Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Ameisen sichern Kakaoernte

09.12.2013
Göttinger Agrarökologen belegen Rolle der Artenvielfalt unter Ameisen im Kakaoanbau

Die Anwesenheit vielfältiger Ameisenarten hat positive Auswirkungen auf die Kakaoernte. Das haben Wissenschaftler der Universitäten Göttingen, Würzburg und Lund (Schweden) zusammen mit indonesischen Partnern anhand von Feldversuchen auf Kakaoplantagen in Indonesien sowie in Laborexperimenten gezeigt.


Dolichoderus-Ameisen mit Schmierläusen (Pseodococcus) auf einer Kakaofrucht: Die Ameisen fördern zwar die schädlichen Schmierläuse, schrecken aber andere Schädlinge ab.
Foto: Universität Göttingen

Die Forscher fanden heraus, dass eine artenreiche Ameisengesellschaft zwischen 27 und 34 Prozent des Kakaoertrags sichern kann. Die Studie wurde in der Fachzeitschrift Proceedings of the Royal Society B: Biological Sciences veröffentlicht.

„Einzelne Ameisenarten können die Kakaoernte sowohl positiv als auch negativ beeinflussen, wobei die positiven Effekte überwiegen“, erläutert Dr. Arno Wielgoss von der Abteilung Agrarökologie der Universität Göttingen. Sind die Kakaobäume von natürlich vorkommenden, artenreichen Ameisengesellschaften bevölkert, fällt die Kakaoernte um bis zu 27 Prozent höher aus, als wenn Ameisen von den Kakaobäumen ausgeschlossen sind.

Wird eine Ameisengesellschaft von einer einzigen Ameisenart zahlenmäßig dominiert, fallen die Ergebnisse unterschiedlich aus: Die auf Indonesien einheimische schwarze Kakaoameise weist einen ähnlichen Nutzen auf wie eine artenreiche Ameisenfauna, wohingegen die Invasion einer exotischen Ameise die Ernte um bis zu 34 Prozent verringern kann.

„Ameisen stehen offenbar im Zentrum eines weitaus komplexeren Netzwerks von Interaktionen mit Schädlingen und Nützlingen von Kakao als angenommen“, so Dr. Wielgoss. Sie können als natürliche Gegenspieler von Schädlingen und durch die indirekte Förderung der Bestäubung wichtige Dienstleistungen für das Ökosystem erbringen, gleichzeitig jedoch durch die Übertragung von Krankheiten und eine indirekte Förderung von Schädlingsbefall die Ernte verringern.

„Die Studie zeigt, dass es nicht ausreicht, einzelne Effekte der verschiedenen Organismen in Agroökosystemen herauszupicken, um zu bewerten, ob eine Art schädlich oder nützlich ist“, betonen die Göttinger Agrarökologen Prof. Dr. Teja Tscharntke und Dr. Yann Clough. „Man muss die gesamte Lebensgemeinschaft und das gesamte System im Auge behalten, um den endgültigen Einfluss auf die Gesamternte berechnen zu können.“

Originalveröffentlichung: Arno Wielgoss et al. Interaction complexity matters: Disentangling services and disservices of ant communities driving yield in tropical agroecosystems. Proceedings oft he Royal Society B: Biological Sciences 281: 20132144. http://dx.doi.org/10.1098/rspb.2013.2144.

Kontaktadressen:
Dr. Arno Wielgoss
Georg-August-Universität Göttingen
E-Mail: awielgo@gwdg.de
Internet: http://www.agroecology.uni-goettingen.de
Dr. Yann Clough
Universität Lund
E-Mail: yann.clough@cec.lu.se
Internet:
http://www.lunduniversity.lu.se/o.o.i.sid=24911&task=listEng
Person&username=cec-ycu

Thomas Richter | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-goettingen.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Agrar- Forstwissenschaften:

nachricht Klimawandel: Düngung und Mulchsaat optimieren den Wasserverbrauch im Weizenanbau
19.09.2018 | Johann Heinrich von Thünen-Institut, Bundesforschungsinstitut für Ländliche Räume, Wald und Fischerei

nachricht Keramische Filtersysteme für Aquafarming in geschlossenen Kreisläufen
12.09.2018 | Fraunhofer-Institut für Keramische Technologien und Systeme IKTS

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Agrar- Forstwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wie Magnetismus entsteht: Elektronen stärker verbunden als gedacht

Wieso sind manche Metalle magnetisch? Diese einfache Frage ist wissenschaftlich gar nicht so leicht fundiert zu beantworten. Das zeigt eine aktuelle Arbeit von Wissenschaftlern des Forschungszentrums Jülich und der Universität Halle. Den Forschern ist es zum ersten Mal gelungen, in einem magnetischen Material, in diesem Fall Kobalt, die Wechselwirkung zwischen einzelnen Elektronen sichtbar zu machen, die letztlich zur Ausbildung der magnetischen Eigenschaften führt. Damit sind erstmals genaue Einblicke in den elektronischen Ursprung des Magnetismus möglich, die vorher nur auf theoretischem Weg zugänglich waren.

Für ihre Untersuchung nutzten die Forscher ein spezielles Elektronenmikroskop, das das Forschungszentrum Jülich am Elettra-Speicherring im italienischen Triest...

Im Focus: Erstmals gemessen: Wie lange dauert ein Quantensprung?

Mit Hilfe ausgeklügelter Experimente und Berechnungen der TU Wien ist es erstmals gelungen, die Dauer des berühmten photoelektrischen Effekts zu messen.

Es war eines der entscheidenden Experimente für die Quantenphysik: Wenn Licht auf bestimmte Materialien fällt, werden Elektronen aus der Oberfläche...

Im Focus: Scientists present new observations to understand the phase transition in quantum chromodynamics

The building blocks of matter in our universe were formed in the first 10 microseconds of its existence, according to the currently accepted scientific picture. After the Big Bang about 13.7 billion years ago, matter consisted mainly of quarks and gluons, two types of elementary particles whose interactions are governed by quantum chromodynamics (QCD), the theory of strong interaction. In the early universe, these particles moved (nearly) freely in a quark-gluon plasma.

This is a joint press release of University Muenster and Heidelberg as well as the GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung in Darmstadt.

Then, in a phase transition, they combined and formed hadrons, among them the building blocks of atomic nuclei, protons and neutrons. In the current issue of...

Im Focus: Der Truck der Zukunft

Lastkraftwagen (Lkw) sind für den Gütertransport auch in den kommenden Jahrzehnten unverzichtbar. Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen der Technischen Universität München (TUM) und ihre Partner haben ein Konzept für den Truck der Zukunft erarbeitet. Dazu zählen die europaweite Zulassung für Lang-Lkw, der Diesel-Hybrid-Antrieb und eine multifunktionale Fahrerkabine.

Laut der Prognose des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur wird der Lkw-Güterverkehr bis 2030 im Vergleich zu 2010 um 39 Prozent steigen....

Im Focus: Extrem klein und schnell: Laser zündet heißes Plasma

Feuert man Lichtpulse aus einer extrem starken Laseranlage auf Materialproben, reißt das elektrische Feld des Lichts die Elektronen von den Atomkernen ab. Für Sekundenbruchteile entsteht ein Plasma. Dabei koppeln die Elektronen mit dem Laserlicht und erreichen beinahe Lichtgeschwindigkeit. Beim Herausfliegen aus der Materialprobe ziehen sie die Atomrümpfe (Ionen) hinter sich her. Um diesen komplexen Beschleunigungsprozess experimentell untersuchen zu können, haben Forscher aus dem Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) eine neuartige Diagnostik für innovative laserbasierte Teilchenbeschleuniger entwickelt. Ihre Ergebnisse erscheinen jetzt in der Fachzeitschrift „Physical Review X“.

„Unser Ziel ist ein ultrakompakter Beschleuniger für die Ionentherapie, also die Krebsbestrahlung mit geladenen Teilchen“, so der Physiker Dr. Thomas Kluge vom...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

4. BF21-Jahrestagung „Car Data – Telematik – Mobilität – Fahrerassistenzsysteme – Autonomes Fahren – eCall – Connected Car“

21.09.2018 | Veranstaltungen

Forum Additive Fertigung: So gelingt der Einstieg in den 3D-Druck

21.09.2018 | Veranstaltungen

12. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

20.09.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Tiefseebergbau: Forschung zu Risiken und ökologischen Folgen geht weiter

21.09.2018 | Geowissenschaften

4. BF21-Jahrestagung „Car Data – Telematik – Mobilität – Fahrerassistenzsysteme – Autonomes Fahren – eCall – Connected Car“

21.09.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Optimierungspotenziale bei Kaminöfen

21.09.2018 | Energie und Elektrotechnik

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics