Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Besser zu früh als zu spät - Resistenz von Kartoffelschädlingen gegen neonicotinoide Wirkstoffe verhindern

13.12.2007
Beim Anbau von Kartoffeln besteht die Gefahr, dass der Kartoffelkäfer und verschiedene Blattläuse (Myzus persicae, Aphis frangulae) gegenüber Insektiziden aus der Wirkstoffgruppe der Neonicotinoide rasch unempfindlich, d.h. resistent werden können. So haben Kartoffelkäfer in Teilen Nordamerikas bereits Resistenzen gegen diese Wirkstoffgruppe entwickelt.

In einigen Regionen Deutschlands wurden 2007 fast nur noch Neonicotinoide in Kartoffeln eingesetzt. Der Fachausschuss Pflanzenschutzmittelresistenz (Insektizide, Akarizide) unter Federführung der Biologischen Bundesanstalt für Land- und Forstwirtschaft (BBA) empfiehlt Landwirten in Deutschland für 2008 daher dringend, vorbeugend eine so genannte Anti-Resistenzstrategie bei der Bekämpfung von Kartoffelkäfern und Blattläusen in Kartoffeln anzuwenden.

Im Gegensatz zum Rapsglanzkäfer stellt sich die Situation im Kartoffelanbau günstiger dar, da eine Resistenz noch nicht aufgetreten ist und genügend andere Wirkstoffgruppen für eine Anti-Resistenzstrategie zur Verfügung stehen.

Die Beratungsergebnisse der Zulassungs- und Bewertungsbehörden, des amtlichen Beratungsdienstes der Länder und beteiligter Firmen des Fachausschusses zeigen, welche Strategie die Gefahr einer Resistenz gegen Neonicotinoide erheblich senken kann. Bei allen Empfehlungen muss der Landwirt die Grundsätze der guten fachlichen Praxis einhalten und zum Beispiel beachten, dass er keine unnötige Bekämpfung durchführt (Schadensschwellen beachten), geeignete Spritztechnologien mit genügend Wasseraufwand und der vollen Aufwandmengen nutzt, den Bienenschutz berücksichtigt und ein Mittel mit einer möglichst guten Wirksamkeit wählt.

... mehr zu:
»Kartoffel »Neonicotinoid »Resistenz

Die Strategie zur Vermeidung von Resistenzen unterscheidet, ob Kartoffeln für die Pflanzgutproduktion angebaut werden oder für den Verbraucher bzw. als Industriekartoffel. Beim Anbau von Pflanzgutkartoffeln müssen Insektizide in der Regel häufiger angewandt werden. Weiterhin unterscheidet der Fachausschuss, ob das Pflanzgut selbst, also die zu pflanzende Kartoffel, bereits mit einem Neonicotinoid behandelt wurde oder nicht. Ziel aller Empfehlungen ist, die Zahl der Anwendungen mit einem neonicotinoiden Wirkstoff zu verringern bzw. mehrere aufeinander folgende Anwendungen mit Mitteln aus der gleichen Wirkstoffgruppe zu vermeiden.

"Die für die Kartoffel erarbeitete Strategie zur Vermeidung von Resistenzen kann gut auf andere Kulturen übertragen werden, wenn bestimmte Bedingungen wie Selektionsdruck, zugelassene Insektizide oder Anzahl der Anwendungen ähnlich sind", erläutert Dr. Udo Heimbach von der BBA, der Leiter des Fachausschusses. " Die Resistenzstrategie wird auf jeden Fall anhand von aktuellen Erkenntnissen überprüft und bei Bedarf neu angepasst."

Sämtliche Details der Strategie zur Verringerung des Resistenzrisikos von Neonicotinoiden in Kartoffeln für 2008 finden Sie im Internetangebot der Biologischen Bundesanstalt.

Informationen zum Fachausschuss Pflanzenschutzmittelresistenz:
Funktionierende Resistenzvermeidungsstrategien sind nur durch eine abgestimmte Vorgehensweise zwischen den involvierten Behörden, der Beratung und den Pflanzenschutzmittelfirmen möglich. So lautet eine der zentralen Aussagen eines internationalen Workshops der EPPO zum Thema Resistenz.
Daher wurden Fachausschüsse für den deutschsprachigen Raum geschaffen, die einen Austausch von Informationen und Diskussionen zwischen allen Beteiligten ermöglichen sollen. Hauptziel der Fachausschüsse ist es, Beratung zur nachhaltigen Nutzung von Pflanzenschutzmitteln einschließlich Fragen der Resistenzbeurteilung bei der Bewertung von Pflanzenschutzmitteln zu leisten.

Die Fachausschüsse setzen sich aus Fachvertretern der BBA, der Zulassungsbehörden von Pflanzenschutzmitteln, des amtlichen Pflanzenschutzdienstes, der landwirtschaftlichen und gartenbaulichen Beratung, der Antrag stellenden Firmen und aus Personen zusammen, die sich aktiv mit Resistenzen beschäftigen. Die Koordination erfolgt durch die Biologische Bundesanstalt für Land- und Forstwirtschaft (BBA).

Kontakt:
Dr. Udo Heimbach
Institut für Pflanzenschutz in Ackerbau und Grünland der BBA
Messeweg 11-12, 38104 Braunschweig
Tel.: 0531-299-4510
U.Heimbach@bba.de

Dr. Gerlinde Nachtigall | idw
Weitere Informationen:
http://www.bba.bund.de/

Weitere Berichte zu: Kartoffel Neonicotinoid Resistenz

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Agrar- Forstwissenschaften:

nachricht Vorwarnsystem per Handy-App: Extremwetterschäden in der Landwirtschaft vermeiden
02.07.2018 | Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) e.V.

nachricht Astronautennahrung für Kühe: Industriell gezüchtete Mikroben als umweltfreundliches Futter
21.06.2018 | Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Agrar- Forstwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Erste Beweise für Quelle extragalaktischer Teilchen

Zum ersten Mal ist es gelungen, die kosmische Herkunft höchstenergetischer Neutrinos zu bestimmen. Eine Forschungsgruppe um IceCube-Wissenschaftlerin Elisa Resconi, Sprecherin des Sonderforschungsbereichs SFB1258 an der Technischen Universität München (TUM), liefert ein wichtiges Indiz in der Beweiskette, dass die vom Neutrino-Teleskop IceCube am Südpol detektierten Teilchen mit hoher Wahrscheinlichkeit von einer Galaxie in vier Milliarden Lichtjahren Entfernung stammen.

Um andere Ursprünge mit Gewissheit auszuschließen, untersuchte das Team um die Neutrino-Physikerin Elisa Resconi von der TU München und den Astronom und...

Im Focus: First evidence on the source of extragalactic particles

For the first time ever, scientists have determined the cosmic origin of highest-energy neutrinos. A research group led by IceCube scientist Elisa Resconi, spokesperson of the Collaborative Research Center SFB1258 at the Technical University of Munich (TUM), provides an important piece of evidence that the particles detected by the IceCube neutrino telescope at the South Pole originate from a galaxy four billion light-years away from Earth.

To rule out other origins with certainty, the team led by neutrino physicist Elisa Resconi from the Technical University of Munich and multi-wavelength...

Im Focus: Magnetische Wirbel: Erstmals zwei magnetische Skyrmionenphasen in einem Material entdeckt

Erstmals entdeckte ein Forscherteam in einem Material zwei unabhängige Phasen mit magnetischen Wirbeln, sogenannten Skyrmionen. Die Physiker der Technischen Universitäten München und Dresden sowie von der Universität zu Köln können damit die Eigenschaften dieser für Grundlagenforschung und Anwendungen gleichermaßen interessanten Magnetstrukturen noch eingehender erforschen.

Strudel kennt jeder aus der Badewanne: Wenn das Wasser abgelassen wird, bilden sie sich kreisförmig um den Abfluss. Solche Wirbel sind im Allgemeinen sehr...

Im Focus: Neue Steuerung der Zellteilung entdeckt

Wenn eine Zelle sich teilt, werden sämtliche ihrer Bestandteile gleichmässig auf die Tochterzellen verteilt. UZH-Forschende haben nun ein Enzym identifiziert, das sicherstellt, dass auch Zellbestandteile ohne Membran korrekt aufgeteilt werden. Ihre Entdeckung eröffnet neue Möglichkeiten für die Behandlung von Krebs, neurodegenerative Krankheiten, Alterungsprozessen und Virusinfektionen.

Man kennt es aus der Küche: Werden Aceto balsamico und Olivenöl miteinander vermischt, trennen sich die beiden Flüssigkeiten. Runde Essigtropfen formen sich,...

Im Focus: Magnetic vortices: Two independent magnetic skyrmion phases discovered in a single material

For the first time a team of researchers have discovered two different phases of magnetic skyrmions in a single material. Physicists of the Technical Universities of Munich and Dresden and the University of Cologne can now better study and understand the properties of these magnetic structures, which are important for both basic research and applications.

Whirlpools are an everyday experience in a bath tub: When the water is drained a circular vortex is formed. Typically, such whirls are rather stable. Similar...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Interdisziplinäre Konferenz: Diabetesforscher und Bioingenieure diskutieren Forschungskonzepte

13.07.2018 | Veranstaltungen

Conference on Laser Polishing – LaP: Feintuning für Oberflächen

12.07.2018 | Veranstaltungen

Materialien für eine Nachhaltige Wasserwirtschaft – MachWas-Konferenz in Frankfurt am Main

11.07.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Interdisziplinäre Konferenz: Diabetesforscher und Bioingenieure diskutieren Forschungskonzepte

13.07.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Maschinelles Lernen: Neue Methode ermöglicht genaue Extrapolation

13.07.2018 | Informationstechnologie

Fachhochschule Südwestfalen entwickelt innovative Zinklamellenbeschichtung

13.07.2018 | Materialwissenschaften

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics