bei der Ackerflächen dominieren. Foto: Universität Göttingen

Laut einer Studie an der Universität Göttingen eignen sich diese Maßnahmen vor allem für artenarme Landschaften, die durch Ackerflächen geprägt sind. Landschaften, die ohnehin sehr artenreich sind – wie zum Beispiel Landschaften mit Wiesen, Waldrändern und Ackerbrachen in enger Nachbarschaft – profitieren kaum von weiteren kleinteiligen ökologischen Verbesserungen. Die Göttinger Forscher fordern nun einen differenzierten und aufeinander abgestimmten Einsatz von ökologischen Verbesserungen für artenreiche und artenarme Landschaften. Ihre Ergebnisse wurden in der Zeitschrift Biological Reviews veröffentlicht.

„Leider werden bei den finanziellen Anreizen für Agrarumweltmaßnahmen die jeweils spezifischen Landschaftsstrukturen nicht beachtet, obwohl sie größte Bedeutung für den ökologischen Erfolg haben“, sagt Prof. Dr. Teja Tscharntke, Leiter der Abteilung Agrarökologie der Universität Göttingen. Da der lokale Artenreichtum entscheidend durch die Artenvielfalt in der umgebenden Landschaft beeinflusst wird, fordern die Forscher ergänzend zu den kleinteiligen ökologischen Verbesserungen ein Konzept für großflächigere Maßnahmen. „Beispielsweise ist es für den Erhalt einer großen Artenvielfalt sehr viel effektiver, artenreiche Brachen über alle Regionen in einem Bundesland zu streuen, anstatt sich auf nur eine Region zu beschränken“, so Prof. Tscharntke.

Im Gegensatz zu einer größeren Brachenfläche in einer Region, würden Brachen in sehr vielen Regionen auf insgesamt weniger Fläche mehr Arten schützen. „Eine hohe Artenvielfalt in unseren Kulturlandschaften wird nicht durch den hohen Artenreichtum an einem Ort bewirkt, sondern durch die mit steigender Distanz veränderte Artenzusammensetzung in den einzelnen Lebensräumen“, ergänzt Prof. Tscharntke.

Originalveröffentlichung: Teja Tscharntke et al. (2012): Landscape moderation of biodiversity patterns and processes – eight hypotheses. Biological Reviews. DOI: 10.1111/j.1469-185X.2011.00216.x (published online).

Kontaktadresse:
Prof. Dr. Teja Tscharntke
Georg-August-Universität Göttingen – Fakultät für Agrarwissenschaften
Department für Nutzpflanzenwissenschaften – Abteilung Agrarökologie
Grisebachstraße 6, 37077 Göttingen, Telefon (0551) 39-9205, Fax (0551) 39-8806
E-Mail: ttschar@gwdg.de

Beate Hentschel | idw
Weitere Informationen:
http://www.agroecology.uni-goettingen.de/
http://www.uni-goettingen.de/de/3240.html?cid=4129

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