Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Ziegen für die Landschaftspflege in den Hassbergen

13.12.2000


Die Landschaftspflege in Naturschutzgebieten verursacht heute hohe Kosten. Deshalb sollen im Rahmen eines Forschungsprogramms in den Hassbergen (Unterfranken) Pflegemaßnahmen entwickelt werden, die bei möglichst geringen Kosten nicht nur die Vielfalt der Tier- und Pflanzenwelt schützen, sondern auch die Landschaft in ihrer momentanen Form für die Menschen erhalten. An dem Projekt sind Ökologen von der Universität Würzburg beteiligt.

Seit Jahrtausenden prägt der Mensch die Landschaft Mitteleuropas. Dabei war sein Einfluss nicht immer negativ für die Vielfalt von Flora und Fauna. So haben zum Beispiel Landwirtschaft und Weinbau das typische Bild der fränkischen Landschaft mit ihrem engmaschigen Mosaik aus Feldern, Wiesen, Hecken und Weinbergen geschaffen. Besonders Tierarten, deren Lebensraum sich in den Hanglagen befindet, wie etwa die Westliche Beißschrecke, waren lange Zeit auf diese extensive Landwirtschaft angewiesen.

Durch die zunehmende Intensivierung der landwirtschaftlichen Produktion werden heute viele kleine und wenig ertragreiche Flächen nicht mehr genutzt. Ohne aufwändige Pflege würden sie in der Regel mit Gehölzen zuwachsen. Dadurch aber würde nicht nur das Landschaftsbild verarmen: "Es würden auch viele seltene Arten aussterben", so der Würzburger Ökologe Prof. Dr. Hans Joachim Poethke. Weil das bei der Pflege der Flächen anfallende Mähgut in den heutigen landwirtschaftlichen Betrieben kaum noch verwertet werden könne, lande es oft auf Deponien.

All dies erzeugt hohe Kosten. Aus diesem Grund hat das Bundesministerium für Bildung und Forschung den Forschungsschwerpunkt "Mosaik" gebildet, um kostengünstige Alternativen zur heute üblichen Pflege von Trockenstandorten zu finden. Das Ministerium fördert dieses Vorhaben bis 2003 mit rund 600.000 Mark.

Im Rahmen von "Mosaik" wird die von Prof. Poethke geleitete Ökologische Forschungsstation der Universität Würzburg in Fabrikschleichach im Steigerwald in den kommenden vier Jahren ein umfangreiches Forschungsprogramm an den Hängen der Hassberge zwischen Zeil und Königsberg durchführen. Dies geschieht in Zusammenarbeit mit Forschergruppen der Universitäten Oldenburg und Marburg sowie dem Umweltforschungszentrum Leipzig, der Regierung von Unterfranken und dem Landratsamt Hassberge.

Hierbei sollen zwei ursprüngliche Bewirtschaftungsformen der fränkischen Kulturlandschaft simuliert und ihre Auswirkung auf die Vielfalt von Tieren und Pflanzen im Naturschutzgebiet untersucht werden: Bei der Feldgraswirtschaft führte das regelmäßige Auflassen der Äcker nach der Bewirtschaftung zu unterschiedlichen Stadien der Besiedlung mit Pflanzen. Gleichzeitig wurden aber durch den Eingriff in den Wurzelbereich die unterirdischen Ausläufer der Büsche erreicht: Anders als bei der Mahd konnten Schlehen und Hartriegel dadurch im folgenden Jahr nicht aufwachsen.

Diese Bewirtschaftungsform wird simuliert, indem die Untersuchungsfläche - vier mit Schlehen bewachsene Hänge in den Hassbergen - etwa alle fünf Jahre gegrubbert oder gefräst wird. Erstmals wurde diese Arbeit im August 2000 erledigt.

Die andere ursprüngliche Landbewirtschaftung bestand in der extensiven Beweidung der Hanglagen. Sie soll durch eine halbwilde Ziegenherde nachgeahmt werden, wobei sich die Tiere in einem Areal von rund sieben Hektar frei bewegen können. Sie sollen das ganze Jahr auf der Fläche bei Königsberg bleiben und auch im Winter üblicherweise nicht zusätzlich gefüttert werden. Betreut werden die Ziegen - derzeit sind es 13 Muttertiere und sechs Lämmer - von Mitgliedern der Lebenshilfe in Haßfurt.

Die Wissenschaftler interessieren sich einerseits für die Entwicklung der Vegetation auf den Untersuchungsflächen. Andererseits gehen sie der Frage nach, wie die Tierwelt auf das Mosaik reagiert, das durch die unterschiedlichen Stadien der Besiedlung mit Pflanzen entsteht. Aus diesen Daten werden Botaniker und Zoologen mit Hilfe von Computersimulationen dann berechnen, wie sich die Überlebenswahrscheinlichkeit von Tieren und Pflanzen unter verschiedenen Pflegeszenarien verändert und welche Kosten dabei entstehen.

Weitere Informationen: Prof. Dr. Hans Joachim Poethke, T (0 95 54) 9 22 30, Fax (0 95 54) 367, E-Mail: poethke@biozentrum.uni-wuerzburg.de

Robert Emmerich | idw

Weitere Berichte zu: Landschaftspflege Ziegen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Agrar- Forstwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Fraunhofer IOSB-AST und DRK Wasserrettungsdienst entwickeln den weltweit ersten Wasserrettungsroboter

Künstliche Intelligenz und autonome Mobilität sollen dem Strukturwandel in Thüringen und Sachsen-Anhalt neue Impulse verleihen. Mit diesem Ziel fördert das Bundeswirtschaftsministerium ab sofort ein innovatives Projekt in Halle (Saale) und Ilmenau.

Der Wasserrettungsdienst Halle (Saale) und das Fraunhofer Institut für Optronik,
Systemtechnik und Bildauswertung, Institutsteil Angewandte Systemtechnik...

Im Focus: A step towards controlling spin-dependent petahertz electronics by material defects

The operational speed of semiconductors in various electronic and optoelectronic devices is limited to several gigahertz (a billion oscillations per second). This constrains the upper limit of the operational speed of computing. Now researchers from the Max Planck Institute for the Structure and Dynamics of Matter in Hamburg, Germany, and the Indian Institute of Technology in Bombay have explained how these processes can be sped up through the use of light waves and defected solid materials.

Light waves perform several hundred trillion oscillations per second. Hence, it is natural to envision employing light oscillations to drive the electronic...

Im Focus: Haben ein Auge für Farben: druckbare Lichtsensoren

Kameras, Lichtschranken und Bewegungsmelder verbindet eines: Sie arbeiten mit Lichtsensoren, die schon jetzt bei vielen Anwendungen nicht mehr wegzudenken sind. Zukünftig könnten diese Sensoren auch bei der Telekommunikation eine wichtige Rolle spielen, indem sie die Datenübertragung mittels Licht ermöglichen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) am InnovationLab in Heidelberg ist hier ein entscheidender Entwicklungsschritt gelungen: druckbare Lichtsensoren, die Farben sehen können. Die Ergebnisse veröffentlichten sie jetzt in der Zeitschrift Advanced Materials (DOI: 10.1002/adma.201908258).

Neue Technologien werden die Nachfrage nach optischen Sensoren für eine Vielzahl von Anwendungen erhöhen, darunter auch die Kommunikation mithilfe von...

Im Focus: Einblicke in die Rolle von Materialdefekten bei der spin-abhängigen Petahertzelektronik

Die Betriebsgeschwindigkeit von Halbleitern in elektronischen und optoelektronischen Geräten ist auf mehrere Gigahertz (eine Milliarde Oszillationen pro Sekunde) beschränkt. Die Rechengeschwindigkeit von modernen Computern trifft dadurch auf eine Grenze. Forscher am MPSD und dem Indian Institute of Technology in Bombay (IIT) haben nun untersucht, wie diese Grenze mithilfe von Lichtwellen und Festkörperstrukturen mit Defekten erhöht werden könnte, um noch größere Rechenleistungen zu erreichen.

Lichtwellen schwingen mehrere hundert Trillionen Mal pro Sekunde und haben das Potential, die Bewegung von Elektronen zu steuern. Im Gegensatz zu...

Im Focus: Charakterisierung von thermischen Schnittstellen für modulare Satelliten

Das Fraunhofer IFAM in Dresden hat ein neues Projekt zur thermischen Charakterisierung von Kupfer/CNT basierten Scheiben für den Einsatz in thermalen Schnittstellen von modularen Satelliten gestartet. Gefördert wird das Projekt „ThermTEST“ für 18 Monate vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie.

Zwischen den Einzelmodulen von modularen Satelliten werden zur Kopplung eine Vielzahl von Schnittstellen benötigt, die nach ihrer Funktion eingeteilt werden...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Gemeinsam auf kleinem Raum - Mikrowohnen

19.02.2020 | Veranstaltungen

Chemnitzer Linux-Tage am 14. und 15. März 2020: „Mach es einfach!“

12.02.2020 | Veranstaltungen

4. Fachtagung Fahrzeugklimatisierung am 13.-14. Mai 2020 in Stuttgart

10.02.2020 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

10.000-mal schnellere Berechnungen möglich

20.02.2020 | Physik Astronomie

Darmkrebs: Erhöhte Lebenserwartung dank individueller Therapien

20.02.2020 | Biowissenschaften Chemie

Krebsstammzellen nachverfolgen

20.02.2020 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics