Neues Allzeithoch im Außenhandel greifbar

„Trotz einer Schwächephase zum Jahresende steht unser Außenhandel im laufenden Jahr vor einem neuen Allzeithoch. Unser Handelsvolumen wird die 2 Billionen-Euro-Marke überschreiten und auch für das nächste Jahr erwarten wir neue Rekordwerte im Export wie im Import. Gleichwohl will keine rechte Jubelstimmung aufkommen. Die Schuldenkrise mit all ihren Gefahren wird Deutschland noch lange begleiten. Eine Lösung ist nicht ohne eine Stärkung auch der multilateralen Organisationen möglich.“ Dies erklärte Anton F. Börner, Präsident des Bundesverbandes Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA) heute in Berlin anlässlich der Herbstpressekonferenz des Verbandes zur Entwicklung des deutschen Außenhandels.

Im Gesamtjahr 2012 werden die Ausfuhren nominal um 4 Prozent auf 1.103 Milliarden Euro steigen. Die Importe steigen mit plus 3 Prozent weniger dynamisch als die Exporte und erreichen 929 Milliarden Euro. Dies ergibt einen Außenhandelsüberschuss in Höhe von 174 Milliarden Euro, der damit um 10 Prozent über dem des Vorjahres liegt.

In den ersten drei Quartalen konnten durch Wachstum in ostasiatischen Ländern und auch im US-Geschäft die Einbußen insbesondere in den südeuropäischen Märkten noch überkompensieren. Dies hat sich jedoch zum Jahresende hin geändert. In der ersten Jahreshälfte verzeichneten die deutschen Unternehmen Einbußen bei Ihren Exporten nach Griechenland in Höhe von 9 Prozent, nach Italien von 8 Prozent und nach Portugal in Höhe von 14 Prozent. Dem standen im gleichen Zeitraum zunächst aber noch Zuwächse von plus 9 Prozent nach China, plus 19 Prozent in die USA und plus 15 Prozent nach Russland gegenüber. Dieses Tempo kann in den letzten Monaten nicht mehr gehalten werden.

„Für Schwarzmalerei ist trotz des aktuellen Rückgangs im Außenhandel kein Raum. Die Einbrüche schmerzen, aber sie haben nicht das Niveau aus der Finanzkrise. Vielmehr erwarten wir für 2013 wieder ein Anknüpfen an den ursprünglichen Trend, denn der Welthandel wird im kommenden Jahr wieder an Fahrt aufnehmen, sofern nicht protektionistische Maßnahmen dies zunichte machen“, so Börner. Nach BGA-Einschätzung können die deutschen Exporte im kommenden Jahr 2013 um 5 Prozent auf 1.158 Milliarden Euro wachsen und die Importe sogar um 5,5 Prozent auf 980 Milliarden Euro.

Börner warnte vor den Folgen eines Euro-Untergangs. Es wäre eine Katastrophe, wenn einzelne Staaten aus dem Euro austreten, die Abwertungsspirale losträten und den freien Güter- und Kapitalverkehr unterbrächen. Schon jetzt sei zu beobachten, dass die Idee des europäischen Binnenmarktes unterlaufen werde. So sehe man mit großer Sorge einen Anstieg protektionistischer Maßnahmen vor allem in verschiedenen osteuropäischen Ländern. Der vermeintliche Schutz der eigenen Wirtschaft äußere sich in Form von Sondersteuern, Diskriminierung ausländischer Produkte und massiven Eingriffen in die Vertragsfreiheit. „Genau dieser Protektionismus ist es, der zu Renationalisierung führt und die Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit verhindert. Für Europa hieße dies Balkanisierung und Marginalisierung. Als Einzelstaaten würden wir zum Spielball der Weltmächte und unsere Erfolge der vergangenen 60 Jahre selbst zerstören“, so der BGA-Präsident.

Die Zunahme von protektionistischen Maßnahmen sei aber kein regionales, sprich europäisches Phänomen, sondern weltweit festzustellen. Die Import- und Devisenbeschränkungen in Argentinien seien genauso wie die Handelsschutzinstrumente der EU gegen Keramikgeschirr oder Photovoltaik-Module aus China weitere unrühmliche Beispiele, die der BGA auf das Schärfste verurteile.

„Diese zutiefst chauvinistischen Tendenzen sind völlig inakzeptabel. Wir distanzieren uns davon und werden sie mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln politisch bekämpfen! Vom Druck machen bei der Bundesregierung, der EU-Kommission und der WTO bis hin zum weltweiten öffentlichen Anprangern der Akteure. Denn diese Länder schaden nicht nur sich selbst, sondern auch allen anderen! Angesichts der steigenden Weltbevölkerung brauchen wir dringendst neue Arbeitsplätze auf der Welt. Das erfordert Stabilität. Die Folge von Protektionismus ist das genaue Gegenteil: Eine Spirale nach unten mit weniger Wachstum. Das bedeutet auch weniger Importe der „reichen“ Länder, was besonders struktur¬schwache, arme Länder trifft, die so in der Armutsfalle gefangen bleiben. Dies befördert organisierte Kriminalität, Korruption, Geldwäsche und führt im Ergebnis zu Instabilität, Krisen und Krieg“, warnte Börner eindringlich.

„Vom Ende des zehrenden Wahlkampfes in den USA erhoffen wir uns nicht nur neue Wachstumsimpulse für die US-Wirtschaft und eine konsequente Sanierung der Staatsfinanzen, sondern auch neue Anstöße in der Handelspolitik. Es freut mich, dass auch der scheidende chinesische Staatschef Hu Jintao jüngst forderte, dass China stärker den Regeln des Marktes folgen sollte. Der Wechsel an der Parteispitze zu Xi Jinping ist ein starkes Signal, dass China weiter wachsen und ein verlässlicher Partner sein will und als Wachstumsmotor für die Welt zur Verfügung steht. Der neuen Führung wünschen wir eine gute Hand für die Entwicklung Chinas und auch bei der Bewältigung seiner inneren Probleme“, so Börner abschließend.

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