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Mit BSE-Maßnahmen wurde Verbrauchervertrauen zurückgewonnen

22.11.2001


Sonnleitner spricht sich gegen Lockerung des Tiermehlverbotes aus

Seit dem ersten BSE-Fall in Deutschland am 24. November 2000 sind alle denkbaren Maßnahmen zur Qualitätssicherung und zur Risikominimierung ergriffen worden. Dadurch konnte das Vertrauen der Verbraucher in Rindfleisch wieder weitgehend zurückgewonnen werden. Angesichts noch offener wissenschaftlicher Fragen, vor allem bei den Ursachen und Wegen der Infektion, müsse jedoch weiterhin alles unternommen werden, die Rinderkrankheit auszumerzen. Dies erklärte der Präsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV), Gerd Sonnleitner, in Erinnerung an das Auftreten des ersten BSE-Falls vor einem Jahr.

Den größten wirtschaftlichen Schaden hätten die spezialisierten Rinderhalter erlitten. "Sie sind die Opfer der BSE-Krise, da sie durch einen Preisverfall den größten Teil der entstandenen Kosten übernehmen", stellte Sonnleitner fest. Für jedes Rind werde derzeit 350 bis 450 D-Mark weniger erlöst als vor der BSE-Krise. Mit den Ausgaben für BSE-Schnelltests, die Entfernung der Risikomaterialien und die Entsorgung der Tiermehle stiegen die Kosten für die deutsche Landwirtschaft auf insgesamt über 2 Milliarden D-Mark. Den größten Imageschaden durch die BSE-Krise hätten nach Meinungsumfragen des Institutes für Demoskopie Allensbach die Politik und die Lebensmittelindustrie erlitten. Die Bauern selbst und der Berufsstand hätten durch BSE bei der Bevölkerung keineswegs an Sympathie verloren, erklärte Sonnleitner. Einigen Produktionsmethoden stünden die Verbraucher jedoch nach vor skeptisch gegenüber.

Zum Glück seien wesentlich weniger Tiere als befürchtet in Deutschland mit dem Erreger infiziert. Bei 2 Millionen auf BSE getesteten Rindern wurden bisher 124 BSE-Fälle festgestellt. Dies dürfe jedoch nicht dazu verleiten, die EU-weit ergriffenen Maßnahmen aufzuweichen. Sonnleitner sprach sich strikt gegen die in Brüssel diskutierte Lockerung des Verfütterungsverbots von Tiermehl aus. Europaweit würden noch große Mengen an Tiermehl gelagert. Bei einer Aufweichung des Tiermehlverbots bestehe die Gefahr der Verunreinigung oder Vermischung mit anderen Futtermitteln.

Vertrauensbildend wirke zusätzlich die Schaffung eines Qualitätssicherungssystems über die gesamte Kette der Lebensmittelerzeugung hinweg. Mit der Gründung der Gesellschaft Qualität und Sicherheit (QS), die über ein Prüfsystem und eine systematische Datenerfassung die Rindfleischerzeugung transparent mache, hätten alle Beteiligten vom Rindfleischerzeuger bis zum Lebensmittelhandel Lehren aus der BSE-Krise gezogen, betonte Sonnleitner. Grundlage des Qualitätssicherungssystems sei ein gemeinsam abgestimmter Prüfkriterienkatalog, der kontinuierlich neuen Erfordernissen angepasst werden soll. Dieses System werde auch für weitere Produkte wie zum Beispiel Obst und Gemüse weiterentwickelt.

Angesichts des wirtschaftlichen Desasters der rinderhaltenden Betriebe forderte Sonnleitner Bundesministerin Renate Künast auf, sie durch ein Hilfs- und Liquiditätsprogramm endlich stärker zu unterstützen. Frankreich als Hauptkonkurrent der deutschen Rindfleischerzeuger unterstütze seine Rinderhalter mittlerweile mit Direkt- und Sonderzahlungen in Höhe von einer halben Milliarde D-Mark. Dabei erhalte ein französischer Rinderhalter eine Hilfe von umgerechnet 300 D-Mark pro Rind. Für Deutschland befürchtet Sonnleitner als Folge der BSE-Krise und der derzeitigen nationalen Politik einen beschleunigten Strukturwandel in der Landwirtschaft.

DBV-Pressedienst | ots

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