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Forstwissenschaftler analysieren Genomsequenzen von Speisepilz und Fäulepilz

30.08.2006
Untersuchungen zu Holzabbauprozessen sind Teil eines internationalen Forschungsverbundes

Forstwissenschaftler der Universität Göttingen analysieren die Genomsequenzen von zwei Pilzarten, die auf Holz wachsen und dabei Holz abbauen. Unter der Leitung von Prof. Dr. Ursula Kües untersuchen sie die für diesen Abbau verantwortlichen Enzyme in einem Speisepilz und einem Fäulepilz.

Neben den Abbauprozessen interessieren sich die Forscher auch für Anwendungspotentiale in der biotechnologischen Forst- und Holzwirtschaft. Die Sequenzierung der Genome erfolgt am Joint Genome Institute in Kalifornien (USA) als Teil des internationalen "Community Sequencing Program", in dem sich Forschergruppen aus Europa, Israel und den USA zusammengeschlossen haben. Von der Georgia Augusta beteiligt sich daran das Institut für Forstbotanik. Prof. Kües arbeitet dabei mit Experten aus Jerusalem und Hannover zusammen.

Nach Angaben von Prof. Kües analysieren die Göttinger Wissenschaftler das Genom des zweitwichtigsten Speisepilzes der Welt, des Austernseitlings Pleurotus ostreatus. Durch dessen Genomanalyse erhoffen sich die Forscher Erkenntnisse darüber, wie der Pilz und seine Enzyme in der Biotechnologie eingesetzt werden können. "In der Produktion von Faserplatten wird derzeit der Einsatz des vom Austernseitling produzierten Enzyms Laccase bei der Verklebung von Fasern getestet", so Prof. Kües. Darüber hinaus sollen gemeinsam mit Prof. Dr. Ralf Günter Berger von der Universität Hannover verschiedene andere Substanzen des Pilzes auf ihre mögliche Bedeutung für die Medizin untersucht werden.

Gegenstand der Forschungsarbeiten ist daneben der Pilz Heterobasidion annosum. "Er verursacht Rotfäule bei Kiefern und Fichten und richtet in den Wäldern weltweit wirtschaftliche Schäden in Millionenhöhe an", erklärt die Forstwissenschaftlerin. Hier wollen die Forscher herausfinden, warum dieser Pilz im Gegensatz zu Pleurotus nicht nur Totholz abbaut, sondern auch das Holz im lebenden Baum verarbeitet. Die Untersuchungsergebnisse werden anschließend verglichen mit den Genomanalysen von zwei anderen Pilzen der gleichen Gruppe, die zur Zeit am Göttinger Institut durchgeführt werden, nachdem sie in den Jahren 2003 und 2005 sequenziert worden sind.

Die aktuellen Arbeiten sind Teil des Forschungsschwerpunktes von Prof. Kües. Sie wurde 2001 auf eine von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt finanzierte Stiftungsprofessur für Molekulare Holzbiotechnologie an die Georgia Augusta berufen und begann hier mit den Forschungen an Pleurotus. Seit Mai dieses Jahres untersucht die Wissenschaftlerin diesen Speisepilz in Kooperation mit Prof. Dr. Yitzhak Hadar von der Hebräischen Universität Jerusalem (Israel). Das Gemeinschaftsvorhaben wird von der VolkswagenStiftung gefördert. Darüber hinaus erhält das Institut für Forstbotanik Fördergelder des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, um unter anderem neue Verwertungsstrategien für mit Rotfäule befallenes Holz zu untersuchen.

Kontaktadresse:
Prof. Dr. Ursula Kües
Georg-August-Universität Göttingen
Fakultät für Forstwissenschaften und Waldökologie
Institut für Forstbotanik - Abteilung Technische Mykologie
Büsgenweg 2, 37077 Göttingen
Telefon (0551) 39-7024, Fax (0551) 39-2705
e-mail: ukuees@uni-goettingen.de

Marietta Fuhrmann-Koch | idw
Weitere Informationen:
http://www.forst.uni-goettingen.de

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