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Biomasse innovativ genutzt - Pilotanlage zur Verarbeitung von Hanf in Betrieb genommen

27.03.2007
Im Beisein von Brandenburgs Agrar- und Umweltminister Dietmar Woidke (SPD) wurde heute am Leibniz-Institut für Agrartechnik in Potsdam-Bornim eine Pilotanlage zur Herstellung von industriellen Endprodukten aus konservierten Naturfasern feierlich in Betrieb genommen.

Damit wird erstmals eine Verarbeitung von landwirtschaftlich erzeugten pflanzlichen Faserrohstoffen, z. B. Hanf, zu wettbewerbsfähigen Bedingungen im industrienahen Maßstab realisiert.

"Wir stehen im Bereich nachwachsender Rohstoffe noch am Anfang einer großen Entwicklung", sagte Minister Woidke und verwies auf die Innovationskraft einer engen Kooperation zwischen Wissenschaft und Wirtschaft. Von dem hier gezeigten neuen Verfahren profitiere nicht nur die Landwirtschaft, auch die verarbeitende Industrie erhielte bessere Exportchancen, hob Minister Woidke hervor.

Naturfasern werden seit langem erfolgreich zu Bau- und Dämmstoffen weiterverarbeitet. Sie finden Einsatz als Verstärkungsfasern in höherwertigen Verbundwerkstoffen für hohe Anforderungen im Automobil- und Flugzeugbau. Mit dem am ATB gemeinsam mit der TU Dresden entwickelten und patentierten Verfahren wollen die Potsdamer Wissenschaftler eine zukunftsweisende energieeffiziente und kostensparende Produktionsalternative für diese bisher noch vergleichsweise teuren bio-basierten Produkte schaffen.

Die Faserpflanze, beispielsweise Hanf, wird dabei zum Erntezeitpunkt vom Halm gehäckselt, anschließend ähnlich wie Maissilage konserviert und danach als Konservat zu verschiede-nen Werkstoffen und Endprodukten verarbeitet. Die Produkte werden aus der gesamten Pflanzenmasse hergestellt, so dass keinerlei umweltbelastende Abfallprodukte anfallen.

Positive Wirkungen auf die Umwelt resultieren auch aus dem bis zu 20-fach geringeren Energiebedarf bei der Herstellung von Naturfaser-Dämmstoffen gegenüber etablierten Materialien, einer Gewichtsreduzierung von Konstruktionselementen in der Fahrzeugindustrie und der damit verbundenen Kraftstoffeinsparung sowie der weitgehenden CO2-Neutralität nachwachsender Rohstoffe. Für den Landwirt ergeben sich zusätzliche Einkommensmöglichkeiten, zumal wenn die Verarbeitung bis zum verkaufsfähigen Endprodukt dezentral im ländlichen Raum erfolgt.

Mit Hilfe der Pilotanlage wird das Verfahren weiter entwickelt und für die Praxis erprobt. Angestrebt wird u. a. eine Verminderung des Ressourcenverbrauchs sowie eine Halbierung der Investitions- und Verfahrenskosten.

Die Errichtung der Pilotanlage wurden von der EU mit 1,04 Mio. Euro gefördert, Land und Bund waren mit je 172 Tausend Euro Fördersumme beteiligt.

"Biomasse birgt ein großes Potenzial, nicht nur für die Energiegewinnung. Mit der Anlage erfolgt nicht nur ein weiterer Ausbau der komplexen Biomasseforschung am ATB, auch die Region Potsdam profiliert sich damit noch stärker als innovativer Agrarforschungsstandort", so Prof. Reiner Brunsch, der wissenschaftliche Direktor des ATB.

Prof. Ryszard Kozlowski, Direktor des polnischen Naturfaserinstituts und Leiter des FAO-Forschungsnetzwerkes Naturfasern, hob die weltweit zunehmende Bedeutung der Naturfaserproduktion hervor.

Um angesichts knapper werdender fossiler Ressourcen die Aufmerksamkeit auf diese wertvollen Rohstoffe zu lenken, hat die Generalversammlung der Vereinten Nationen das Jahr 2009 zum 'Jahr der Naturfasern' erklärt.

Das Leibniz-Institut für Agrartechnik Potsdam-Bornim e.V. (ATB) zählt zu den führenden agrartechnischen Forschungseinrichtungen in Europa. Mit seinen Forschungsergebnissen liefert das Institut nicht nur Grundlagen für die Entwicklung der Wirtschaft in der Region, die sich aus der Forschung ergebenden spezifischen Lösungen sind auch überregional beispielgebend.

Helene Foltan | idw
Weitere Informationen:
http://www.atb-potsdam.de

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