Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Kenntnisstand über BSE ungenügend

02.03.2001


Stellungnahme der Agrar- und Umweltwissenschaftlichen Fakultät der Universität Rostock

Die agrarwissenschaftlichen Lehr- und Forschungseinrichtungen des Landes Mecklenburg-Vorpommern stellen fest, dass der Kenntnisstand über die Gehirnerkrankung bei Rindern (BSE) ungenügend ist.

Das gegenwärtige Wissen um diese Erkrankung reicht nicht aus, um

  • die exakten Mechanismen der Entstehung der Erkrankung,
  • die Verbreitung der BSE und den Übertragungsweg beim Rind sowie über die Tierart Rind     hinaus,
  • Aussagen über die minimale infektiöse Dosis
  • die mögliche Verwertung von Tiermehl im biologischen Kreislauf,
  • eine Diagnose am lebenden Tier

definitiv zu beurteilen und eine Bewertung mit Schlussfolgerungen für wissenschaftlich begründete Entscheidungen vornehmen zu können.

Alle Entscheidungen und Handlungen im Zuge der BSE-Krise sind von der Vorsorge für den Verbraucher getragen, ohne dass jede Entscheidung wissenschaftlich begründbar ist. Das trifft auch für die Maßnahme der Bestandskeulung zu, auch wenn dem vorsorgenden Verbraucherschutz Priorität einzuräumen ist und das Vertrauen der Verbraucher in das Rindfleisch und gegenüber den Landwirten schnell wieder hergestellt werden muss, ist das Keulen ganzer Tierbestände beim Auftreten eines BSE-infizierten Einzeltieres aus verschiedenen Gründen diskussionswürdig und wissenschaftlich nicht zu begründen. Durch Maßnahmen wie Kohortenschlachtungen, eine umfassende und sichere Entfernung und Beseitigung der Risikogewebe und Modifikationen des Schlacht- und Zerlegeprozesses zur Vermeidung der Kontamination von risikoarmem Muskelgewebe, könnte aus heutiger Sicht dem vorbeugenden Verbraucherschutz ebenso Rechnung getragen werden. Es müssen wieder solide Informationen zum Erkrankungsgeschehen und den Risiken zur Beruhigung der Gemüter dominieren, gegenüber medienträchtigen, ideologisierten Darstellungen, die eher die allgemeine Verunsicherung schüren.

Das Umdenken bei den politischen Entscheidungsträgern in Richtung eines neuen Ansatzes in der Agrarpolitik in Deutschland ist eine Konsequenz aus der BSE-Krise. Um zu einem neuen Ansatz in der Agrarpolitik zu kommen, sind kritische und fundierte Analysen notwendig. Das alleinige Umschalten auf eine extensive Landwirtschaft und den ökologischen Landbau wird einem neuen Ansatz in der Agrarpolitik nicht gerecht. Es geht vielmehr darum, verbraucher-, qualitäts- und marktgerecht nach wissenschaftlich begründeten, ökologisch orientierten und nachhaltig wirkenden Grundsätzen die Landwirtschaft insgesamt und die Rinderproduktion im besonderen zu organisieren. Dabei ist Transparenz in allen Bereichen der Produktion zu sichern und das vom Boden über das Futter zum Tier, vom Tier über den Schlachtprozess bis hin zur Ladentheke.

Neben der Transparenz ist die Definition der Qualität des tierischen Produktes entscheidend. Ein Produkt ist nicht deshalb gut, weil es aus dem ökologischen Landbau kommt, sondern es muss vielmehr definierte Kriterien der Tierhaltung, der Fütterung und Hygiene erfüllen, die für alle Produktionsformen und Regionen die gleichen sind.
Die Agrarwissenschaft stellt fest, dass dieses nur möglich ist, wenn alle Beteiligten ihren Beitrag zur Klärung leisten - der Landwirt, die Futtermittel- und Lebensmittelindustrie, der Handel, die Wissenschaft und die Politik.

Ziel muss es sein, den Krankheitsverlauf zu entschlüsseln und akzeptable Kontrollmechanismen zu entwickeln.
Die Agrarwissenschaft stellt sich den Aufgaben des Landes und sieht dabei folgende Schwerpunkte:

  • Organisation einer verbraucher-, qualitäts- und marktgerechten Agrarstruktur, die nach den Prinzipien der ökologischen und nachhaltigen Produktion wirtschaftet.
  • Sicherung der Transparenz in allen Bereichen der landwirtschaftlichen Produktion vom Acker bis zur Ladentheke,
  • Optimierung von landwirtschaftlichen Produktionsverfahren und Aufzeigen von Alternativen zur Sicherung der Rentabilität der landwirtschaftlichen Unternehmen.

Die agrarwissenschaftlichen Einrichtungen des Landes stehen dazu, die Neuorientierung
in der landwirtschaftlichen Produktion wissenschaftlich zu begleiten und kurzfristig Empfehlungen zu erarbeiten. Diese Maßnahmen werden sich in einem Aktionsprogramm der Forschung widerspiegeln.


Landesforschungsanstalt für Landwirtschaft und Fischerei MV
Forschungsinstitut für die Biologie landwirtschaftlicher Nutztiere
Fachhochschule Neubrandenburg, FB Agrarwirtschaft und Landesarchitektur
Universität Rostock, Agrar- und Umweltwissenschaftliche Fakultät

Ansprechpartner:
Prof. Dr. Martin Gabel
T: 0381 498 2171

Dr.-Ing. Karl-Heinz Kutz | idw

Weitere Berichte zu: BSE Kenntnisstand Transparenz Verbraucherschutz

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Agrar- Forstwissenschaften:

nachricht Gene gegen die Trockenheit
06.12.2019 | Goethe-Universität Frankfurt am Main

nachricht Süßkartoffel warnt ihre Nachbarn bei Befall durch einen einzigen Duftstoff
02.12.2019 | Max-Planck-Institut für chemische Ökologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Agrar- Forstwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wie Graphen-Nanostrukturen magnetisch werden

Graphen, eine zweidimensionale Struktur aus Kohlenstoff, ist ein Material mit hervorragenden mechanischen, elektronischen und optischen Eigenschaften. Doch für magnetische Anwendungen schien es bislang nicht nutzbar. Forschern der Empa ist es gemeinsam mit internationalen Partnern nun gelungen, ein in den 1970er Jahren vorhergesagtes Molekül zu synthetisieren, welches beweist, dass Graphen-Nanostrukturen in ganz bestimmten Formen magnetische Eigenschaften aufweisen, die künftige spintronische Anwendungen erlauben könnten. Die Ergebnisse sind eben im renommierten Fachmagazin Nature Nanotechnology erschienen.

Graphen-Nanostrukturen (auch Nanographene genannt) können, je nach Form und Ausrichtung der Ränder, ganz unterschiedliche Eigenschaften besitzen - zum Beispiel...

Im Focus: How to induce magnetism in graphene

Graphene, a two-dimensional structure made of carbon, is a material with excellent mechanical, electronic and optical properties. However, it did not seem suitable for magnetic applications. Together with international partners, Empa researchers have now succeeded in synthesizing a unique nanographene predicted in the 1970s, which conclusively demonstrates that carbon in very specific forms has magnetic properties that could permit future spintronic applications. The results have just been published in the renowned journal Nature Nanotechnology.

Depending on the shape and orientation of their edges, graphene nanostructures (also known as nanographenes) can have very different properties – for example,...

Im Focus: Geminiden - Die Wünsch-dir-was-Sternschnuppen vor Weihnachten

Gemeinsame Pressemitteilung der Vereinigung der Sternfreunde (VdS) und des Hauses der Astronomie in Heidelberg - Die Geminiden, die Mitte Dezember zu sehen sind, sind der "zuverlässigste" der großen Sternschnuppen-Ströme mit bis zu 120 Sternschnuppen pro Stunde. Leider stört in diesem Jahr der Mond zur besten Beobachtungszeit.

Sie wurden nach dem Sternbild Zwillinge benannt: Die „Geminiden“ sorgen Mitte Dezember immer für ein schönes Sternschnuppenschauspiel. In diesem Jahr sind die...

Im Focus: Electronic map reveals 'rules of the road' in superconductor

Band structure map exposes iron selenide's enigmatic electronic signature

Using a clever technique that causes unruly crystals of iron selenide to snap into alignment, Rice University physicists have drawn a detailed map that reveals...

Im Focus: Das 136 Millionen Atom-Modell: Wissenschaftler simulieren Photosynthese

Die Umwandlung von Sonnenlicht in chemische Energie ist für das Leben unerlässlich. In einer der größten Simulationen eines Biosystems weltweit haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler diesen komplexen Prozess an einem Bestandteil eines Bakteriums nachgeahmt – am Computer, Atom um Atom. Die Arbeit, die jetzt in der renommierten Fachzeitschrift „Cell“ veröffentlicht wurde, ist ein wichtiger Schritt zum besseren Verständnis der Photosynthese in einigen biologischen Strukturen. An der internationalen Forschungskooperation unter Leitung der University of Illinois war auch ein Team der Jacobs University Bremen beteiligt.

Das Projekt geht zurück auf eine Initiative des inzwischen verstorbenen, deutsch-US-amerikanischen Physikprofessors Klaus Schulten von der University of...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Analyse internationaler Finanzmärkte

10.12.2019 | Veranstaltungen

QURATOR 2020 – weltweit erste Konferenz für Kuratierungstechnologien

04.12.2019 | Veranstaltungen

Die Zukunft der Arbeit

03.12.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Analyse internationaler Finanzmärkte

10.12.2019 | Veranstaltungsnachrichten

Was Vogelgrippe in menschlichen Zellen behindert

10.12.2019 | Biowissenschaften Chemie

Schäden im Leichtbau erkennen durch Ultraschallsensoren

10.12.2019 | Materialwissenschaften

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics