Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Nitrofen-Skandal und die Folgen

05.06.2002


"Das ist und war kein Ökoskandal", betonte Bundesverbraucherschutzministerin Renate Künast immer wieder in den letzten Tagen. In scharfer Form kritisierte Künast die Verantwortlichen der "überholten Strukturen im Agrar-Establishment".


Denn inzwischen scheinen die Ursachen für den Nitrofen-Skandal festzustehen: Ein Biobetrieb aus dem brandenburgischen Stegelitz lieferte im Herbst 2001 einwandfreien Ökoweizen an den Futtermittelhändler Norddeutsche Saat- und Pflanzgut AG (NSP) aus dem mecklenburgischen Malchin. Das Unternehmen lagerte den Ökoweizen in einer Halle, die zu DDR-Zeiten als Lagerstätte der Staatsreserve an Pflanzenschutzmitteln diente und von NSP erst im Oktober angemietet wurde.

In einer Staubprobe, die das Ministerium für Landwirtschaft, Mecklenburg-Vorpommern am 01. Juni untersuchte, wurde Nitrofen in einer Konzentration von 2000mg/kg Staub nachgewiesen. Über Zwischenhändler gelangte der kontaminierte Weizen im Spätherbst und Winter zum Futtermittelhersteller GS Agri. Der beliefert zu 90 Prozent konventionelle, zu zehn Prozent Ökobetriebe. Knapp hundert Biohöfe bekamen in den folgenden Wochen den belasteten Weizen ausgeliefert.


"Es ist für mich unvorstellbar, dass eine Halle, in der früher Pflanzenschutzmittel gelagert waren, heute als Lagerstätte für Getreide verwendet wird. Dabei ist es in diesem Falle unerheblich, ob Öko-Getreide oder konventionelles Getreide dort aufbewahrt wird", erklärte Landwirtschaftsminister für Mecklenburg-Vorpommern Dr. Till Backhaus.

Wichtig ist vor allem, dass die Ursachen so schnell gefunden werden konnten. Doch die Aufklärungsarbeit wird noch einige Zeit in Anspruch nehmen, wie der Leiter der Abteilung Lebensmittelsicherheit im Bundesverbraucherschutzministerium Bernhard Kühnle betont: "Jetzt ist es wichtig, alle Warenströme zu klären, die durch diese Halle gegangen sind. Wichtig ist auch, zu klären, ob es aus Ex-DDR-Zeiten noch weitere Lagerstätten gab und wie diese jetzt genutzt werden." Kühnle weiter: "Es ist durchaus plausibel, dass die hohe Belastung des Hallenstaubes zur Kontamination des Getreides geführt hat. Jedoch muss geprüft werden, ob nicht auch weitere Kontaminationsursachen in Frage kommen."

Renate Künast muss sich derweil um Verbesserung der Kommunikation kümmern und hat eigens dafür eine Task Force gegründet, die vor allem rechtliche Lücken aufdecken soll. Auslöser des Skandals sind jedoch kriminelle Handlungen im vor- und nachgelagerten Bereich. "Wer seiner Meldepflicht laut Futtermittelgesetz über Monate nicht nachgekommen ist, macht sich nicht nur einer Ordnungswidrigkeit schuldig, sondern nimmt billigend in Kauf, dass Menschen zu Schaden kommen", so die Verbraucherschutzministerin.

Absolute Transparenz in den Kommunikationswegen hält auch Dr. Margret Büning-Fesel vom aid infodienst für dringend erforderlich. "Der Nitrofen-Skandal ist, wie die BSE-Krise, das Ergebnis einer veralteten Informationskultur", so Büning-Fesel. "Es muss jedem Einzelnen, der in der Lebensmittelkette tätig ist, seine Verantwortung für den Verbraucher bewusst sein. Die aufgeklärten Verbraucher haben ein Recht auf völlige Transparenz".

Harald Seitz | aid infodienst
Weitere Informationen:
http://www.aid.de

Weitere Berichte zu: Getreide Künast Lagerstätte Nitrofen-Skandal Ökoweizen

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Agrar- Forstwissenschaften:

nachricht Wald im Wandel
29.05.2020 | Technische Universität München

nachricht Baumkronen schützen Waldlebewesen vor Klimaerwärmung
15.05.2020 | Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Agrar- Forstwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Sehvermögen durch Gentherapie wiederherstellen

Neuer Ansatz zur Behandlung bislang unheilbarer Netzhautdegeneration

Menschen verlassen sich in erster Linie auf ihr Augenlicht. Der Verlust des Sehvermögens bedeutet, dass wir nicht mehr lesen, Gesichter erkennen oder...

Im Focus: Restoring vision by gene therapy

Latest scientific findings give hope for people with incurable retinal degeneration

Humans rely dominantly on their eyesight. Losing vision means not being able to read, recognize faces or find objects. Macular degeneration is one of the major...

Im Focus: Kleines Protein, große Wirkung

In Meningokokken spielt das unscheinbare Protein ProQ eine tragende Rolle. Zusammen mit RNA-Molekülen reguliert es Prozesse, die für die krankmachenden Eigenschaften der Bakterien von Bedeutung sind.

Meningokokken sind Bakterien, die lebensbedrohliche Hirnhautentzündungen und Sepsis auslösen können. Diese Krankheitserreger besitzen ein sehr kleines Protein,...

Im Focus: Small Protein, Big Impact

In meningococci, the RNA-binding protein ProQ plays a major role. Together with RNA molecules, it regulates processes that are important for pathogenic properties of the bacteria.

Meningococci are bacteria that can cause life-threatening meningitis and sepsis. These pathogens use a small protein with a large impact: The RNA-binding...

Im Focus: Magnetische Kristallschichten für den Computer von Morgen

Ist die Elektronik, so wie wir sie kennen, am Ende?

Der Einsatz moderner elektronischer Schaltkreise für immer leistungsfähigere Rechentechnik und mobile Endgeräte stößt durch die zunehmende Miniaturisierung in...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Was Salz und Mensch verbindet

04.06.2020 | Veranstaltungen

Gebäudewärme mit "grünem" Wasserstoff oder "grünem" Strom?

26.05.2020 | Veranstaltungen

Dresden Nexus Conference 2020 - Gleicher Termin, virtuelles Format, Anmeldung geöffnet

19.05.2020 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Schutz der neuronalen Architektur

05.06.2020 | Biowissenschaften Chemie

Wie das Gehirn unser Sprechen kontrolliert - Beide Gehirnhälften leisten besonderen Beitrag zur Sprachkontrolle

05.06.2020 | Interdisziplinäre Forschung

Akute myeloische Leukämie: Größerer Entscheidungsspielraum bei Therapie-Start

05.06.2020 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics