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Arten verschwinden, Pflanzenfraß bleibt

07.02.2017

Göttinger Agrarökologen belegen Folgen der Landschaftsfragmentierung mit Literatur-Auswertung

Intensive landwirtschaftliche Nutzung führt zu einer zunehmenden Fragmentierung der Landschaft und zu immer kleiner werdenden Lebensräumen, in denen sich immer weniger Tier- und Pflanzenarten finden. Das betrifft auch pflanzenfressende Insekten, bei denen insbesondere die Spezialisten betroffen sind.


Kalkmagerrasen bei Göttingen: Obwohl die Zahl der Pflanzenfresserarten sinkt, nimmt das Ausmaß des Pflanzenfraßes insgesamt nicht ab.


Waldinsel bei Göttingen: Intensive landwirtschaftliche Nutzung führt zu einer zunehmenden Fragmentierung der Landschaft und zu immer kleiner werdenden Lebensräumen.

Agrarökologen der Universität Göttingen haben nun anhand einer umfassenden Literaturauswertung herausgefunden, dass in diesen „Lebensrauminseln“ zwar immer weniger Pflanzenfresserarten vorkommen, die Ausmaße des Pflanzenfraßes insgesamt aber nicht abnehmen. Die Studie ist in der Fachzeitschrift Ecology Letters erschienen.

Pflanzenfraß erfüllt eine wichtige Funktion in Ökosystemen. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler wollten deshalb die naheliegende Vermutung prüfen, ob sich der Verlust von pflanzenfressenden Insektenarten negativ darauf auswirkt.

Auf der anderen Seite gibt es nämlich viele Hinweise, dass die Verinselung der Landschaft die natürlichen Gegenspieler der pflanzenfressenden Insekten stärker trifft als diese selbst – ein indirekter Effekt, der zu einer Erhöhung des Pflanzenfraßes führen könnte. Die umfangreiche Recherche und quantitative Auswertung der vorhandenen Literatur zu diesem Thema zeigte nun, dass zwar die Artenzahl, nicht aber die Funktion betroffen ist.

„Die Tatsache, dass es zwar weniger Pflanzenfresserarten, aber nicht weniger Pflanzenfraß gibt, spricht für die große Bedeutung weit verbreiteter und häufiger Arten, die den Artenzahlverlust ausgleichen und so den Pflanzenfraß als wichtige Ökosystemfunktion aufrechterhalten“, fassen die Forscherinnen und Forscher ihre Ergebnisse zusammen.

„Beim Naturschutz geht es demnach nicht nur um die Erhaltung seltener und spezialisierter Arten. Auch die große funktionelle Bedeutung dieser weit verbreiteten und häufigen Arten in unseren Kulturlandschaften sollte dabei nicht außer Acht gelassen werden.“

Originalveröffentlichung: Rossetti, M. R., Tscharntke, T., Aguilar, R., Batáry, P. Responses of insect herbivores and herbivory to habitat fragmentation: a hierarchical meta-analysis. Ecology Letters (2017) 20, 264-272. Doi: 10.111/ele.12723.

Kontaktadresse:
PD Dr. Péter Batáry
Georg-August-Universität Göttingen
Fakultät für Agrarwissenschaften
Abteilung Agrarökologie
Grisebachstraße 6, 37077 Göttingen
Telefon (0551) 39-9209
E-Mail: pbatary@gwdg.de

Weitere Informationen:

http://www.uni-goettingen.de/de/3240.html?cid=5740 Fotos
http://www.agroecology.uni-goettingen.de Abteilung

Thomas Richter | idw - Informationsdienst Wissenschaft

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