Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Aktuelle Daten zur natürlichen Waldentwicklung in Deutschland

14.10.2013
Forschungsvorhaben liefert Bilanz über den derzeitigen Umfang und die Qualität der nutzungsfreien Wälder in Deutschland
- Knapp 2 % ungenutzter Waldflächen in Deutschland derzeit bilanziert
- Weitere Schritte zur Erreichung des 5 %-Ziels notwendig
Heute wurden die Ergebnisse des Forschungs- und Entwicklungsvorhabens „Natürliche Waldentwicklung als Ziel der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt“ vorgestellt. Als Ergebnis des Verbundvorhabens zeigt sich, dass es derzeit 213.145 Hektar dauerhaft gesicherten Wald mit natürlicher Waldentwicklung in Deutschland gibt. Dies entspricht einem Anteil von 1,9 Prozent der Waldfläche in Deutschland.

Bis zum Jahr 2020 steigt der Anteil voraussichtlich auf 2,3 und danach auf ca. 3 Prozent. In der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt (NBS) der Bundesregierung wird bis zum Jahr 2020 eine natürliche Waldentwicklung auf 5 Prozent der gesamten Waldfläche bzw. 10 Prozent der öffentli-chen Wälder angestrebt. Insbesondere das 5-Prozent-Ziel wurde in der Vergangenheit von unterschiedlichsten Interessengruppen sehr kontrovers diskutiert, ohne dass zum Umfang bereits bestehender Flächen mit natürlicher Waldentwicklung bisher bundesweit Zahlen vorlagen.

„Wälder ohne forstliche Nutzung sind fester Bestandteil einer multifunktionalen Forstwirtschaft. Sie leisten einen unverzichtbaren Beitrag zum Schutz und zur Entwicklung der biologischen Vielfalt in unseren Wäldern und erbringen darüber hinaus zahlreiche ökologische Leistungen“, sagte Prof. Beate Jessel, die Präsidentin des Bundesamtes für Naturschutz. „Erstmals liegen nun belastbare Bilanzen und Prognosen zum Flächenumfang der derzeitigen NWE5-Kulisse vor“, erläuterte der Projektkoordinator Prof. Herrmann Spellmann, Direktor der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt. „Die vorliegenden Ergebnisse tragen zur Versachlichung der oftmals kontroversen Diskussion um den Nutzungsverzicht im Wald bei und helfen, auf solider Grundlage die weiteren notwendigen Schritte zur Umsetzung des 5-Prozent-Ziels zu planen“ ergänzte Beate Jessel.

Hintergrund
Das Bundeskabinett hatte am 07. November 2007 die unter Federführung des Bundesum-weltministeriums (BMU) erarbeitete Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt beschlossen. Damit liegt in Deutschland erstmals eine umfassende und anspruchsvolle Strategie zur Umsetzung des UN-Übereinkommens über die biologische Vielfalt vor. Mit der Verwirklichung von rund 330 Zielen und rund 430 Maßnahmen mit einem Zeithorizont bis zum Jahr 2020 soll der Rückgang der biologischen Vielfalt aufgehalten und der Trend umgekehrt werden. Für den Lebensraum Wald ist, neben einer naturnahen Bewirtschaftung, als ein zentrales Ziel formuliert: „2020 beträgt der Flächenanteil der Wälder mit natürlicher Waldentwicklung 5 % der Waldfläche“. Seit Dezember 2010 beschäftigt sich ein Forschungsverbund aus Mitarbeitern der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt (NW-FVA), der Professuren für Vegetationskunde und für Waldbau der Universität Freiburg sowie des Institutes für Landschaftsökologie und Naturschutz in Bühl (ILN) im Auftrag des Bundesamtes für Naturschutz (BfN) mit der Frage, auf welchen Flächen Deutschlands aktuell und voraussichtlich bis zum Jahr 2020 eine natürliche Waldentwicklung gewährleistet ist und wie diese Flächen aus naturschutzfachlicher und ökonomischer Sicht zu bewerten sind.

In dem Vorhaben wurde zunächst definiert, was unter „Wald mit natürlicher Entwicklung“ zu verstehen ist. Wälder mit natürlicher Entwicklung umfassen demnach Waldbestände ohne eine direkte Einflussnahme des Menschen. Die dauerhafte Aufgabe der forstlichen Nutzung sowie das Unterlassen von Eingriffen zur Sicherung von Naturschutzzielen auf einer abgegrenzten Fläche von mindestens 0,3 ha Größe stellt hierfür die Grundvoraussetzung dar. Auf diesen Flächen wird das Ziel verfolgt, die dauerhaft ungestörte Entwicklung natürlicher Pro-zesse zu gewährleisten. Als Wälder mit natürlicher Entwicklung gelten auch diejenigen waldfähigen Standorte, auf denen jegliche menschliche Nutzung dauerhaft eingestellt und eine Waldsukzession absehbar ist.

Basierend auf den Kriterien Dauerhaftigkeit, rechtliche Verbindlichkeit sowie Zweck der Nutzungsaufgabe wurden eine Kernbilanz (mit Stichjahr 2013) sowie zwei Zukunftsbilanzen errechnet. In der Zukunftsbilanz 2020 sind zusätzlich solche Flächen berücksichtigt, die mit hoher Wahrscheinlichkeit bis 2020 der natürlichen Waldentwicklung überlassen werden und dann den Anforderungen der Kernbilanz entsprechen. In der Zukunftsbilanz 2020+ sind die voraussichtlich nach 2020 zusätzlich vorhandenen „Wälder mit natürlicher Entwicklung“ aufgeführt.

Die Kernbilanz umfasst 213.145 ha Flächen mit natürlicher Waldentwicklung. Dies entspricht einem Anteil von 1,9 % des gesamten Waldes in Deutschland. Der Anteil wird voraussichtlich bis 2020 auf 2,3 % und in den nachfolgenden Jahren auf etwa 3 % ansteigen.

Weitere Informationen zu dem Vorhaben sind im Internet zu finden unter:
http://www.nw-fva.de/nwe5/
oder können bei der
Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt
Prof. Dr. Hermann Spellmann
Hermann.Spellmann@nw-fva.de
Tel. 0551 69401 123
erfragt werden.

Franz August Emde | idw
Weitere Informationen:
http://www.nw-fva.de/nwe5/
http://www.bfn.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Agrar- Forstwissenschaften:

nachricht Forschungsteam unter Göttinger Leitung beschreibt neue Methode zur Gen-Entschlüsselung bei Pflanzen
08.10.2019 | Georg-August-Universität Göttingen

nachricht Die „kurze“ Revolution im Roggenfeld: Mit Halbzwergen zu mehr Ertrag und Trockenstress-Toleranz
24.09.2019 | Julius Kühn-Institut, Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Agrar- Forstwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wie sich Reibung bei topologischen Isolatoren kontrollieren lässt

Topologische Isolatoren sind neuartige Materialien, die elektrischen Strom an der Oberfläche leiten, sich im Innern aber wie Isolatoren verhalten. Wie sie auf Reibung reagieren, haben Physiker der Universität Basel und der Technischen Universität Istanbul nun erstmals untersucht. Ihr Experiment zeigt, dass die durch Reibung erzeugt Wärme deutlich geringer ausfällt als in herkömmlichen Materialien. Dafür verantwortlich ist ein neuartiger Quantenmechanismus, berichten die Forscher in der Fachzeitschrift «Nature Materials».

Dank ihren einzigartigen elektrischen Eigenschaften versprechen topologische Isolatoren zahlreiche Neuerungen in der Elektronik- und Computerindustrie, aber...

Im Focus: Neuer Werkstoff für den Bootsbau

Um die Entwicklung eines Leichtbaukonzepts für Sportboote und Yachten geht es in einem Forschungsprojekt der Technischen Hochschule Mittelhessen. Prof. Dr. Stephan Marzi vom Gießener Institut für Mechanik und Materialforschung arbeitet dabei mit dem Bootsbauer Krake Catamarane aus dem thüringischen Apolda zusammen. Internationale Kooperationspartner sind Prof. Anders Biel von der schwedischen Universität Karlstad und die Firma Lamera aus Göteborg. Den Projektbeitrag der THM fördert das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie im Rahmen des Zentralen Innovationsprogramms Mittelstand mit 190.000 Euro.

Im modernen Bootsbau verwenden die Hersteller als Grundmaterial vorwiegend Duroplasten wie zum Beispiel glasfaserverstärkten Kunststoff. Das Material ist...

Im Focus: Novel Material for Shipbuilding

A new research project at the TH Mittelhessen focusses on the development of a novel light weight design concept for leisure boats and yachts. Professor Stephan Marzi from the THM Institute of Mechanics and Materials collaborates with Krake Catamarane, which is a shipyard located in Apolda, Thuringia.

The project is set up in an international cooperation with Professor Anders Biel from Karlstad University in Sweden and the Swedish company Lamera from...

Im Focus: Controlling superconducting regions within an exotic metal

Superconductivity has fascinated scientists for many years since it offers the potential to revolutionize current technologies. Materials only become superconductors - meaning that electrons can travel in them with no resistance - at very low temperatures. These days, this unique zero resistance superconductivity is commonly found in a number of technologies, such as magnetic resonance imaging (MRI).

Future technologies, however, will harness the total synchrony of electronic behavior in superconductors - a property called the phase. There is currently a...

Im Focus: Ultraschneller Blick in die Photochemie der Atmosphäre

Physiker des Labors für Attosekundenphysik haben erkundet, was mit Molekülen an den Oberflächen von nanoskopischen Aerosolen passiert, wenn sie unter Lichteinfluss geraten.

Kleinste Phänomene im Nanokosmos bestimmen unser Leben. Vieles, was wir in der Natur beobachten, beginnt als elementare Reaktion von Atomen oder Molekülen auf...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Digitalisierung trifft Energiewende

15.10.2019 | Veranstaltungen

Bauingenieure im Dialog 2019: Vorträge stellen spannende Projekte aus dem Spezialtiefbau vor

15.10.2019 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Dezember 2019

14.10.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Wie sich Reibung bei topologischen Isolatoren kontrollieren lässt

15.10.2019 | Physik Astronomie

Neue potenziell therapeutische Targets für nicht-alkoholische Fettlebererkrankung entdeckt

15.10.2019 | Biowissenschaften Chemie

Bessere Rheuma-Früherkennung dank neuer Fußkamera

15.10.2019 | Medizintechnik

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics