Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Nur langfristiges Fadenwurm-Management schützt vor "Zombie-Möhren"

03.02.2006
BBA-Fachgespräch am 7. Februar zeigt Perspektiven zur Bekämpfung
pflanzenparasitärer Nematoden im Ökolandbau auf

Beim Anblick von gedrungenen, "mehrbeinigen", mit Pusteln übersäten Möhren blutet jedem Landwirt das Herz. Auch wenn sie für den Verbraucher gesundheitlich nicht gefährlich sind - solche "Zombies" lassen sich nicht vermarkten. Schuld an dem deformierten Gemüse sind winzige Fadenwürmer (Nematoden) im Boden. Welche Möglichkeiten der Abwehr es gibt, ist Thema des Fachgesprächs "Pflanzenparasitäre Nematoden im Ökolandbau" an der Biologischen Bundesanstalt für Land- und Forstwirtschaft (BBA) in Münster. Das hier ansässige Institut für Nematologie und Wirbeltierkunde forscht auf diesem Gebiet und hat Wissenschaftler, Berater und Landwirte zum 7. Februar nach Münster geladen.


Im Ökolandbau wird seit einigen Jahren zunehmend über Schäden durch verschiedene, nicht auf eine Pflanzenart spezialisierte Fadenwürmer berichtet. So befällt der Nördliche Wurzelgallennematode (Meloidogyne hapla) über 550 verschiedene Pflanzen, darunter Salat, alle Wurzelgemüse, Kräuter, Kartoffeln, Klee, Lupine. Er attackiert die Wurzeln der jungen Pflanzen und löst die Bildung eines spezifischen Nährgewebes (Riesenzellen) aus, in deren Folge die Wurzel zu einer Galle anschwillt. "Die im Ökolandbau üblichen Fruchtfolgen mit kurzen Brachezeiten als auch die Gründüngung mit Zwischenfrüchten (Leguminosen) und Kleeuntersaaten, aber auch die unzureichende Unkrautbekämpfung öffnen den Vielfraßen Tür und Tor", berichtet Dr. Johannes Hallmann von der BBA. "Unter diesen Bedingungen finden gerade die unspezifischen Nematoden immer etwas zu fressen", weiß der Organisator des Fachgesprächs. Hinzu kommt, dass der Nematodenbefall meist zu spät erkannt wird, weil die Symptome unspezifisch sind. Erst wenn alle sonstigen Krankheitserreger wie Bakterien, Pilze und Viren ausgeschlossen wurden, denkt man an die weniger als einen Millimeter großen Würmer. Dann heißt die absolute Notlösung oft Schwarzbrache, damit die Fadenwürmer keine Nahrung mehr finden und aushungern. "Das ist gerade für den Ökolandwirt ein Desaster", kommentiert Hallmann, "da dadurch auch das Bodenleben insgesamt gestört wird und Nährstoffe ausgewaschen werden".

"Damit die Fadenwurmpopulation eine bestimme Anzahl nicht überschreitet, muss der Landwirt seine Nematoden regelrecht managen", sagt der BBA-Experte, der in Feldversuchen analysiert hat, wie sich bei verschiedenen Fruchtfolgen die Besatzdichten der verschiedenen Fadenwurmarten verändern. Fadenwurm-Management bedeutet, vorbeugend und langfristig zu handeln: Der Landwirt baut weniger empfindliche Kulturen an oder steigt von Gemüse auf Getreide um, intensiviert die Unkrautbekämpfung und plant Brachezeiten bewusst ein. Leider ist es oft der Markt mit seinen kurzfristigen Wünschen, der diesem Management entgegensteht. Landwirten, die bereits mit Nematodenbefall zu kämpfen hatten, empfehlen die Experten daher, zusätzlich zu den Management-Maßnahmen regelmäßig alle zwei bis drei Jahre Bodenproben beim zuständigen Pflanzenschutzdienst untersuchen zu lassen, um eine erneute Vermehrung der Fadenwürmer rechtzeitig festzustellen.

Zugelassene biologische Mittel gegen die Fadenwürmer gibt es in Deutschland nicht. In den Subtropen sind bereits nematogene Pilze im Einsatz. "Alle Versuche kältetolerantere Vertreter bei uns zu etablieren, sind bisher fehlgeschlagen", berichtet Hallmann. In Intensivkulturen (Gemüse, Erdbeeren, Baumschulen) kann man den Wurzelläsionsnematoden Pratylenchus spp. mit Studentenblumen bekämpfen. Ganze Felder auf diese Art nematodenfrei zu machen, rechnet sich für die Landwirte nicht. Da hilft auch unter ökonomischen Gesichtspunkten nur das beschriebene langfristige Nematoden-Management.

Hinweis für die Medien:
Das Fachgespräch "Pflanzenparasitäre Nematoden im Ökolandbau" findet mit freundlicher Unterstützung der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen am 7. Februar von 10.30 bis 16.00 Uhr im Großen Sitzungssaal der Kammer statt (Adresse: Nevinghoff 40, 48147 Münster).
Kontakt:
Dr. Johannes Hallmann
Institut für Nematologie und Wirbeltierkunde der BBA
Toppheideweg 88, 48161 Münster
Tel.: 0251-87106-25
E-Mail: j.hallmann@bba.de

Stefanie Hahn | idw
Weitere Informationen:
http://www.bba.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Agrar- Forstwissenschaften:

nachricht Gene gegen die Trockenheit
06.12.2019 | Goethe-Universität Frankfurt am Main

nachricht Süßkartoffel warnt ihre Nachbarn bei Befall durch einen einzigen Duftstoff
02.12.2019 | Max-Planck-Institut für chemische Ökologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Agrar- Forstwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wie Graphen-Nanostrukturen magnetisch werden

Graphen, eine zweidimensionale Struktur aus Kohlenstoff, ist ein Material mit hervorragenden mechanischen, elektronischen und optischen Eigenschaften. Doch für magnetische Anwendungen schien es bislang nicht nutzbar. Forschern der Empa ist es gemeinsam mit internationalen Partnern nun gelungen, ein in den 1970er Jahren vorhergesagtes Molekül zu synthetisieren, welches beweist, dass Graphen-Nanostrukturen in ganz bestimmten Formen magnetische Eigenschaften aufweisen, die künftige spintronische Anwendungen erlauben könnten. Die Ergebnisse sind eben im renommierten Fachmagazin Nature Nanotechnology erschienen.

Graphen-Nanostrukturen (auch Nanographene genannt) können, je nach Form und Ausrichtung der Ränder, ganz unterschiedliche Eigenschaften besitzen - zum Beispiel...

Im Focus: How to induce magnetism in graphene

Graphene, a two-dimensional structure made of carbon, is a material with excellent mechanical, electronic and optical properties. However, it did not seem suitable for magnetic applications. Together with international partners, Empa researchers have now succeeded in synthesizing a unique nanographene predicted in the 1970s, which conclusively demonstrates that carbon in very specific forms has magnetic properties that could permit future spintronic applications. The results have just been published in the renowned journal Nature Nanotechnology.

Depending on the shape and orientation of their edges, graphene nanostructures (also known as nanographenes) can have very different properties – for example,...

Im Focus: Geminiden - Die Wünsch-dir-was-Sternschnuppen vor Weihnachten

Gemeinsame Pressemitteilung der Vereinigung der Sternfreunde (VdS) und des Hauses der Astronomie in Heidelberg - Die Geminiden, die Mitte Dezember zu sehen sind, sind der "zuverlässigste" der großen Sternschnuppen-Ströme mit bis zu 120 Sternschnuppen pro Stunde. Leider stört in diesem Jahr der Mond zur besten Beobachtungszeit.

Sie wurden nach dem Sternbild Zwillinge benannt: Die „Geminiden“ sorgen Mitte Dezember immer für ein schönes Sternschnuppenschauspiel. In diesem Jahr sind die...

Im Focus: Electronic map reveals 'rules of the road' in superconductor

Band structure map exposes iron selenide's enigmatic electronic signature

Using a clever technique that causes unruly crystals of iron selenide to snap into alignment, Rice University physicists have drawn a detailed map that reveals...

Im Focus: Das 136 Millionen Atom-Modell: Wissenschaftler simulieren Photosynthese

Die Umwandlung von Sonnenlicht in chemische Energie ist für das Leben unerlässlich. In einer der größten Simulationen eines Biosystems weltweit haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler diesen komplexen Prozess an einem Bestandteil eines Bakteriums nachgeahmt – am Computer, Atom um Atom. Die Arbeit, die jetzt in der renommierten Fachzeitschrift „Cell“ veröffentlicht wurde, ist ein wichtiger Schritt zum besseren Verständnis der Photosynthese in einigen biologischen Strukturen. An der internationalen Forschungskooperation unter Leitung der University of Illinois war auch ein Team der Jacobs University Bremen beteiligt.

Das Projekt geht zurück auf eine Initiative des inzwischen verstorbenen, deutsch-US-amerikanischen Physikprofessors Klaus Schulten von der University of...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Analyse internationaler Finanzmärkte

10.12.2019 | Veranstaltungen

QURATOR 2020 – weltweit erste Konferenz für Kuratierungstechnologien

04.12.2019 | Veranstaltungen

Die Zukunft der Arbeit

03.12.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Analyse internationaler Finanzmärkte

10.12.2019 | Veranstaltungsnachrichten

Was Vogelgrippe in menschlichen Zellen behindert

10.12.2019 | Biowissenschaften Chemie

Schäden im Leichtbau erkennen durch Ultraschallsensoren

10.12.2019 | Materialwissenschaften

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics