Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

EU startet Tool zur Nachhaltigkeitsbewertung in der Forstwirtschaft

16.06.2010
Forestry Research Institute in Schweden, Forschungskoordinator des Programms, klar. "ToSIA erleichtert objektive Antworten auf Was-wäre-wenn-Fragen und hebt die Folgen der verschiedenen denkbaren Zukunftsszenarien hervor." Rosén nennt als Beispiel die möglichen Auswirkungen auf die Treibhausgasemissionen, wenn der Bau von Holzhäusern um 25 Prozent zunehmen würde.

EU-Forscher haben ein Tool entwickelt, das Regierungen und die Industrie dabei unterstützen soll, nachhaltige Entwicklung zum obersten Ziel der EU-Forstwirtschaft zu erklären. ToSIA, Werkzeug für Nachhaltigkeitsbewertung (Tool for sustainability impact assessment), erlaubt es politischen Entscheidungsträgern, die wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Elemente einer nachhaltigen Entwicklung gleichermaßen in Betracht zu ziehen. Die EU-Unterstützung in Form des EFORWOOD-Projekts ("Tools for sustainability impact assessment of the forestry-wood chain") ist eine der größten europäischen Forstwirtschaft-Forschungsstudien mit einem Budget von 20 Mio. EUR, das einen Beitrag von fast 13 Mio. EUR aus dem Themenbereich "Nachhaltige Entwicklung, globale Veränderungen und Ökosysteme" des Sechsten EU-Rahmenprogramms (FP6) beinhaltet.

Die jüngst von der Europäischen Kommission angekündigte Vision 2020 rückt die nachhaltige Entwicklung dauerhaft in den Mittelpunkt der EU-Politikgestaltung. Mit der Schaffung von ToSIA, einem computergestützten Werkzeug zur Entscheidungshilfe, möchte die EU sichergehen, dass der Forstwirtschaftssektor eine führende Position in dieser Vision einnimmt.

ToSIA hat den Forschern zufolge nun objektive Informationen zu bieten, die genau zeigen, auf welche Weise Veränderungen in der Forstwirtschaft Faktoren wie Beschäftigung, Wirtschaft, Biodiversität und Treibhausgasemissionen beeinflussen.

"Es handelt sich weder um ein Instrument zur Vorhersage der Zukunft noch um ein Mittel, das festlegt, ob etwas gut oder schlecht ist", stellt Kaj Rosén vom

Politische Entscheidungsträger, die die Vorteile des Systems nutzen wollen, werden Zugang zu der ToSIA-Toolbox - einem Datenerhebungsprotokoll, das erklärt, wo die für eine Bewertung von Nachhaltigkeitsauswirkungen benötigten Indikatorwerte zu finden und wie sie zu berechnen sind -, dem Daten-Clienten und der EFORWOOD-Datenbank, dem ToSIA-Rechner sowie Bewertungstools und der Datenbank für die politische Analyse erhalten.

Mit Hilfe dieses Werkzeugkastens untersucht ToSIA die gesamte Wertschöpfungskette des Forstsektors - vom lebenden Wald bis zum fertigen Produkt bzw. Wiederaufbau/Rückgewinnung bis zum Ende des Lebenszyklus, wobei Indikatoren verwendet werden, um die wirtschaftlichen, ökologischen und sozialen Aspekte der Nachhaltigkeit und wie sie diese im Laufe der Zeit verändern zu beschreiben. Die Analyse kann an spezifische Anforderungen angepasst werden. Beispielsweise kann sie geographisch betrachtet einen einzelnen Landstrich oder eine Region abdecken oder auf Gesamt-EU-Ebene angewendet werden. Ebenso kann eine Analyse der gesamten Prozesskette oder nur eines Teils davon vorgenommen werden, oder sie kann auf nur ein oder zwei Indikatoren für Nachhaltigkeit beschränkt werden.

Die Forscher geben durchaus zu, dass es nicht unbedingt einfach sei, ToSIA-Resultate zu interpretieren: Wie zum Beispiel soll eine Regierung eine Zunahme der Beschäftigung gegen einen Rückgang der biologischen Vielfalt abwägen? Deshalb wurde auch eine Vielzahl von Verfahren erarbeitet, die darauf abzielen, den Nutzer durch derartige Schwierigkeiten einschließlich Kosten-Nutzen- und Multi-Kriterien-Analysen hindurch zu lotsen. Letztere erlauben es dem Nutzer, die verschiedenen Indikatoren zu priorisieren und zu einem Nachhaltigkeitsindex zusammenzufassen, der es ermöglicht, Variablen zu vergleichen, die in der Theorie nicht vergleichbar sind.

Das EFORWOOD-Projekt, in dem 38 Partner aus 21 Ländern vereint sind, wurde in 4 Fallstudien getestet: (1) In Västerbotten, Nordschweden, analysierten die Forscher die Auswirkungen auf die nachhaltige Entwicklung, wenn in Sägewerken neue Technologien wie etwa das Holz-Scannen zum Identifizieren von Fehlern im Holz eingeführt wurden. (2) In Baden Württemberg, Südwest-Deutschland, sahen sie sich an, was im Forstwirtschaftssektor passieren würde, wenn in der Region die 20-20-20-Politik der EU zu erneuerbaren Energien in vollem Umfang umgesetzt werden würde. (3) Auf der Iberischen Halbinsel untersuchten die Forscher das Verbraucherverhalten und dessen Auswirkungen auf den Verbrauch an forstwirtschaftlichen Erzeugnissen. (4) Die Wissenschaftler analysierten schließlich in der gesamten EU, was rund um das Thema Nachhaltigkeit im europäischen Forstsektor passieren würde, wenn die Naturschutzrichtlinie (Natura 2000) in einem ehrgeizigeren Maßstab umgesetzt würde.

Das ToSIA-Programm an sich ist kostenlos, aber den Nutzern wird empfohlen, zur Durchführung einer Analyse einen Berater aus dem Projektkonsortium einzustellen.

Das Projekt-Factsheet auf CORDIS finden Sie hier:
http://cordis.europa.eu/fetch?CALLER=FP6_PROJ&ACTION=D&RCN=78752

| CORDIS
Weitere Informationen:
http://87.192.2.62/eforwood/default.aspx
http://www.kooperation-international.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Agrar- Forstwissenschaften:

nachricht Bäume im Klimawandel: Schneller groß mit leichterem Holz
14.08.2018 | Technische Universität München

nachricht Göttinger Agrarökologen erforschen Nahrungsnetze von Bestäubern und natürlichen Gegenspielern
07.08.2018 | Georg-August-Universität Göttingen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Agrar- Forstwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Neue interaktive Software: Maschinelles Lernen macht Autodesigns aerodynamischer

Neue Software verwendet erstmals maschinelles Lernen um Strömungsfelder um interaktiv designbare 3D-Objekte zu berechnen. Methode wird auf der renommierten SIGGRAPH-Konferenz vorgestellt

Wollen Ingenieure oder Designer die aerodynamischen Eigenschaften eines neu gestalteten Autos, eines Flugzeugs oder anderer Objekte testen, lassen sie den...

Im Focus: New interactive machine learning tool makes car designs more aerodynamic

Scientists develop first tool to use machine learning methods to compute flow around interactively designable 3D objects. Tool will be presented at this year’s prestigious SIGGRAPH conference.

When engineers or designers want to test the aerodynamic properties of the newly designed shape of a car, airplane, or other object, they would normally model...

Im Focus: Der Roboter als „Tankwart“: TU Graz entwickelt robotergesteuertes Schnellladesystem für E-Fahrzeuge

Eine Weltneuheit präsentieren Forschende der TU Graz gemeinsam mit Industriepartnern: Den Prototypen eines robotergesteuerten CCS-Schnellladesystems für Elektrofahrzeuge, das erstmals auch das serielle Laden von Fahrzeugen in unterschiedlichen Parkpositionen ermöglicht.

Für elektrisch angetriebene Fahrzeuge werden weltweit hohe Wachstumsraten prognostiziert: 2025, so die Prognosen, wird es jährlich bereits 25 Millionen...

Im Focus: Robots as 'pump attendants': TU Graz develops robot-controlled rapid charging system for e-vehicles

Researchers from TU Graz and their industry partners have unveiled a world first: the prototype of a robot-controlled, high-speed combined charging system (CCS) for electric vehicles that enables series charging of cars in various parking positions.

Global demand for electric vehicles is forecast to rise sharply: by 2025, the number of new vehicle registrations is expected to reach 25 million per year....

Im Focus: Der „TRiC” bei der Aktinfaltung

Damit Proteine ihre Aufgaben in Zellen wahrnehmen können, müssen sie richtig gefaltet sein. Molekulare Assistenten, sogenannte Chaperone, unterstützen Proteine dabei, sich in ihre funktionsfähige, dreidimensionale Struktur zu falten. Während die meisten Proteine sich bis zu einem bestimmten Grad ohne Hilfe falten können, haben Forscher am Max-Planck-Institut für Biochemie nun gezeigt, dass Aktin komplett von den Chaperonen abhängig ist. Aktin ist das am häufigsten vorkommende Protein in höher entwickelten Zellen. Das Chaperon TRiC wendet einen bislang noch nicht beschriebenen Mechanismus für die Proteinfaltung an. Die Studie wurde im Fachfachjournal Cell publiziert.

Bei Aktin handelt es sich um das am häufigsten vorkommende Protein in höher entwickelten Zellen, das bei Prozessen wie Zellstabilisation, Zellteilung und...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Das Architekturmodell in Zeiten der Digitalen Transformation

14.08.2018 | Veranstaltungen

EEA-ESEM Konferenz findet an der Uni Köln statt

13.08.2018 | Veranstaltungen

Digitalisierung in der chemischen Industrie

09.08.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Kleine Helfer bei der Zellreinigung

14.08.2018 | Biowissenschaften Chemie

Neue Oberflächeneigenschaften für holzbasierte Werkstoffe

14.08.2018 | Materialwissenschaften

Fraunhofer IPT unterstützt Zweitplatzierten bei SpaceX-Wettbewerb

14.08.2018 | Förderungen Preise

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics