Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Versauerung der Waldböden gefährdet Trinkwasser - von 11 Millionen Hektar Wald sind zwei Drittel kalkungsbedürftig

02.12.2004


Länder vernachlässigen Waldkalkungen und verstärken Sturmanfälligkeit der Wälder


Der Wald und seine Böden sind geschädigt wie noch nie. Die aktuellen Berichte über die rapide zunehmenden Waldschäden in den Bundesländern decken schonungslos auf, was Wissenschaftler und Forst-Experten schon länger beklagen: In unseren Waldböden ticken Zeitbomben mit verheerenden Wirkungen. Die zunehmenden Schadstoffe im Waldboden gefährden massiv den Trinkwasserspeicher Wald. Gleichzeitig lässt die Bereitschaft der Politik immer mehr nach, mit Bodenschutzkalkungen offensiv gegen die fortschreitende Versauerung der Waldböden vorzugehen.

Nach Ansicht von Forstwissenschaftlern schützen die meisten Bundesländer entgegen längst bekannter Fakten Wald, Boden und Trinkwasser nur unzureichend. Von Bund, Land und EU dafür vorgesehene Fördermittel in Höhe von zig Millionen Euro werden nicht mehr abgerufen, bleiben ungenutzt in den öffentlichen Kassen. Von sechzehn Bundesländern wird lediglich in Sachsen der von der landeseigenen Forstlichen Versuchsanstalt ermittelte Kalkungsbedarf in den Wäldern auch künftig in die Tat umgesetzt. Das von großen historischen Waldschäden geplagte neue Bundesland fördert anders als andere Bundesländer die Bodenschutzkalkungen zu 100%. Anders als in anderen Bundesländern erfolgen in Sachsen die zwingend erforderlichen Kalkungen in einem festen Turnus und nicht nach jeweiliger Kassenlage oder Ministerlaune.


Für 2005 wurden die Haushaltsansätze in den Landesetats für Kompensationskalkungen trotz der rapide gestiegen Waldschäden und zunehmenden Bodenversauerungen weiter gekürzt. Experten befürchten mit Blick auf die neuen Ansätze, dass dann bundesweit nur noch rund 160.000 t Naturkalk für Boden- und Trinkwasserschutz in den Wald kommen. Das sind bisherigen Ansätzen zufolge im Jahre 2005 rund 50.000 t weniger Naturkalk als in diesem Jahr. Damit können 2005 nur noch etwa 80.000 ha Wald gekalkt werden. Das sind 20.000 ha Wald weniger als in diesem Jahr. Unterm Strich müssten aber mehrere Millionen Hektar versauerter Waldboden erstmals gekalkt oder nachgekalkt werden.

Alexander Hufgard, Vorsitzender von der in Köln ansässigen Düngekalk-Hauptgemeinschaft (dhg), erklärte in Berlin bei einem Presse-Gespräch vor Mitgliedern des Deutschen Bundestages und Repräsentanten der Waldbesitzerverbände: "In den deutschen Wäldern wird zu wenig gekalkt. Von der Gesamtwaldfläche in Deutschland, etwa 11 Millionen Hektar - sind rund zwei Drittel dringend kalkungsbedürftig. Der Umfang der tatsächlich gekalkten Fläche pro Jahr beträgt aber nach Angaben des Statistischen Bundesamts nur rund 100.000 ha Wald. Bei Wiederholungsintervallen von 10 Jahren sind in dieser Zeit also von fast 7 Millionen Hektar geschädigten Waldflächen nur 1 Million Hektar kranker Wald tatsächlich mit Kalk behandelt worden. Der Fehlbedarf bei den Bodenschutzkalkungen wird von Jahr zu Jahr größer und akkumuliert sich als Trinkwasser schädigendes Säurepotential im Waldboden."

Im Jahre 2004 werden bundesweit insgesamt lediglich 210.000 t Naturkalk (pro ha 3 t Kalk) zur Kompensation von Säuren im Waldboden ausgebracht. Spitzenreiter Sachsen streute über 57.000 t, Baden-Württemberg rund 55.000 t, Rheinland-Pfalz ca.34.000 t sowie Nordrhein-Westfalen knapp 34.000 t, Niedersachsen rund 57.000 t, Hessen etwa 15.000 t Kalk in die Wälder. Das waldreiche Thüringen ist mit knapp 3.000 t ausgebrachtem Naturkalk weiter Schlusslicht bei den Bodenschutzkalkungen. Für 2005 wurden die Haushaltsansätze in den Landesetats trotz der rapide gestiegen Waldschäden und zunehmenden Bodenversauerungen weiter gekürzt.
In dem Waldschadensbericht 2004 der EU stellen Experten fest, dass Säureeinträge neben einer Gefährdung der Trinkwasserqualität auch eine erhöhte Sturmanfälligkeit der Bäume bewirken. In einer Auswertung auf knapp 1.000 Beobachtungsflächen konnte jetzt gezeigt werden, dass die schweren Stürme des Jahres 1999 auf saueren Böden mehr Bäume entwurzelten oder brachen als auf Böden mit höherem PH-Wert. Die Schädigung der Wurzeln auf versauerten Böden könnte ein Grund für diesen Zusammenhang sein. Der Waldzustand in Europa wird jährlich anhand des Nadel-/Blattverlustes von 130.000 Bäumen in ca. 30 Ländern erfasst. Für 2003 zeigt sich eine durchschnittliche Verschlechterung des Kronenzustandes bei fast allen Hauptbaumarten. Für das Jahr 2004 wird keine Besserung erwartet.

Ein wesentlicher Schuldfaktor an der Dauerniederlage an der ausufernden Säurefront im Waldboden ist vor allem die unklare und restriktive Förderpolitik der Bundesländer. Waldbesitzer, Umweltschützer und Forstverbände fordern deshalb seit Jahren endlich klare, transparente und bundesweit einheitliche Förderichtlinien im Kampf gegen das Waldsterben. Die Länder entscheiden jedoch dabei meist nicht nach dem zwingend erforderlichen Kompensationsbedarf im Waldboden, sondern betreiben Umweltschutz offensichtlich und beliebig je nach Kassenlage. Auch die Landesregierung in NRW hat in diesem Jahr einen so genannten Wassercent eingeführt der zig Millionen Euro in die Sanierung der maroden Landeskasse statt in den Schutz des Trinkwassers spült. Kein Einzelfall in Deutschland.

Alexander Hufgard: "Unterm Strich führt diese Umwelt- und Trinkwasserschutz verhindernde unverständliche Mehrwertsteuer-Praxis in NRW und anderen Bundesländern außer in Sachsen dazu, dass im Wald von Säuren geschädigte Böden eindeutig zu wenig oder so gut wie gar nicht mehr bekämpft und damit die Waldschäden politisch vorangetrieben werden. Die schon jetzt erkannten Langzeitwirkungen der rapide zunehmenden Waldschäden werden erfahrungsgemäß für Wirtschaft und Gesellschaft schon bald eine sehr teure Zukunftsaufgabe. Die Rufe nach einer höheren Öko-Steuer mit Alibifunktion für die staatlichen Kassenhüter werden ja jetzt schon immer lauter. Höhere Steuern werden aber Wald, Boden und Trinkwasser nicht schützen - wenn der politische Wille dazu fehlt. Das zeigt sich seit Jahren bei den stetig abnehmenden Bodenschutzkalkungen im Wald."

Joachim Pollehn | Düngekalk-Hauptgemeinschaft
Weitere Informationen:
http://www.naturkalk.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Agrar- Forstwissenschaften:

nachricht David statt Goliath: Kleinharvester-Demonstrator auf der Fachmesse „Interforst“ in München
17.07.2018 | Technische Hochschule Wildau

nachricht Vorwarnsystem per Handy-App: Extremwetterschäden in der Landwirtschaft vermeiden
02.07.2018 | Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Agrar- Forstwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Future electronic components to be printed like newspapers

A new manufacturing technique uses a process similar to newspaper printing to form smoother and more flexible metals for making ultrafast electronic devices.

The low-cost process, developed by Purdue University researchers, combines tools already used in industry for manufacturing metals on a large scale, but uses...

Im Focus: Rostocker Forscher entwickeln autonom fahrende Kräne

Industriepartner kommen aus sechs Ländern

Autonom fahrende, intelligente Kräne und Hebezeuge – dieser Ingenieurs-Traum könnte in den nächsten drei Jahren zur Wirklichkeit werden. Forscher aus dem...

Im Focus: Superscharfe Bilder von der neuen Adaptiven Optik des VLT

Das Very Large Telescope (VLT) der ESO hat das erste Licht mit einem neuen Modus Adaptiver Optik erreicht, die als Lasertomografie bezeichnet wird – und hat in diesem Rahmen bemerkenswert scharfe Testbilder vom Planeten Neptun, von Sternhaufen und anderen Objekten aufgenommen. Das bahnbrechende MUSE-Instrument kann ab sofort im sogenannten Narrow-Field-Modus mit dem adaptiven Optikmodul GALACSI diese neue Technik nutzen, um Turbulenzen in verschiedenen Höhen in der Erdatmosphäre zu korrigieren. Damit ist jetzt möglich, Bilder vom Erdboden im sichtbaren Licht aufzunehmen, die schärfer sind als die des NASA/ESA Hubble-Weltraumteleskops. Die Kombination aus exquisiter Bildschärfe und den spektroskopischen Fähigkeiten von MUSE wird es den Astronomen ermöglichen, die Eigenschaften astronomischer Objekte viel detaillierter als bisher zu untersuchen.

Das MUSE-Instrument (kurz für Multi Unit Spectroscopic Explorer) am Very Large Telescope (VLT) der ESO arbeitet mit einer adaptiven Optikeinheit namens GALACSI. Dabei kommt auch die Laser Guide Stars Facility, kurz ...

Im Focus: Diamant – ein unverzichtbarer Werkstoff der Fusionstechnologie

Forscher am KIT entwickeln Fenstereinheiten mit Diamantscheiben für Fusionsreaktoren – Neue Scheibe mit Rekorddurchmesser von 180 Millimetern

Klimafreundliche und fast unbegrenzte Energie aus dem Fusionskraftwerk – für dieses Ziel kooperieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weltweit. Bislang...

Im Focus: Wiener Forscher finden vollkommen neues Konzept zur Messung von Quantenverschränkung

Quantenphysiker/innen der ÖAW entwickelten eine neuartige Methode für den Nachweis von hochdimensional verschränkten Quantensystemen. Diese ermöglicht mehr Effizienz, Sicherheit und eine weitaus geringere Fehleranfälligkeit gegenüber bisher gängigen Mess-Methoden, wie die Forscher/innen nun im Fachmagazin „Nature Physics“ berichten.

Die Vision einer vollständig abhörsicheren Übertragung von Information rückt dank der Verschränkung von Quantenteilchen immer mehr in Reichweite. Wird eine...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Stadtklima verbessern, Energiemix optimieren, sauberes Trinkwasser bereitstellen

19.07.2018 | Veranstaltungen

Innovation – the name of the game

18.07.2018 | Veranstaltungen

Wie geht es unserer Ostsee? Ein aktueller Zustandsbericht

17.07.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Neue Anwendungen für Mikrolaser in der Quanten-Nanophotonik

20.07.2018 | Physik Astronomie

Need for speed: Warum Malaria-Parasiten schneller sind als die menschlichen Abwehrzellen

20.07.2018 | Biowissenschaften Chemie

Die Gene sind nicht schuld

20.07.2018 | Medizin Gesundheit

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics