Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Schlechtere Pflanzenqualität durch mehr CO2 in der Atmosphäre?

14.04.2005


Der rasche Anstieg der CO2-Konzentration in der Atmosphäre ist eines der sichersten Zeichen des globalen Klimawandels. Die Zunahme der Konzentration dieses Gases wird sich zukünftig mit noch größerer Intensität als bisher fortsetzen. In nur 50 Jahren soll die CO2-Konzentration bereits bei ca. 450-550 ppm (parts per million) gegenüber dem heutigen Wert von ca. 375 ppm liegen. Zunehmende atmosphärische CO2-Gehalte tragen nicht nur zur Erwärmung der Erdatmosphäre bei ("zusätzlicher Treibhauseffekt"), sondern sie wirken auch unmittelbar auf Pflanzen ein, da erhöhte CO2-Konzentrationen das Pflanzenwachstum stimulieren können (sog. "CO2-Düngeeffekt"). Vorhersagen zu den möglichen Folgen einer Klimaänderung auf die Landökosysteme der Erde und damit auch auf die Landwirtschaft einer speziellen Region werden entscheidend dadurch beeinflusst, inwieweit dieser direkte CO2-Effekt in seiner Wirkung auf die Pflanzen berücksichtigt wird. Über das Ausmaß der möglichen CO2-Wirkung werden daher realistische Abschätzungen benötigt. Zur Klärung dieser Frage leistet das Institut für Agrarökologie der Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft (FAL) in Braunschweig mit experimentellen Untersuchungen Beiträge, die von Laborversuchen über Freilandkammern bis hin zu Felduntersuchungen in Fruchtfolgen mit aufwändigen Freiland-CO2-Begasungsanlagen (siehe Foto) reichen.


Dem tendenziell positiven Wachstumseffekt erhöhter CO2-Konzentrationen steht jedoch ein eher nachteiliger Effekt gegenüber. In einigen Untersuchungen ist festgestellt worden, dass sich die Gehalte wichtiger Makro- und Mikroelemente sowie weiterer Inhaltsstoffe unter zukünftigen atmosphärischen CO2-Szenarien verändern. Das FAL-Institut für Agrarökologie ist dieser Frage nachgegangen. CO2-Anreicherungsversuche (550-650 ppm) mit Futterpflanzen (Weidelgras) und verschiedenen Getreidearten (Sommer- und Winterweizen und -gerste ), die im Laufe der letzten Jahre im Labor und im Feld durchgeführt wurden, ergaben unabhängig von den verschiedenen experimentellen Bedingungen in den meisten Fällen eine Reduktion des Stickstoff(N)-Gehaltes (und damit des Rohproteingehaltes) sowohl im Weidelgras als auch in den Getreidekörnern (Größenordnung ca. minus 8%-15%). Das Ausmaß dieses N-Verlustes variierte je nach untersuchter Art und Managementbedingung. Konsistente Beziehungen zur N-Versorgung der Versuchspflanzen konnten dabei nicht festgestellt werden. Weißklee, der ebenfalls untersucht wurde, reagierte nicht mit N-Qualitätsverlusten.

Aus derartigen Szenarien zukünftiger CO2-Konzentrationen lassen sich nicht nur mögliche Konsequenzen im Hinblick auf die Nahrungs- und Futtermittelqualität ableiten, sondern auch Folgen für das Agrarökosystem. Änderungen in der Qualität der Wirtspflanzen (d.h. der Nahrungsquelle) könnten z.B. in veränderten Wachstums-, Überdauerungs- und Ausbreitungsverhalten herbivorer Insekten bzw. sonstiger Schaderreger führen. Für den ökosystemaren Stoffumsatz kann ein erweitertes C-/N-Verhältnis der anfallenden pflanzlichen Rückstände bedeuten, dass der Streuabbau bzw. die Mineralisierung im Boden beeinflusst wird.


Kontakt:

Prof. Dr. H.-J. Weigel, Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft (FAL), Institut für Agrarökologie, Bundesallee 50, 38116 Braunschweig, hans.weigel@fal.de

Margit Fink | idw
Weitere Informationen:
http://www.aoe.fal.de

Weitere Berichte zu: Agrarökologie CO2 CO2-Konzentration Pflanzenqualität

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Agrar- Forstwissenschaften:

nachricht David statt Goliath: Kleinharvester-Demonstrator auf der Fachmesse „Interforst“ in München
17.07.2018 | Technische Hochschule Wildau

nachricht Vorwarnsystem per Handy-App: Extremwetterschäden in der Landwirtschaft vermeiden
02.07.2018 | Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Agrar- Forstwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Diamant – ein unverzichtbarer Werkstoff der Fusionstechnologie

Forscher am KIT entwickeln Fenstereinheiten mit Diamantscheiben für Fusionsreaktoren – Neue Scheibe mit Rekorddurchmesser von 180 Millimetern

Klimafreundliche und fast unbegrenzte Energie aus dem Fusionskraftwerk – für dieses Ziel kooperieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weltweit. Bislang...

Im Focus: Wiener Forscher finden vollkommen neues Konzept zur Messung von Quantenverschränkung

Quantenphysiker/innen der ÖAW entwickelten eine neuartige Methode für den Nachweis von hochdimensional verschränkten Quantensystemen. Diese ermöglicht mehr Effizienz, Sicherheit und eine weitaus geringere Fehleranfälligkeit gegenüber bisher gängigen Mess-Methoden, wie die Forscher/innen nun im Fachmagazin „Nature Physics“ berichten.

Die Vision einer vollständig abhörsicheren Übertragung von Information rückt dank der Verschränkung von Quantenteilchen immer mehr in Reichweite. Wird eine...

Im Focus: Was passiert, wenn wir das Atomgitter eines Magneten plötzlich aufheizen?

„Wir haben jetzt ein klares Bild davon, wie das heiße Atomgitter und die kalten magnetischen Spins eines ferrimagnetischen Nichtleiters miteinander ins Gleichgewicht gelangen“, sagt Ilie Radu, Wissenschaftler am Max-Born-Institut in Berlin. Das internationale Forscherteam fand heraus, dass eine Energieübertragung sehr schnell stattfindet und zu einem neuartigen Zustand der Materie führt, in dem die Spins zwar heiß sind, aber noch nicht ihr gesamtes magnetisches Moment verringert haben. Dieser „Spinüberdruck“ wird durch wesentlich langsamere Prozesse abgebaut, die eine Abgabe von Drehimpuls an das Gitter ermöglichen. Die Forschungsergebnisse sind jetzt in "Science Advances" erschienen.

Magnete faszinieren die Menschheit bereits seit mehreren tausend Jahren und sind im Zeitalter der digitalen Datenspeicherung von großer praktischer Bedeutung....

Im Focus: Erste Beweise für Quelle extragalaktischer Teilchen

Zum ersten Mal ist es gelungen, die kosmische Herkunft höchstenergetischer Neutrinos zu bestimmen. Eine Forschungsgruppe um IceCube-Wissenschaftlerin Elisa Resconi, Sprecherin des Sonderforschungsbereichs SFB1258 an der Technischen Universität München (TUM), liefert ein wichtiges Indiz in der Beweiskette, dass die vom Neutrino-Teleskop IceCube am Südpol detektierten Teilchen mit hoher Wahrscheinlichkeit von einer Galaxie in vier Milliarden Lichtjahren Entfernung stammen.

Um andere Ursprünge mit Gewissheit auszuschließen, untersuchte das Team um die Neutrino-Physikerin Elisa Resconi von der TU München und den Astronom und...

Im Focus: First evidence on the source of extragalactic particles

For the first time ever, scientists have determined the cosmic origin of highest-energy neutrinos. A research group led by IceCube scientist Elisa Resconi, spokesperson of the Collaborative Research Center SFB1258 at the Technical University of Munich (TUM), provides an important piece of evidence that the particles detected by the IceCube neutrino telescope at the South Pole originate from a galaxy four billion light-years away from Earth.

To rule out other origins with certainty, the team led by neutrino physicist Elisa Resconi from the Technical University of Munich and multi-wavelength...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Wie geht es unserer Ostsee? Ein aktueller Zustandsbericht

17.07.2018 | Veranstaltungen

Interdisziplinäre Konferenz: Diabetesforscher und Bioingenieure diskutieren Forschungskonzepte

13.07.2018 | Veranstaltungen

Conference on Laser Polishing – LaP: Feintuning für Oberflächen

12.07.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Optische Kontrolle von Herzfrequenz oder Insulinsekretion durch lichtschaltbaren Wirkstoff

17.07.2018 | Biowissenschaften Chemie

Umweltressourcen nachhaltig nutzen

17.07.2018 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Textilien 4.0: Smarte Kleidung und Wearables als Innovation

17.07.2018 | Innovative Produkte

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics