Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Koffeinierter Nektar ist unwiderstehlich für Honigbienen

16.10.2015

Pflanzen, die ihren Nektar mit Koffein versetzen, können Bienen dazu bringen, mehr Artgenossinnen zu sich zu locken. Zu diesem Schluss kommt ein internationales Team von Biologinnen und Biologen um Margaret Jane Couvillon von der Universität Sussex und den Berner Forscher Roger Schürch.

Für viele ist der beste Start in den Tag eine frische Tasse Kaffee. Jetzt berichten Forschende in der Fachzeitschrift Current Biology vom 15. Oktober, dass Honigbienen koffeinierte Getränke auch unwiderstehlich finden. Bienen bevorzugen demnach eine koffeinierte Nektarquelle gegenüber einer gleichwertigen ohne Koffein.


Eine Biene labt sich am kofffeinhaltigen Nektar einer Zitrusblüte

©Creative Commons


Eine Biene im Versuch an einer koffeinierten Futterquelle.

©Roger Schürch

Die Forschenden schliessen daraus, dass Pflanzen ihren Nektar mit Koffein versetzen, um sozusagen minderwertige Ware loszuwerden. «Wir beschreiben einen bisher unbekannten Weg, wie Pflanzen mit Hilfe von sekundären Pflanzenstoffen im Nektar Honigbienen dazu bringen können, diese Pflanze zu bevorzugen und ihre Artgenossen dorthin mitzubringen – auch wenn die Pflanze ansonsten minderwertigen Nektar anbietet», sagt Margaret Jane Couvillon von der Universität Sussex.

«Die Pflanzen setzen die Bienen gewissermassen unter Drogen und gaukeln ihnen eine höhere Qualität des Nektars vor», fügt Roger Schürch von der Universität Sussex und der Universität Bern hinzu. «Die übertölpelten Bienen sammeln und rekrutieren entsprechend mehr.»

Bienen «fliegen» auf koffeinierte Futterquelle

Die Forschenden gingen für ihre Untersuchung von älteren Studien aus, die gezeigt haben, dass sich Honigbienen Düfte besser merken konnten, wenn sie unter dem Einfluss von Koffein standen. Diese früheren Resultate legten eine Beteiligung des Belohnungszentrums nahe. «Ich habe mich gefragt, wie Koffein das natürliche Verhalten der Bienen in der Natur beeinflussen würde, besonders weil viele Pflanzen Koffein in niedrigen Dosen enthalten», sagt Couvillon.

Um diese Frage zu klären, untersuchten die Forschenden die Reaktion der Bienen auf eine Zuckerlösung, die mit Dosen von Koffein versetzt waren, wie sie auch im Nektar von Pflanzen zu finden sind. Sie fanden heraus, dass Koffein die Honigbienen zu mehr Sammeltätigkeit anregte, und dass die Bienen, die vom koffeinierten Zuckerwasser genascht hatten, auch ihre Artgenossinnen vermehrt zur Futterquelle leiteten, indem sie im Stock häufiger den sogenannten Schwänzeltanz zeigten. Das Koffein vervierfachte gar die Rekrutierung durch den Tanz im Vergleich zu Kontrollfutterstellen ohne Koffein.

Die Bienen hielten auch dann an den Futterstellen mit Koffein fest und kehrten zu diesen zurück, nachdem sie kein Zuckerwasser mehr im Angebot hatten, und sie suchten weniger nach alternativen Futterquellen. «Wir waren überrascht, welch durchgängigen Effekt das Koffein auf die Nahrungssuche und die Rekrutierung hatte. Insgesamt bindet Koffein den Bienenstock mehr an eine Futterquelle, als wenn eine vom Zuckergehalt her gleichwertige Futterquelle angeboten wird», sagt Schürch.

Interessen von Pflanzen und Bienen nicht immer deckungsgleich

Basierend auf den Beobachtungen des Verhaltens einzelner Bienen und anhand eines Modells machen die Wissenschaftler die Vorhersage, dass Bienenstöcke Einbussen in der Honigproduktion hinnehmen müssten, falls die Pflanzen dank der höheren Attraktivität des Nektars den Zuckergehalt senken können – eine Erinnerung daran, dass Interessen der Pflanzen und ihrer Bestäuber nicht immer deckungsgleich sind.

Die Autoren der Studie sagen, dass es nun interessant wäre, herauszufinden ob Pflanzen den Zuckergehalt im Nektar tatsächlich senken, wenn sie sekundäre Pflanzenstoffe im Nektar anbieten. Und sie merken an, dass Koffein nicht der einzige sekundäre Pflanzenstoff ist, der im Nektar zu finden ist. «Mich nimmt Wunder, wie andere Inhaltstoffe Bienen beeinflussen», sagt Couvillon. «Es wäre möglich, dass Chemie ein gängiger Weg ist, wie eine Pflanze die Oberhand über die Bestäuber gewinnen und sie für ihre Zwecke benutzen kann.»

Angaben zur Publikation:
Couvillon et al.: «Buzzing bees: caffeinated forage tricks honey bees into increasing foraging and recruitment behaviors», Current Biology, 15.10.2015, http://dx.doi.org/10.1016/j.cub.2015.08.052

Weitere Informationen:

http://tinyurl.com/Koffeinbienen

Nathalie Matter | Universität Bern

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Agrar- Forstwissenschaften:

nachricht Space Farming dank Pflanzenhormon Strigolacton
17.10.2018 | Universität Zürich

nachricht Neue Erkenntnisse über Dürre und Hitzeanfälligkeit bei Mais und Weizen
15.10.2018 | Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Agrar- Forstwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Größter Galaxien-Proto-Superhaufen entdeckt

Astronomen enttarnen mit dem ESO Very Large Telescope einen kosmischen Titanen, der im frühen Universum lauert

Ein Team von Astronomen unter der Leitung von Olga Cucciati vom Istituto Nazionale di Astrofisica (INAF) Bologna hat mit dem VIMOS-Instrument am Very Large...

Im Focus: Auf Wiedersehen, Silizium? Auf dem Weg zu neuen Materalien für die Elektronik

Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Polymerforschung (MPI-P) in Mainz haben zusammen mit Wissenschaftlern aus Dresden, Leipzig, Sofia (Bulgarien) und Madrid (Spanien) ein neues, metall-organisches Material entwickelt, welches ähnliche Eigenschaften wie kristallines Silizium aufweist. Das mit einfachen Mitteln bei Raumtemperatur herstellbare Material könnte in Zukunft als Ersatz für konventionelle nicht-organische Materialien dienen, die in der Optoelektronik genutzt werden.

Bei der Herstellung von elektronischen Komponenten wie Solarzellen, LEDs oder Computerchips wird heutzutage vorrangig Silizium eingesetzt. Für diese...

Im Focus: Goodbye, silicon? On the way to new electronic materials with metal-organic networks

Scientists at the Max Planck Institute for Polymer Research (MPI-P) in Mainz (Germany) together with scientists from Dresden, Leipzig, Sofia (Bulgaria) and Madrid (Spain) have now developed and characterized a novel, metal-organic material which displays electrical properties mimicking those of highly crystalline silicon. The material which can easily be fabricated at room temperature could serve as a replacement for expensive conventional inorganic materials used in optoelectronics.

Silicon, a so called semiconductor, is currently widely employed for the development of components such as solar cells, LEDs or computer chips. High purity...

Im Focus: Blauer Phosphor – jetzt erstmals vermessen und kartiert

Die Existenz von „Blauem“ Phosphor war bis vor kurzem reine Theorie: Nun konnte ein HZB-Team erstmals Proben aus blauem Phosphor an BESSY II untersuchen und über ihre elektronische Bandstruktur bestätigen, dass es sich dabei tatsächlich um diese exotische Phosphor-Modifikation handelt. Blauer Phosphor ist ein interessanter Kandidat für neue optoelektronische Bauelemente.

Das Element Phosphor tritt in vielerlei Gestalt auf und wechselt mit jeder neuen Modifikation auch den Katalog seiner Eigenschaften. Bisher bekannt waren...

Im Focus: Chemiker der Universitäten Rostock und Yale zeigen erstmals Dreierkette aus gleichgeladenen Ionen

Die Forschungskooperation zwischen der Universität Yale und der Universität Rostock hat neue wissenschaftliche Ergebnisse hervorgebracht. In der renommierten Zeitschrift „Angewandte Chemie“ berichten die Wissenschaftler über eine Dreierkette aus Ionen gleicher Ladung, die durch sogenannte Wasserstoffbrücken zusammengehalten werden. Damit zeigen die Forscher zum ersten Mal eine Dreierkette aus gleichgeladenen Ionen, die sich im Grunde abstoßen.

Die erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen den Professoren Mark Johnson, einem weltbekannten Cluster-Forscher, und Ralf Ludwig aus der Physikalischen Chemie der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Rettungsdienst und Feuerwehr - Beschaffung von Rettungsdienstfahrzeugen, -Geräten und -Material

18.10.2018 | Veranstaltungen

11. Jenaer Lasertagung

16.10.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Dezember 2018

16.10.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Nanodiamanten als Photokatalysatoren

18.10.2018 | Materialwissenschaften

Schichten aus Braunschweig auf dem Weg zum Merkur

18.10.2018 | Physik Astronomie

Rettungsdienst und Feuerwehr - Beschaffung von Rettungsdienstfahrzeugen, -Geräten und -Material

18.10.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics